manager-magazin.de, 31. Juli 2006, 15:08 Uhr
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Lange Suche - schnelles Ende?
Von Helmut Reich
Seit Monaten liegt die Pharmasparte von Altana unberührt auf dem Präsentierteller. Nun zeigt offenbar das dänische Unternehmen Nycomed, an dem unter anderem der Finanzinvestor Blackstone beteiligt ist, Interesse an einem Kauf. Die Folgen für die Sparte könnten fatal sein.
Bad Homburg – Nikolaus Schweickart, Vorstandsvorsitzender von Altana , hat ein Problem. Nach Jahren der Verkaufsrekorde läuft das Patent des erfolgreichen Magenpräparats Pantoprazol ab. Ein Nachfolger als Blockbuster ist nicht in Sicht – die Atemwegsmedikamente gegen Asthma und chronische Bronchitis "Alvesco" und "Daxas" können die sogenannte "Panto-Lücke" bei Weitem nicht schließen und den zu erwartenden Einbruch bei Umsatz und Ertrag abfedern.
Versprechen an Mitarbeiter:
Altana-Chef Schweickart
Für die Pharmasparte von Altana wird daher ein Partner benötigt. Dieser findet sich jedoch trotz intensiver Suche nicht, und den Verkauf an ein Private-Equity-Unternehmen hat Schweickart gegenüber den Mitarbeitern ausgeschlossen. Nun bahnt sich allerdings eine Lösung an, durch die der Vorstandschef sein Sorgenkind Pharma loswerden könnte und – zumindest auf den ersten Blick – sein Gesicht wahrt.
Das dänische Unternehmen Nycomed hat sich bei der Suche nach Zukäufen offenbar auch Altana intensiv angesehen. Doch was würde ein möglicher Kauf der Pharmasparte durch die Dänen bedeuten? Nycomed firmiert zwar - wie versprochen - als ein Pharmaunternehmen, ist allerdings im Besitz der Finanzinvestoren Nordic Capital, Credit Suisse Private Equity und Blackstone.
"Die Konsequenzen wären wohl die gleichen wie beim direkten Verkauf an ein Private-Equity-Unternehmen", sagt Alexander Groschke, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, gegenüber manager-magazin.de. "Die Besitzer von Nycomed könnten dann noch einige Zeit vom Cashflow durch Pantoprazol profitieren und alle anderen nach Hause schicken". Altana beschäftigt im Bereich Pharma mehr als 8000 Mitarbeiter.
Die Problematik von Altana Pharma würde sich auch bei einem Kauf durch das viel kleinere dänische Unternehmen nicht lösen. Der Grund: Nycomed ist spezialisiert auf Partnerschaften mit Pharmaunternehmen, von denen es Lizenzen für den Vertrieb oder die Forschung erwirbt.
"Die Geschäftsmodelle passen nicht zueinander, da auch Nycomed keine eigenen Produkte hat, um die 'Panto-Lücke' schließen zu können", so Groschke, "und einen weiteren Vertriebsweg benötigt Altana nicht." Nycomed vertreibt Pantoprazol für Altana bereits in Skandinavien und Belgien.
Zügige Lösung muss her
Auch Nycomed scheint also keine ideale Lösung für Altana bei der langen Suche nach einem Partner oder Käufer für die Pharmasparte zu sein. "Diese Schwierigkeiten haben derzeit alle Firmen in der Branche, die Probleme mit ihrem Wachstum haben", so Groschke. Auch Organon, die ausgegliederte Pharmatochter von Akzo Nobel , und Serono haben bisher vergeblich nach einem Käufer gesucht.
Sorgenkind Pharma:
Altanas Suche nach einem Partner oder Käufer läuft schon seit Monaten
Eine zügige Lösung muss her: "Es ist zu vermuten, dass Altana-Hauptaktionärin Susanne Klatten nicht für mehrere Jahre durch ein Tal der Tränen gehen will, bis die Pharmasparte womöglich wieder eine volle Pipeline entwickelt hat", so Branchenkenner Groschke.
Was Altana dann bleiben würde, ist die Chemie, die bis Ende des Jahres eigenständig an die Börse gebracht werden soll. Dieser Bereich mit über 4000 Mitarbeitern wird mit bis zu zwei Milliarden Euro bewertet.
Doch auch hier gibt es statt Neuigkeiten seit Wochen nur Spekulationen. Vielleicht werde doch noch nach einem Käufer gesucht, der die aussichtsreiche Chemiesparte übernehmen will. Dieses lukrativ anmutende Geschäft könnte dann aber einen Haken haben – der Käufer bekäme die Chemie nur, wenn er auch das Sorgenkind Pharma übernimmt.
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