Was im letzten Absatz beschrieben ist -und natürlich die Tasachen in drastischer Wei-
se auf den Punkt bringt- mag die Motivation für die Chinesen sein, sich endgültig für einen neuen Weg zu entscheiden: in den EURO.
Im Gegensatz zur amerikanischen Führung, die seit fünfzig Jahren eher durch Dumm-
heit und Kurzsichtigkeit auffällt, als durch Klugheit und Weitsichtigkeit, halte ich die Chinesen für wesentlich klüger. Immerhin handelt es sich -wiederum im Gegensatz
zu den Amerikanern- um ein uraltes Kulturvolk mit herausragenden Leistungen. Ich
halte es schlichtweg für undenkbar, daß dieses Volk sich auf die Dauer von den Cow-
boys, die außer ihrem Gewaltpotential nichts besitzen, übervorteilen und die Früchte ihrer Bemühungen so einfach stehlen läßt. Wer so etwas denkt, unterschätzt die Chi-
nesen in gröbster Weise.
Wie Du oben richtig bemerkt hast, werden die Bonds der Chinesen bei jeder Zinser-
höhung des USD weiter entwertet. Ich habe kürzlich gelesen, manche Länder säßen
jetzt schon auf 70% Verlust! So schlimm wird es bei den Chinesen (bis jetzt) wohl
nicht sein, aber sie sind auf dem Weg dahin.
Schichten sie in EURO um, verliert der Dollar weiter an Wert und die Bonds ebenso.
Behalten sie die Dollars, müssen sie passiv zuschauen, was die Amis daraus machen.
Ich sehe den einzigen Ausweg, der den Chinsen bleibt darin, den leichteren Tod zu
sterben. Ohnehin wird die große Auseinandersetzung der Zukunft der Konflikt China
versus USA sein. Ich halte die Chinesen für zu schlau, als daß sie in absehbarer Zeit einen militärischen Konflikt mit den USA riskieren. Aber ein solcher stünde bereits dann an, wenn die USA -was ich für wahrscheinlich halte- den Iran militärisch angrei-fen. In diesem Fall sind FUNDAMENTALSTE Interessen der Chinesen tangiert. Alleine schon wegen deren Abhängigkeit vom iranischen Öl. Was also werden, der besser gesagt würden, die Chinesen tun? Ihre beste Chance bestünde in einer Schwächung der US-Wirt-schaft. Hier sind die USA am empfindlichsten zu treffen. Die Prosperität ihrer Wirt-schaft ist die Voraussetzung für ihre imperiale Überlegenheit. Nur mit Hilfe ihrer Wirtschaft lassen sich die gigantischen Ausgaben für die Rüstung finanzieren. Was ge-
schieht, wenn eine Supermacht nicht mehr die Mittel hat, ihren Miläretat zu finanzie-
ren, haben wir am Beispiel UDSSR gesehen.
Die geringe Sparquote der USA (1,5% vs. 16% in Deutschland) und die enormen Dollar-
bestände im Ausland, denen gegnüber die USA nur lächerlich geringfügige Währungs-
reserven anderer Länder haben, machen die USA in für eine Weltmacht fast grotesker Weise anfällig. Die Außenstaaten könnten -so sie wollten- konzertiert die USA jederzeit vernichtend ruinieren. Natürlich um den Preis eigener Verluste. Aber immerhin.
Das alles wissen die Chinesen. Was also wäre das Klügste aus ihrer Sicht? Die Dollarre-
serven behalten, um sie jederzeit als strategische Waffe gegen den möglichen Gegner
von morgen einsetzen zu können? Oder in EURO umschichten. Dabei weitere enorme
Verluste in Kauf nehmen, dafür aber am Ende den Dollar vom Sockel der Leitwährung
gestoßen zu haben?
Ich halte eine Mischung aus beidem für das Wahrscheinlichste. Und sie würde dem We-
sen der Chinesen wohl am ehesten entsprechen. Aus diesem Blickwinkel würde es sich
erklären, was ich oben geschrieben habe, daß nämlich China offenbar Umschichtungen
vornimmt.