Ich wollte Euch zur Illustration, wie wir alle im Haifischbecken von den Analysten
manipuliert und zu deren Opfern gemacht werden, zwei lehrreiche Beiträge einstellen.
Der erste von der Biotech-Spezialistin S. Hörrlein, der zweite von B. Niquet. Die
Wiedergabe ist in meinem vorigen Beitrag verunglückt, ich hole sie hiermit nach:
1. S. Hörrlein:
Ein wunderschönes Beispiel für eine Überreaktion war vor nicht allzu langer Zeit die Aktie von Nektar Therapeutics, die nach einer unbestätigten Nachricht, die EU-Behörden würden sich gegen das inhalierbare Insulin Exubera aussprechen, einen gigantischen Kursverlust erlitten hat. Ein nicht ganz so weit zurückliegendes Beispiel ist die Aktie von Atherogenics, die nach einer Abstufung durch ein Investmenthaus erst einmal ziemlich deutlich an Wert verlor, um dann, nur einige Tage später, durch den Rückkauf von Aktien des Vorstandes wieder deutlich zuzulegen. Auch im letzten Falle hatten Analysten Bedenken an Studiendaten als Grund für ihre Abstufung ins Feld geführt, die sich dann aber nicht bestätigten.
Grundsätzlich gilt: Analysten sind mit Banken gleichzusetzen, sie wollen Aktionären nicht zu dicken Gewinnen verhelfen, sondern sind nur an einer Gewinnmaximierung ihres Unternehmens interessiert. Zudem bestehen zahlreiche Vernetzungen und vielfältige Kontakte zwischen Analysten, Großaktionären und den Unternehmen selbst, die leider meist das Ziel verfolgen, Kleinanlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Obwohl Insider-Kontakte und die Weitergabe Kursbewegender Informationen verboten sind, ja sogar hart bestraft werden, werden sie tagtäglich genutzt, um den Geldfluss von den Kleinen zu den Großen voranzutreiben.
So hart das auch klingen mag, die Börse ist nichts anderes als ein Haifischbecken, wo Kleinanleger, die sich auf die Kompetenz von so genannten Experten verlassen, ohne Skrupel "gefressen" werden. Aus diesem Grunde ist es auch so wichtig, die vom Aussterben bedrohte Spezies der unabhängigen Berater zu finden, welche sich den finanziellen Verlockungen entziehen und nicht aus reinem Eigennutz Aktien nach oben oder auch nach unten treiben.
In diesem Zusammenhang fällt mir noch eine Anektode ein, die ich zur Veranschaulichung des eben Gesagten kurz schildern möchte. Vor kurzem wurde mir in meiner Eigenschaft als Biotech-Expertin eine finanziell recht einträgliche Analyse eines kleinen Unternehmens angeboten, wobei ich den Auftrag aber nur dann erhalten sollte, wenn meine Analyse zu einer klaren Kaufeinschätzung kommen würde. Ohne das Unternehmen und dessen Produkte auch nur ansatzweise zu kennen, hätte ich vorab also zustimmen müssen, das Unternehmen sei ein Kauf mit gigantischem Kurspotenzial. Überflüssig zu sagen, dass mein Antwort ein klares "NEIN" war.
Dass nicht alle Analysten, oder solche, die vorgeben Biotech-Experten zu sein, so handeln, zeigte mit die elektronische Post, die nur wenigen Tage später in meinem Postkasten landete. In einem bekannten Newsletter wurde das kleine Unternehmen als eine außergewöhnliche Kaufgelegenheit mit gigantischem Kurspotenzial angepriesen, die zugrunde liegenden biomedizinischen Fakten wurden aber leider nur äußerst mangelhaft beschrieben. Doch bei den Laien unter den Investoren dürfte der Verfasser des Newsletters wohl den gewünschten Erfolg erzielt haben.
Wer weiß, vielleicht ist die Technologie dieses Unternehmens ja tatsächlich ein echter Knüller, doch wenn dies so ist, warum behaart das Management dann auf einer "Buy-Studie". Hätte das Unternehmen tatsächlich Potenzial, dann wäre ein unabhängiger Analyst ganz sicher auch ohne diese Vorgabe zum gewünschten Ergebnis gekommen. Soviel zu Analysten, ihren Einschätzungen und der Unabhängigkeit ihrer Empfehlungen! Klar ist, wer sich nicht täglich mit Börse beschäftigt, der kann auch nicht mit den Machenschaften, die dort tagtäglich über die Bühne gehen, vertraut sein. Nur wer selbst täglich im Haifischbecken seine Runden dreht und stiller Beobachter der nicht immer ganz legalen Machenschaften wird, der lernt, auf viele Tricks der Haie mit stoischer Gelassenheit zu reagieren.
2. B. Niquet:
Machen wir ein Beispiel: Hier eine Kurzzusammenfassung der Tendenzen aller Kommentare, die an einem willkürlichen Tag auf einer willkürlichen Finanzseite im Netz gestanden sind: Rekordzahlen, die 5.000 locken, 1 Minute vor 12, Verschnaufpause, wackeliger Bullen-Boden, weiterhin interessant, ein guter Jahrgang, noch nicht wesentlich besser, Fehlsignal, erhöhtes Korrekturpotential, 1240 und tschüss.
Was soll und kann man damit nun anfangen? Natürlich nichts! „Information = Ruination“ hat Kostolany dazu gesagt. Und ich sage: Je mehr man hört und liest, umso weniger weiß man. Wenn man alles wahrnimmt, nimmt man nur noch weißes Rauschen wahr. Und überhaupt: Wer nach allen Seiten offen ist, der kann nicht ganz dicht sein.