Aktiensparen ist in Deutschland (und Europa) beliebter denn je, was sicherlich mit der Hausse der letzten 20 Jahre zusammen hängt.
Ob die Taxifahrer, Kindermädchen und Verkäuferinnen wirklich schon alle verkauft haben (oder immer noch auf die Trendwende hoffen, welche ihre Verluste ausbügeln soll warten) sei dahin gestellt. Ich weiß nicht was Du für einen Beruf hast aber es schein mir, als wenn Du bis über beide Ohren investiert wärs, oder warum regst Du dich so auf???
Zugegeben, die Sprache von Hamilton klingt etwas geschwollen (vielleicht liegt es auch an meiner Übersetzung) und wie er seine Wahrscheinlichkeiten berechnet hat ist ein Geheimnis aber wenn es zutrifft, daß dies eine Original Analyse vom 25.08.2001 ist, dann muß man anerkennen daß der Vergleich mit dem DOW-Crash von 1929 garnicht so abwegig ist. Schau dir mal den aktuellen Vergleich an!
Wer hier in diesem Board hätte dies im August 2000 für möglich gehalten, ich wette keiner.
Ich fühle mich voll erttapt, genau dies war mein Fehler als ich im Januar vom Boden ausging. Den Kursaufschwung sah ich kommen und kaufte groß ein. Als es dann wieder runter ging, verkaufte ich aber nicht, da dies ja nur ein "Luftholen" sein sollte.
Die Geschichte muß sich nicht genauso wiederholen, es könnte jetzt durchaus wieder etwas nach oben gehen aber dies ändert nichts an, wie Hamilton schon sagte, den massiven grundlegenden Probleme der Wirtschaft und US-Finanzmärkten auch wenn Deine argumente bezüglich EU-Osterweiterung, Rußland, China und die amerikanische Freihandelszone richtig sind.
Crash und Baissemärkte gab es schon immer auch vor dem Kalten Krieg:
Tulpen vom "Holländer" etwas Besonderes (
www.movingmarkets.de/index.htm)Auch damals galt es, für immer größere Projekte immer mehr Kapital aufzubringen und zugleich das Risiko zu verteilen. Die Börse sorgte dafür, daß die Kapitalgeber stets ihre Beteiligungen veräußern konnten, um sich neuen Projekten zuzuwenden. Das Spiel Hausse - Baisse - Zusammenbruch ist altbekannt.
Auch "Tulpen" wachsen nicht in den Himmel: So kam es in Holland zum Tulpenskandal, als Züchtung und Verkauf der neuen Modeblume auf Aktien betrieben wurde, und deren hochspekulierte Kurse zusammenbrachen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erlebten französische Investoren schmerzliche Verluste mit den überbewerteten Aktien der Mississippi-Gesellschaft, eines Kolonial-Unternehmens des Engländers John Law. In England platzten zur gleichen Zeit die "Südsee-Spekulationen", die sich ebenfalls mit den Anteilen einer Kolonial-Gesellschaft befaßt hatten.
Auch Deutschland ist kein unbeschriebenes BlattDeutschland lernte die großen Börsendebakel erst im 19. Jahrhundert kennen. Mit der industriellen Revolution entdeckte man die Vorzüge der Finanzierungsmöglichkeiten mit der Börse. Auch damals gehörten Konjunkturverlauf und Spekulation zusammen.
Die große Eisenbahnkonjunktur hielt von 1840 bis 1870 an. In dieser Zeit waren die Namen "KRUPP" und "BORSIG" eng verknüpft mit den Symbolen der Industrialisierung Deutschlands. Der damalige Aufschwung nährte sich aus immer neuen Aktien-Emissionen. Der Berliner Kurszettel verzeichnete Anfang 1870 über 180 (!) Eisenbahnpapiere.
Terminhandel auf Unternehmen, die noch nicht gegründet warenEine besondere Spielart der Spekulation war der "Promessenhandel". Es wurden Bezugscheine auf Aktien von Eisenbahngesellschaften verkauft, die noch gar nicht gegründet waren - und leider oft nie gegründet wurden. Einer der erfolgreichsten deutschen Bahnbauer, Bethel Henry Strousberg, verlor sein Vermögen durch ein geplatztes Schienenunternehmen in Rumänien.
Und die Meinungen der Anleger, Analysten, etc. ging dabei immer auseinander, z.B. beim Crash von 1987:Hier einen Bericht, der unmittelbar vor dem 1987er Börsencrash von der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS) in einem Börsenbrief veröffentlicht wurde. Dort heißt es:
"Für die Investment-Anlage bietet sich auch in den kommenden Monaten (...) ein unverändert günstiges Umfeld. Die der Deutschen Bank AG nahestendene DWS rechnet mit einer Fortsetzung der stabilen Verfassung des deutschen Aktienmarktes. Gelegentliche Konsolidierungsphasen sollten den Gesamttrend dabei nicht nachhaltig beeinträchtigen. (...) Angesichts der günstigen fundamentalen Faktoren könnte sich auch das Auslandsinteresse wieder verstärken."
Wer hätte hier nicht gekauft?
Ein paar Wochen später rasselten deutsche Aktien über 40 Prozent in die Tiefe. Sie brauchten anschließend zwei Jahre, um die Verluste wieder aufzuholen.
...und was sagte Altmeister Kostolany im Juni 1987?"Von den Insidern spekuliere im Augenblick kaum mehr einer an den deutschen Börsen. Hier sei im Augenblick nämlich kein Geld zu machen. Sie haben während des Booms der letzten Jahre reichlich abkassiert und sind längst ausgestiegen. Im Augenblick ist an Bundesdeutschlands Börsen die Zeit der "Zittrigen" angebrochen, die weder über das erforderliche Kleingeld noch über die Geduld, aber schon gar nicht über das Feeling verfügen, um aus den Gesamtzusammenhängen messerscharf die nötigen Schlußfolgerungen ziehen zu können".
Kostolany lag (auch) damals mit seiner Einschätzung richtig.
Und wie war es 1929?(
www.fnet.de)Es ist Dienstag, der 3. September 1929. Die Stimmung an der New Yorker Börse ist gut. Obwohl es für kurzfristige Zinsanlagen 9 Prozent gibt, erklimmen die Aktien an der Wall Street nie dagewesene Höhen. Fast 390 Zähler erreicht das Marktbarometer Dow Jones. Genau 381,17 bleiben am Ende dieses Tages übrig (1). Zu diesem Zeitpunkt weiß niemand, dass der Gipfel des Anstiegs markiert ist, der den Dow in acht Jahren um 500 Prozent in die Höhe gebracht hat. Und niemand ahnt, daß die Aktien ein Vierteljahrhundert brauchen, bis sie solche Höhen wieder erreichen.

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Am 5. September kommt leises Unbehagen auf (2). Der Dow verliert 3,4 Prozent. Roger Babson - ein Börsianer mit zweifelhaftem Ruf - nimmt das Wort vom "Crash" in den Mund, der "schrecklich werden könnte". Der angesehene Professor Irving Fisher pariert: Der Kursrückgang sei allenfalls eine Reaktion des Marktes auf die vorangegangenen Anstiege. Und in der Tat: Bis Mitte Oktober können die Aktien einen Teil ihrer Septemberverluste wettmachen. Fisher triumphiert: "Die Kurse haben ein dauerhaft hohes Niveau erreicht und werden von da an weiter steigen." Es ist der 15. Oktober, und der Dow pendelt um 350 (3). Die Zwischenerholung währt nur kurz. Empfindliche 6 Prozent gehen die Kurse an den beiden Folgetagen in die Knie. Am 19. Oktober ist erstmals von "Verkaufswellen" die Rede (4). Aber auch davon, dass nun das Schlimmste überstanden sei.
Der 23. Oktober zerstört die Hoffnungen. Der Dow kracht um 8 Prozent und schließt auf Tagestief (5). Jetzt gibt es kein Halten mehr. Am Donnerstag, den 24. Oktober, nimmt die eigentliche "Panic of 1929" ihren Lauf (6). Der Handel beginnt nervös, die Umsätze sind hoch. Dann brechen die Kurse weg. Vor den Toren der Börse drängen sich verzweifelte Aktionäre, die Besuchergalerie wird geschlossen. Der Dow verliert mehr als 12 Prozent. Zur Mittagszeit kann er sich dank demonstrativer Stützung durch Banken wie J.P. Morgan über die 300er-Marke retten. Mit Mühe hält er sie bis zur Schlußglocke. Auch Freitag und Samstag noch - damals Börsentag. Dann aber stürzt der Himmel ein: Am Montag, den 28. Oktober (er geht als "schwarzer" in die Geschichte ein) kracht der Dow um mehr als 12 Prozent (7). Eine Schlusserholung der Kurse gibt es dieses Mal nicht mehr, Stützungskäufe der Banken auch nicht. Und der Dienstag wird noch schlimmer: Noch mehr Verkäufe, noch mehr Verluste, im Verlauf bis zu 16 Prozent (8). Am Ende dieses umsatzstärksten Tages ein Hoffnungsschimmer: Der Dow schließt deutlich über seinem Tief - und macht in den nächsten zwei Tagen auch fast 30 Prozent gut (9). Öffentliche Bekenntnisse von Banken, Unternehmen und Politikern helfen; auch die Zinssenkungen der Notenbank.
Am 1. und 2. November ist die Börse geschlossen. Die Unternehmen berichten von guten Gewinnaussichten, Autoproduzent Ford senkt die Preise. Umsonst. Am Montag, den 4. November bricht die nächste Verkaufswelle los (10). Vor allem hochspekulative Aktien von Finanztrusts trifft es. Für sie gibt es keine Käufer mehr. Wer mit geliehenem Geld Aktien gekauft hat, muß jetzt gute Papiere über Bord werfen, um seinen Verpflichtungen nachzukommen, um sogenannte "Margin Calls" zu decken. Der eigentliche Ausverkauf findet vom 11. bis 13. November statt (11). Der Dow taucht unter die Marke von 200 Punkten. Seit den September-Rekorden haben sich die Aktien halbiert. Endzeitstimmung herrscht. Doch damit ist der Crash von 1929 überstanden. Bis Dezember kämpft sich der Dow Jones auf 265 Zähler hoch; bis April 1930 erreicht er sogar wieder fast das Niveau, an dem die Panik begonnen hatte. Doch der Crash von 1929 endete nicht hier sondern es war der Beginn einer Weltwirtschaftskrise. Deshalb hält die Kurserholung nach dem Schock vom November 1929 auch nur kurz: Bis April 1930 kommt der Dow-Jones-Index an die 300er-Marke heran - bevor er im Zuge der absackenden Wirtschaft am 8. Juli 1932 mit 41,22 Punkten seinen Tiefststand erreichte.
Ich wil hier, weiß Gott, keine Rezesion herbeireden, ich wollte euch nur auffordern VORSICHTIG zu sein, daß Schlimmste könnte uns noch bevor stehen!
mfG: Speculator