Hier die schon angekündigte Analyse zur "Lage der Nation", besser gesagt die "Lage der Finanzmärkte".
So, nun ist fast ein Monat vergangen und wir wurden mit jede Menge neuer Wirtschaftsdaten überschüttet. Bevor ich mich der langfristigen Analyse widme, möchte ich ein kleines Resumé der letzten vier Wochen ziehen.
Der RückblickDem Nasdaq-Index ist wie vermutet die „Puste“ ausgegangen, dabei hat dieser statt abwärts mehr seitwärts konsolidiert.
Die Gap’s, insbesondere der letzte große (in der vorangegangenen Analyse als Gap 4 bezeichnet) wurden nicht geschlossen, statt dessen wurde eine Bullenflage geformt. Die letzte Wochenkerze schloß (im Nasdaq Composite!) schon außerhalb des Abwärtstrends, zwar nur geringfügig aber immer hin!
Ist das jetzt die Trendwende? Haben wir das schlimmste überstanden? Kann es jetzt wieder nach oben gehen?Der Nasdaq-Composite-Index hat von seinem Intraday-Hoch zum Intraday-Tief ganze 68,5% verloren, zum Schlußkurs vom Freitag den 18.05.2001 sind es immerhin noch 59% Kursverlust!
Hat damit die Nasdaq ihre Überbewertung abgebaut oder müssen wir uns weiterhin auf fallende Kurse einstellen? Mit einem Blick auf den nachfolgenden Chart läßt sich diese Frage zum Teil beantworten (hierzu im Anschluß mehr).

Wie sich ganz leicht aus der Grafik ableiten läßt, stiegen beide Indizes seit Anfang der 90er Jahre parallel an und auch der ab 1995 steilere Aufwärtstrend verlieft zunächst parallel, doch während sich der DJIA (Dow Jones Industrial Average) Mitte 1998 zu einer „Verschnaufpause“ entschließt, bekommt die Nasdaq „Flügel“ was zwangsläufig in diesem Desaster enden musste. Nunmehr konnte die Nasdaq in Relation zum DJIA ihre Überbewertung aber vollständig abbauen.
Was macht der DOW JONES?Die Korrektur beim DJIA verlief in Form eines gefährlichen Diamanten, der Kurs brach Mitte März nach unten aus und generierte dadurch ein Verkaufssignal. Mittlerweile konnte sich der Kurs jedoch wieder erholen und notiert mit 11301 Punkte jetzt sogar über der Diamantenformation, was wiederum ein Kaufsignal darstellt. Der Ausbruch nach unten könnte somit in die Kategorie „Fehlsignale“ fallen.

Nachdem die US-Notenbank im diesem Jahr die Zinsen schon um insgesamt 2,5% gesenkt hat und die Mehrzahl der US-Unternehmen die (zuvor stark revidierte) Gewinnerwartungen für das gerade abgelaufene Quartal erfüllen konnten, scheint jetzt wieder mehr Optimismus in den Markt zurück zu kehren. Das spiegelt sich auch in dem überraschend hohe Konsumentenvertrauen wieder, der kürzlich bekannt gegeben wurde. Und während Analysten in den letzten Monate immer mehr Unternehmen abstuften, werden nun viele wieder zum Kauf empfohlen. Alles in einem sind die Chancen auf eine weitere Erholung und der damit verbundene Trendbruch größer als zuvor, was aber nicht über die weiterhin angespannte Lage der US-Konjunktur hinweg täuschen soll.
Soviel zu den kurz- bis mittelfristigen Aussichten. Sollte es zu dem Trendbruch kommen, dann wird das Kursziel von 2500-2800 Punkte (im NAsdaq Composite)sicherlich schnell erreicht.
Was passiert nach dem erreichen des Kursziels?Viele Unternehmen wären aufgrund der stark revidierten Gewinnerwartungen, vom KGV her genauso oder höher bewertet wie im März 2000!
Die kräftigen Zinssenkungen seit Jahresbeginn rechtfertigte die FED unter anderem damit, dass aufgrund der großen Produktivität mit keine ernsthaften Inflationsgefahren zu rechnen sei. Nun aber sinkt die Produktivität und die Kosten der Arbeit je produzierte Einheit steigen spürbar. Zusammen mit dem hohen, zweistelligen Wachstum der Geldmenge, könnte hier mittelfristig Risiken für die Preisstabilität entstehen.
Die Zinssenkungen sollen auch den Konsum der Amerikaner stimulieren. Zwar ist der Index des Verbrauchervertrauen letztlich wieder leicht gestiegen, die Konsumfreude trotz höherer Arbeitslosigkeit also noch nicht ganz gebrochen, doch es gehört nicht viel Phantasie dazu um zu vermuten, dass den Amerikanern die Lust am Geld ausgeben schon bald vergangen sein könnte, Millionen gar um ihre Altersvorsorge bangen müssen.
Die kürzlich veröffentlichte Handelsbilanz stößt ins gleiche Horn. Das Amerikanische Handelsdefizit erreicht mit 369,7 Milliarden Dollar für das Jahr 2000 einen neuen Rekord, von Januar bis März dieses Jahres betrug das Handelsdefizit 91,3 Milliarden Dollar, nach 85,3 Milliarden Dollar im selben Zeitraum des Vorjahres. Das Handelsdefizit gibt an, dass Amerika (sicherlich auch aufgrund des starken Dollar) immer mehr importiert als exportiert. Für mich heißt das, dass der (noch) hohe Konsum der amerikanischen Haushalte mehr ausländische, als inländische Unternehmen zugute kommt.
Des weiteren kommt hinzu, dass ein Großteil des Konsums auf Pump finanziert wird, die Sparquote ist seit Jahren negativ, die Verschuldung der privaten Haushalte sehr hoch. In einer alternden Bevölkerung läßt sich eine negative Sparquote aber nicht dauerhaft aufrecht erhalten.
Die Entlassungswelle rollt, Stellenstreichungen bei amerikanischen Unternehmen erreichten im April 2001 ein neues Rekordhoch. Der letzte Arbeitsmarktbericht zeigt, dass Stagflation eine ernste Gefahr ist. Während die Beschäftigung fällt und die Arbeitslosenquote steigt, ziehen Stundenlöhne deutlich an, seit Anfang des Jahres um annualisiert rund fünf Prozent. Hinzu kommt, dass der Korbpreis für Rohöl aus OPEC-Staaten mit derzeit 26-28 USD auf vergleichsweise hohen Niveau steht. Die Energiekrise in Kalifornien schlägt sich jetzt schon in den Preise nieder. Die Kunden der beiden größten kalifornischen Energieunternehmen müssen höhere Strompreise von bis zu 80 Prozent in Kauf nehmen. Wenn nun die Kosten steigen und gleichzeitig das reale Wachstum abnimmt, so kann dies nur bedeuten, dass die Margen weiter fallen werden und die Unternehmensgewinne in den nächsten Quartalen möglicherweise noch schlechter ausfallen, als ohnehin schon befürchtet. Das schlimmste könnte uns also noch bevorstehen!
Auch die historischen Daten und Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. Der DJIA befindet sich in einem seit 1982 geformten Aufwärtstrend und konnte hier schon enorme Zuwächse verzeichnen
(siehe historischen DJIA-Chart1). Von 1982 bis heute ist der DJIA um 1330% gestiegen, dies entspricht einen jährlichen Zuwachs von 14,19%, allein seit 1995 ist der Index, trotz der seit zwei Jahren andauernder Seitwärtsbewegung, um durchschnittlich 20,9% p.A. (per anno) gestiegen. Dies liegt deutlich über die langfristige jährliche Zuwachsrate von 6,2%!
(siehe historischen DJIA-Chart2). In der Übertreibungsphase der zwanziger Jahre, die mit dem Crash von 1929 endete, konnte der Index in nur fünf Jahren 400% zulegen, was durchschnittlich eine Steigerung von 32% p.A. ausmachte!
Auch die Nasdaq ist Jahrelang mit einem Durchschnitt von 34% gewachsen, in den letzten beiden Jahren vor dem „Crash-2000“ sogar mit über 57%! Rechnet man die starken Kursverluste der letzten 14 Monate mit ein, so kommt man auf einen durchschnittlichen Jahreszuwachs von 16% für die letzten zehn Jahre. Der historische Durchschnitt liegt bei etwa 9,3%
(siehe historischen Nasdaq-Chart1).
Wenn man den historischen Durchschnitt auf das Jahr 2002 hoch rechnet, kommt man für den DJIA auf 5250 Punkte (+/- 18%) und bei der Nasdaq auf 1015 Punkte!
Denn genauen Kursverlauf an der Nasdaq kann natürlich keiner exakt voraussagen, aber es empfiehlt sich mit den hinzu gewonnenen Erkenntnisse den Kopf frei, und Augen und Ohren offen zu halten, um seine Analgeentscheidung möglichst objektiv zu treffen.
Meiner Meinung nach, sind die Zeiten des langfristig orientierten Anlegers erst einmal passé, es ist eher die Zeit des kurzfristig orientierten Anlegers, Daytraders und Spekulanten.
Ich möchte diese Arbeit mit der Übersetzung einer Studie von Adam Hamilton abschließen, an dieser Stelle möchte ich mich bei Dixie bedanken, der mich mit einem seiner Postings zu diesem wirklich interessanten Beitrag geführt hat.
Das Original kann man hier nachlesen:
http://www.zealllc.com/commentary/crash.htmTo Crash or not to Crash!”Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage: Ob es edler ist im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks zu erdulden ...” William Shakespeare, Hamlet, 3. Akt 1. Szene, ca. 1600 AD
In der berühmten Tragödie Shakespeares fing unser Heroprinz Hamlet ein großer Monolog mit diesem legendären Zitat an. In einer wundervoll wilden, erratischen und lange einseitigen Darlegung mit der schönen Ophelia, verwendete Hamlet die alten Künste der strategischen Täuschung und der psychologischen Kriegsführung zum großen Vorteil. Er vermutete, Ophelia würde seine "verrückte” Ideen ihren Vater Polonius berichten, der Berater und Oberkämmerer des schurkischen Königs Claudius war und von dem Hamlet glaubte seinen Vater ermordet zu haben um seine Mutter zu heiraten, Hamlet der eine großartige Show des Wahnsinnigen für die Gerechtigkeit inszenierte. Hamlets gescheite List arbeitete glänzend, und entfaltete seine großartige Wirkung, als König Claudius und Polonius in der nähe versteckt Hamlets ”verrückte” Gedanken mit ihren eigenen Ohren belauschten. Durch eine persönlich sorgfältig instrumentierte Propagandakampagne überzeugte Hamlet erfolgreich den Feind, in dem er Geistesgestörtheit vortäuscht, während er insgeheim seine Rache auf dem Thronräuber vorbereitet.
Wenn Shakespeares Nachkommen für jeden Versuch sich das Öffnungs-Zitat schamlos anzueignen (wie in diesem Versuch) einen Nickel bekommen hätten, sie hätten sich vermutlich einen nett sortierten Packet des aktuellen Nasdaq Marktes gekauft. Die letzten 12 Monate, waren ohne irgendeinen Zweifel, das aufregendste in der 29 Jährigen Geschichte. Anfang letzten Herbst bildete der Index einen unvergleichlichen Anstieg von nahen 2500 bis über 5000 im März, nette Übertreibung für alle die genug Glück hatten, dass äußerst feine Markt-Timing für den Ein- und Ausstieg zu erwischen. Im April wurde die Nasdaq in einem schwindelerregenden Strudel gefangen, und in weniger als sechs Wochen nach seinem Höchststand auf nahezu der 3000 Marke runter gezogen. Seitdem hat sich der Index seitlich bewegt, und die weitere Richtung des Indizes in der nächsten Zeit, ist die Frage die aktuell jedem Investor und Trader auf der Seele brennt. Ist die Nasdaq mit Trillionen von Dollars als Einsatz bestimmt einen weiteren respektablen Gewinn in 2000 zu erzielen? Wurden die lange schlummernden Bären geweckt und fängt nun ein brutaler Baissemarkt an, der den Index zu neuen Tiefs schleift bevor das Jahr endet? Will der Henker das Seil ziehen welches die Falltür unterhalb des Marktes auslöst und so einen wirklichen Crash von beispielloser Heftigkeit und Wut einleiten? Spielt die Nasdaq, wie vorher Hamlet, nur verrückt und ist im Grunde bereit wieder nordwärts zu ziehen, oder rutscht diese, wie Hamlet später auf seiner tragischen Reise, wirklich in Geistesgestörtheit mit kaum einer Chance auf Erholung? Ich möchte hier die aktuelle Lage der Nasdaq aus der Perspektive des US-Aktienmarktes von 1929 mit seinem Kursdebakel untersuchen, um etwas Einblick auf diese wichtigen Fragen zu geben...
Obwohl die strenge Form der Volkswirtschaftslehre "Efficient Market Hypothesis (EMH)" diese Absicht zu erklären versucht, scheint es, dass es bisher nur sehr wenige Male in der Geschichte gab, in dem Finanzmärkte ziemlich fair bewertet waren. In den Bärenmärkten neigen die meisten Werte unterbewertet zu werden, da niemand mit jene teuflischen Wertpapiere zu tun haben möchte. In den Bullenmärkten werden die meisten Aktien schließlich überbewertet, während tägliche immer mehr Leute in den Teufelskreis gesogen werden und jeden Penny den sie besitzen, im Glaube an den Schlüssel zum endlosen Wohlstand, in jene tote Finanztitel reinstecken.
Die EMH (strenge Form) gibt an, dass alle Finanztitel immer fair bewertet sind, da die unabhängige Entscheidungen von Millionen Marktteilnehmern, die alle, in dem Moment wo ein Preis einer Investition gebildet wird, verfügbaren Informationen sicherstellen und sich diese somit sofort im Aktienkurs wiederspiegelt, der umgehend jeden Marktteilnehmer bekannt wird. Als Testament zu Goofys Theorien: "wie kann man aus einer akademischen Umgebung jemand aus seinem Elenbeinturm herausholen?", wie auch immer, die EMH ist ein Strohmann und ist leicht unten zu klopfen. Das wirkliche Bestehen von Boom und Pleiten, Panik und Crash, und verrückte Spekulationen läst schließen, dass die EMH eine bedauerlicherweise unzulängliche Hypothese ist. Schließlich, wenn die Nasdaq bei 5100 fair bewertet war, warum verlor es 40% seines Wertes in wenigen Wochen?
Um den kritischen Angriff auf das EMH Konzept zu beantworten, wurde eine abgeschwächte und weniger strenge Form der Hypothese erstellt, aber das zugrundeliegende Konzept ist immer noch fehlerhaft. So lang, wie menschliche Gefühle nicht betrachtet werden, ist jede geschätzte Hypothese zum Scheitern verurteilt. Der erste Faktor, der wahnsinnige Spekulationen und überbewertete Märkte antreibt, ist die nackte Gier des Investors. Der Grund für Paniken und Zusammenbrüche ist einfach tiefsitzende Angst des Investors.
Unglücklich für die Finanzmärkte ist, dass die Emotionen der Investoren stark gegensätzlich sind. Während sich die Gier langsam ernährt und wächst, kann die Angst sofort hervorquellen und so unvorhersehbar und heftig sein, wie es die überraschende Atombombenexplosion über Hiroschima für seine unglücklichen Bewohner an diesem verhängnisvollen Morgen im August 1945 war. Während Gier einen Investor nach dem anderen verführt, kann Furcht seine eisigen, schwarzen Finger um Millionen Herzen gleichzeitig strecken und zum gleichen verhängnisvollen Herdeinstinkt führen, der die aufgestachelten Lemminge zum Hetzen über felsige Klippe und Rasiermesserscharfe Felsen bis zu ihrem Tod im gefrorenen arktischen Meer trieb. Furcht ist viel schlimmer als Gier.
Stellen Sie sich vor, zu einer lebhaften Straßenecke in New York City zu gehen, 100 Goldtaler in die Luft zu werfen und Freigold zu kreischen!? Einige Fußgänger würden eine Sekunde lang nachdenken und viele würden ohne zusätzliche Gedanken zu verschwenden, sich entscheiden für die funkelnden Münzen auf dem heißen Beton zu tauchen. Jetzt stellen Sie sich einen 800 Fuß großen Gorilla vor, hungrig und gemein, mit einen scharfen 18 Zoll großen Rasiermesser, hetzend zur gleichen Straße Ecke in der sich die wüstende Menge für Gold schlägt. SOFORT ohne zu zögern, würde jeder um sein leben laufen, die ganze Gier würde verdunsten und die Furcht augenblicklich die Seele ergreifen.
Wenn Märkte durch Gier und Furcht angetrieben werden, sind Crashs und (Kauf)Paniken unvermeidlich. Wenngleich sich die Technologie ändert, die Geschwindigkeit des Informationsflusses sich fließend ändert, sogenannte "safe-guards" (Handelsprogramme die Verluste begrenzen sollen, Halsketten an volatilen Tagen, usw..) nutzlos betrieben werden und jede neue Generation denkt, dass sie die hoch entwickeltesten Händler in der Geschichte sind, Über- und Unterbewertungen der Märkte sind immer noch zügellos. Das menschliche Herz ändert sich nie.... So lang wie Menschen existieren, werden sie Gier und Furcht erfahren und treiben Hausse und Baisse an. Da diese integralen Gefühle dieselben bei jeder Generation sind, kann die Geschichte einem extrem wichtiger Lehrer sein, indem sie uns zurückliegende Zeitabschnitte mit Gier und Furcht und die Effekte an den Finanzmärkte aufzeigt. Historische Analysen sind immer gültig, wenn sie durch das Objektiv des menschlichen Investorgefühls gesehen werden.
So stellt sich die Frage, wie das aktuelle Nasdaq-Schauspiel gegenüber dem großen Absturz des US-Aktienmarktes und darauffolgenden Baissemarkt von 1929 abschneidet? Das Diagramm unten zeigt auf Tagesschlussbasis den DJIA (blau) von Juli 1928 bis Juli 1930 überlagert mit der Nasdaq (rot) von Juli 1999 bis August 2000. Da sich die Geschwindigkeit des Informationsflusses seit 1929 praktisch unendlich erhöht hat (Sachen geschehen jetzt schneller), ist die Zeitskala des Nasdaq-Diagramms ungefähr 2 zu 1 ausgedehnt worden um einen durchgehend besseren Vergleich von zwei ähnlichen historischen Marktfällen zu bekommen...

Die große Übereinstimmung der Linien dieser zwei total unterschiedlichen Indizes ist unheimlich. Der DJIA im Diagramm stellt nur 30 Aktien dar, da dieser aus einer anderen Ära stammt und müsste scheinbar zur modernen Hightech Nasdaq absolut ohne Bezug stehen. Die Nasdaq wird von über 4.500 Aktien zusammengesetzt, ist aktuell der Höhepunkt der menschlichen Ausführung eines Finanzmarktes und ist ätherisch und virtuell, da kein körperlicher Austausch existiert sondern der ganze Handel im “Cyber” zusammengebracht wird. Dennoch könnte jede Datenserie mit der anderen leicht verwechselt werden, wenn die Kennsätze der Y-Achse gelöscht würden....Die Konstante, die diese scheinbar unvereinbaren Indizes durch die Gewinde der Geschichte zusammenbringt, sind selbstverständlich die gleichbleibende menschliche Gefühle. Wenn eine unhaltbare Luftblase am ende platzt, wendet sich Gier schnell in völlige Furcht um und ein massiver Verkauf wird losgetreten, bekannt als Crash. Im nachfolgendem Diagramm wurden die Y-Achsen der zwei Ären, um einen besseren Vergleich spezifischer Spitzen und Wellen dieser Finanzmärkte darzustellen, angepasst.

Die Übereinstimmung der gesamten Datenserie ist 0,70, was nicht traumhaft aber doch sehr gut ist. Wenn ein kleinerer Teil der Daten, unmittelbar um den massiven Verkaufssturz begrenzt(in Grün umrissen, auf dem oben genannten Diagramm) analysiert wird, springt die Übereinstimmung drastisch auf 0,85 hoch. Die Ähnlichkeit zwischen den spezifischen Spitzen und des Durchschnitts beider Indizes ist in der grünen Zone des Diagramms unheimlich. Beide kennzeichnen sich durch doppelte Hochs nahe ihren jeweiligen Spitzen und beide haben ähnliche Kursverläufe von ihrem Ausgang ins freie Fall. Ein Schlosser könnte die eine Serie verwenden, um einen Schlüssel herzustellen, dass auf die andere passen würde. Furcht- und Gier ändern sich nie, Märkte werden zyklisch immer Über- und Unterbewertung erleben, und die Geschichte der Märkte wiederholt sich....immer und immer wieder.
In einem abschließenden Blick auf die Daten, wird der Rest des DJIA-Debakels der frühen dreißiger Jahre dem Diagramm hinzugefügt. Wird die Nasdaq die widerliche historische Performance des DJIA's in den folgenden 18 Monaten widerspiegeln?

Die aktuelle Nasdaq von einer ausgedehnteren historischen Perspektive anzusehen ist zweifellos ominös. Noch einmal, ohne das vorherige Wissen welche Datenserie welches ist, das aktuelle Nasdaq-Diagramm könnte leicht für eine klassische (historische) Luftblase verwechselt werden, von der Spitze gefolgt vom “Crash Sell-off” bis zum weiteren Kursverlauf.
Sogar die Trendlinien (punktierte Striche im Diagramm) zwischen den zwei Märkten sind fast so parallel, wie Eisenbahnschienen die sich in den Horizont erstrecken.
Das Diagramm oben scheint den Fall darzustellen, welches bereits in einer Aprilwoche begann, einen Nasdaq-Crash abbildet und einen scheußlichen mehrjährigen Baissemarkt ausgelöst hat.
Für einen bullishen Investor ist das kleinere von zwei Übeln zwischen einem Baissemarkt und einem Crash sehr schwierig zu erkennen. Es ist wie die Wahl des Todes fürs Kapital zwischen einer Gewehrkugel die schnell tötet oder der langsame Tod durch verhungern. Das Schlussresultat ist das selbe, die Gesamtvernichtung der Wertanlage und knappes Kapital. Von seiner intraday Spitze im September 1929 zu seinem intraday Tief im Februar 1932, verlor der DJIA 89% seines Wertes. Die Nasdaq würde im Winter 2001 um 500 gehandelt werden, wenn es einer ähnlichen Laufbahn folgen würde. Wird das Nasdaq-Endspiel auf diese Weise beendet? Voraussagen sind unmöglich, aber die Wahrscheinlichkeit existiert zweifellos.
Stellen Sie ihr Investorgefühl auf Null ein, Baissemärkte sind viel gefährlicher als ein Crash. Baissemärkte sind lang, von Gelegenheiten begleitet schneidet es immer ein weiteres Stück vom Kapital ab und eine Kette von Investoren hoffen bis zu den letzt möglichen Augenblick auf dem Boden des Baissemarktes.
Hoffnung und Optimismus sind extrem wertvolle menschliche Merkmale, die ewig entspringen. Sie sind jedoch lebensgefährliche Gefühle in einem Baissemarkt. Durch eine scheinbar endlose Reihe verhältnismäßig kleinere Gegenbewegungen, gewähren Baissemärkte gerade genügend Hoffnung, um gläubige vom Treffen der passenden Verkaufsentscheidung abzuhalten. Bärenmarktrallyes sind schnell und aufregend, aber sie stürzen immer ein und führen zu einem neuen niedrigeren Tief. Die ewigen optimistischen "Bullen" werden durch den Baissemarkt langsam in Vergessenheit gerieben. Bis ihre Hoffnung gebrochen wird, hat der Markt die Sohle erreicht und 80%-90% vom Investorkapital ist verschwunden. Nur wenige optimistische "Bullen" entgehen den Eisenkrallen eines richtigen Baissemarktes.
Auf der anderen Hand sind Crashs wie eine gute Elektroschock Therapie. Es gibt nichts besseres um Investoren auf den Zahn zu fühlen und ihn von der Gefährlichkeit eines Marktes zu überzeugen. Alles andere ist das Gleiche, es wird viel mehr Kapital bewahrt, wenn man unmittelbar nach einem Crash verkauft, als wenn man nach einem langen weitreichenden Baissemarkt verkauft. Alle Crashs stellen dem umsichtigen Investor ein helles, blinkendes Neonwarnzeichen dar und kündigen an, dass nicht alles so ist wie es scheint. Das obere DJIA-Diagramm läßt erkennen, dass die, die nach der ersten Gegenbewegung beim Crash 1929 verkauften, im nachhinein betrachtet wie Genies mit dem Nutzen von 20/20 aussehen. Jene arme verlorene Seelen, die dem Wall Street Hype glaubten und mit dem Markt schnurstracks in den Boden ritten wurden wie Schafe geschlachtet. Der bullishe Trommelschlag, das aus der Wall Street während der “Feiertage” 1929 heraus hallte, könnte aus einer heutigen Zeitung heraus geschnitten worden sein....
"Kaufe die Dips", "es ist nur eine Korrektur", "einige Investoren nehmen einfach nur Gewinne mit", "Die Zukunft für den Markt sieht fantastisch aus", "alles ist gut", "Langfristig orientierte Anleger gewinnen immer" .....und die furchtsamen fünf Wörter die immer wieder dabei benutzt werden "DIESES MAL IST ES ANDERS"
Investitionen destillieren zu ihrer Essenz, es ist das letzte glorreiche Spiel. Besser als ein Pferderennen, kluge Spekulanten bestimmen Wahrscheinlichkeiten von unterschiedlichen Entwicklungen und nur wenn ihr Wahrscheinlichkeits-Faktor in allen relevanten und bekannte Informationen Vorteile aufweist, setzten sie etwas Kapital der Gefahr aus. Könnte die Nasdaq zusammenbrechen und in diesem Fall 50% seines Wertes an einem einzelnen Tag verlieren? Definitiv. Könnte die Nasdaq in einer Mehrjährigen Kursspanne die der des DJIA in den letzten 18 Monate übertrifft erlahmen? Absolut. Könnte der Nasdaq-Bulle zurück brüllen und uns über 6000 vor Weihnachten dieses Jahres bringen? Vielleicht. Könnte die Nasdaq in einen Mehrjährigen-Baissemarkt eintreten? Ja....
Mit den gegenwärtig zum Vergleich erhältliche Daten, stelle ich hier meine aktuellen Wahrscheinlichkeiten für die vier oben erwähnten Möglichkeiten vor. Die meisten werden wahrscheinlich falsch sein und sich häufig abwechseln, so nehmen Sie dies wie ein Korn Salz auf und führen Sie mit Sorgfalt Ihre persönliche Nasdaq-Analyse durch...
Da Marktzusammenbrüche historisch außerordentlich seltene Fälle sind und die Reaktion der Nasdaq im April außergewöhnlich gut mit dem DJIA 1929 passt, glaube ich, dass die Wahrscheinlichkeit eines Crashs in den folgenden 12 Monaten niedrig ist. Crashs kommen gewöhnlich alle 50 bis 60 Jahre vor, also liegt die Wahrscheinlichkeit dass es einer in jedem Jahr gibt etwa 1 zu 55. Das Diagramm überblickend, sieht es so aus, dass die Nasdaq im April schon wirklich "gecrasht" hat. Die Wahrscheinlichkeit von ZWEI Crashs in einem Jahr ist sehr niedrig 1/55 x 1/55 oder ungefähr 1 zu 3000. Da die Schätzungsgrundlagen der Indizes noch so verwirrend sind, jedoch das Nasdaq-Leithammel "Cisco Systems" noch nahe einem albernen und äußerst unhaltbaren 180fachen des Gewinn/Aktie gehandelt wird, schätze ich eine Crashwahrscheinlichkeit für diesen Herbst von 5%.
Eine andere Möglichkeit der Nasdaq-Sprache ist, in einer großen Kursspanne von 3500 bis 4500 für ein paar Jahre, ähnlich der DJIA-AkTION in den letzten 18 Monaten, zu verweilen. Während dieses möglich ist, scheint es mit den 100 größten und besten Werte an der Nasdaq, die aktuell eine sportliche Marktkapitalisierung und ein schweres durchschnittliches P/E Verhältnis das 100 übersteigt unwahrscheinlich. Selbst wenn die Nasdaq in 2002 nur noch bei 4000 gehandelt würde, wäre es NOCH überbewerter sein als der DJIA 1929 vor seinem Absturz. Ich weise dieser Möglichkeit aktuell ebenfalls eine Wahrscheinlichkeit von 5% zu.
Mit einem Wahljahr vor uns und der Gewissheit der massiven Manipulation der angeblich freien Finanzmärkte durch große Investmentfonds und der administrativen Arbeitsgruppe Clintons (siehe den “Plunge-Protection-Team” Artikel, veröffentlich in der Washington Post vom 23. Februar 1997), sowie das beispiellose Maß an Leichtgläubigkeit einer amerikanischen Investorengesellschaft, die jede Woche 10 mal so viel Zeit fürs Fernsehen aufwendet wie zum lesen, würde es keine sehr große Überraschung sein, zu sehen wie sich die Nasdaq-Ralley fortsetzt. Ein 50%igen Jahresgewinn im Nasdaq würde den Index auf 6000 heben, und BETRÄCHTLICHE Mengen Kapital müsste geopfert werden, um ihn dort zu halten. Das lustige am “Papiergewinn” ist jedoch, dass dieser anscheinend durch eine Onlineverbindung mit den Finanzmärkte sekundenschnell mit einem Tastenanschlag am Computer generiert werden kann. (Niemand denkt an die bittere Ernte, die durch alle geerntet wird, wenn die wertlosen, in sich selbst aufgeblähten Dollars später aus den Finanzmärkte fliehen...), wenn die Vollkommenheit der sogenannten Wächter der freien Märkte einfach schwindet und die Wall Street keine Zeit hat der gierigen und blinden Öffentlichkeit über die massiven grundlegenden Probleme an den US-Finanzmärkten und der Wirtschaft zu belügen, mit bedauernd schätze ich diese Wahrscheinlichkeit aktuell mit 10% ein. Je länger der spekulative Überschwang andauert, je schmerzlicher wird es für jeden werden, auch wenn sich dieser unverwundbar fühlt. Schließlich, je eher wir zu den historischen normalen Bewertungsmaßstäbe zurückkehren, desto angenehmer wird es für jeden sein.
Die höchste Wahrscheinlichkeit für die Performance der Nasdaq in den folgenden 18 Monaten, ist ein mehrjähriger Baissenmarkt im Index, meiner Meinung nach liegt diese Möglichkeit bei 80%. Die unerfahrene Tech-Investoren (und wir wissen alle einiges), schenken ihren Aktien und dem Markt mehr Glauben als die meisten Religionen je erreichen könnten. Sie geben die Hoffnung nicht so leicht auf, und sind bereit mit ihren halb gekenterten Schiff, die USS-Nasdaq, langsam unterzugehen. Die wahrscheinlich einzigste Möglichkeit, den Rückgrad der irrationalen Hoffnung von Investoren an Firmen, die mit dem 100fachen bis 3000fachen ihrer Gewinne bewertet werden zu brechen, ist ein ausgedehnter qualvoller mehrjähriger Baissemarkt. Aus der anderen Perspektive betrachtet, den Markt der auf menschliche Gefühle von Gier und von Furcht basiert zu spielen, wird in zunehmendem Maße attraktiver, da augenblicklich nichts die Nasdaq-Jüngern erschrecken kann. Die meisten haben keine Ahnung über die wichtigen Grundlagen, leben in einer Welt wo es nur Sonnenschein gibt und die historischen Ereignisse keine Bedeutung haben und orientieren sich mehr an den “Hype” als an den Cashflowaussichten. Wenn an einem Tag 634 Punkten abgegeben und anschließend wiedererlangt werden (4. April) und ein Verlust im Index von 25% in einer Woche (10. Bis 14. April) sie nicht zur Vernunft bringen kann, dann ist es schwer vorstellbar, was dies bewirken könnte. Ohne eine ängstliche Verkaufspanik ist ein verheerender Crash unmöglich. Das massive Gewicht der extrem überbewerteten Grundlagen im Nasdaq, ist wie ein schwerer Mühlstein der um seinen Ansatz mit einer großen Kette gesichert wird. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Nasdaq in der Lage ist weiterhin zu schwimmen und ihre kritische Bewertung der fundamentalen Daten zu ignorieren, sie wird eher langsam anfangen ins dunkle Investment-Wasser zu sinken....Träume sind das wundervollste was es gibt, aber ohne eine feste Grundlage können sie auf den scharfen zackigen Felsen der finanziellen Wirklichkeit aufgeschlitzt werden.
Crash oder nicht Crash? Nur Gott weiß es sicher, aber die Wahrscheinlichkeiten erhöhen sich weiter, dass der April ein klassischer Index-Crash war und ein demoralisierender Nasdaq Baissemarkt anfing, der zur Zeit mit einer Totenkopffahne auf der rechten Seite des Bugs noch in einer Nebelbank irrt.
„tapfer, wenn andere Angst haben und ängstlich, wenn andere tapfer sind“ Das Oracle von Omaha, Warren Buffet.
Adam Hamilton, CPA, MCSE
25. August, 2000
Der Aktuelle Vergleich sieht so aus:
Fazit:Eine genaue Prognose über den Verlauf der Finanzmärkte ist unmöglich, aber die zusammen getragene Informationen halte ich für äußerst Interessant und nützlich um möglichst objektiv zwischen Chance und Risiko abzuwägen und unsere Anlageentscheidungen immer und immer wieder zu überdencken.
mfG: Speculator
Hannover den 20.05.2001