...dann wirst zu ziemlich schnell merken, daß ACG erstens nicht teurer bewertet ist wie CE Consumer und zweitens die viel bessere Marktstellung/Wachstumsraten aufweist:
Börse Online Interview:
»ACG ist der Top-Broker bei Smartcards «
von Stefan Riedel [31.01.01, 10:56]
Peter Bohn, 43, ist seit März 2000 bei ACG als Vorstandsvorsitzender tätig. Der gelernte Informatiker war zuvor Worldwide General Manager und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Hewlett Packard GmbH sowie Vorstandschef des Sicherheitsspezialisten Utimaco Safeware.
BÖRSE ONLINE: ACG feierte am Freitag die Premiere für die Handelsplattform smartcardportal.com. Haben Sie schon ein Feedback bekommen?
Bohn: Die Reaktion war sehr positiv und die Rückmeldungen kamen erstaunlich schnell. Was wohl daran liegt, dass unser virtueller Marktplatz ein weites Spektrum abdeckt, angefangen von allgemeinen Infos zur Smartcardbranche bis zum Online-Brokerage selbst.
BÖRSE ONLINE: ACG agiert als Broker für Chips und Chipkarten und setzt dabei zunehmend auf das B2B-Modell. Befürchten Sie nicht, dass Konzerne wie Siemens, Philips oder Motorola eigene Handelsportale für Hightech-Komponenten aufbauen, um sich die Margen für Broker wie ACG zu sparen?
Bohn: Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Handelsportale dieser Art aufgebaut werden. Allerdings sehen wir diese Entwicklung nicht als Gefahr, weil der Markt für Smartcards bislang mit wenigen Standards durchsetzt ist. Das bedeutet, dass weiter Beratung und Expertise stark gefragt sind, wie wir sie bieten. Das Portal ist eine Ergänzung mehrerer Vertriebskanäle in unserem Hause. Es wird im Wesentlichen von langjährigen Kooperationspartnern und Vertragskunden genutzt, die ihre Folgeorders über das Portal eingeben, um Kosten zu sparen. Zum Beispiel Infineon: Hier sind wir weltweiter Vertriebspartner für sämtliche Infineon-Kunden im Smartcard-Umfeld. Diese können nunmehr über smartcardportal.com weltweit rund um die Uhr bedient werden.
BÖRSE ONLINE: Wie ist der aktuelle Auftragsbestand?
Bohn: Im Smartcard-Bereich haben wir bei den kontaktlosen Karten über 100 Prozent mehr Aufträge in den Büchern als wir im Jahr 2000 an Umsatz machten. Dabei handelt es sich um unterzeichnete Verträge mit konkreten Bestellungen, auf deren Basis wir die Bauelemente und Produkte einkaufen. Deshalb kann dieser Betrag schon fest in die Umsatzplanungen für 2001 eingerechnet werden.
BÖRSE ONLINE: Aber mit Chips lassen sich nur niedrige Rohmargen erzielen.
Bohn: Natürlich sind wir hier wesentlich abhängiger von der allgemeinen Marktverfassung. Wenn wir den 2000er-EBITDA von 11,7 Millionen Euro gegenüber 310 Millionen Euro Umsatz betrachten, wird es in diesem Jahr bei fünf bis 6,5 Prozent liegen. Der Smartcard-Bereich verspricht höhere Margen, aber leider ist er für sich genommen noch nicht groß genug für uns, um das Wachstum, das wir anstreben, zu befriedigen.
BÖRSE ONLINE: Bislang generierte ACG zwei Drittel der Umsätze im Halbleiterbereich und lediglich ein Drittel mit Chipkarten. Gleichzeitig haben Sie beim Chip-Brokerage mit ce Consumer Electronic einen hartnäckigen Rivalen im Nacken. Geht die Entwicklung bei ACG also nicht zwangsläufig in Richtung Smartcards als Kerngeschäft?
Bohn: Wir werden bereits in diesem Jahr ein relativ ausgeglichenes Bild haben. Der Smartcard-Umsatz wird bei 40 Prozent oder knapp darüber liegen, wobei die margenträchtigeren kontaktlosen Smartcards den dominanten Teil bilden. Hier sind wir weltweit Marktführer: 34 Prozent aller gehandelten Chips gehen durch unsere Orderbücher, im Vorjahr waren es noch 22 Prozent. Im Halbleiterbereich haben wir im vergangenen Jahr recht aggressiv Vertriebskanäle akquiriert und sind wie ce Consumer Electronic in den USA präsent. Dazu kommen noch weitere 16 Länder mit 30 Geschäftsstellen. Unser Geschäftsmodell grenzt aber nur in wenigen Bereichen an das von ce Consumer an. ce Consumer konzentriert sich auf den Shortage-Bereich: Werden die Bauelemente knapp, springen die Broker in die Bresche und organisieren die Lieferung. Wir haben uns auf den Überbestandsbereich spezialisiert, wo Firmen sich verkalkuliert und zu wenig Produkte abgesetzt, aber gleichzeitig die Bauteile vorrätig haben. Die Bauelemente und damit die Bestandskosten verbleiben bis zum Abverkauf durch die ACG im Besitz der Firmen, wobei der dann erzielte Umsatz den Firmen und natürlich ACG zu Gute kommt.
BÖRSE ONLINE: Hat die aggressive Expansionsstrategie ACG globale Präsenz verschafft?
Bohn: Ja, wir haben unser dreistelliges organisches Wachstum sehr sinnvoll um profitable Akquisitionen angereichert, die uns weiterbringen. Insgesamt wurden in den vergangenen 18 Monaten 23 Firmen akquiriert oder gegründet.
BÖRSE ONLINE: Gleichzeitig werden die hohen Firmenwertabschreibungen das Finanzergebnis für 2000 stark belasten. Setzt ACG in naher Zukunft eher auf Wachstum beim Umsatz als beim Gewinn?
Bohn: Zweifellos lastet der Goodwill auf den Bilanzen. Hier gibt es jedoch eine wesentliche Veränderung, die der Kapitalmarkt bisher nicht aufgenommen hat. Das Standardisierungsgremium FASP für US-GAAP verändert zum dritten Quartal dieses Jahres die Abschreibungsbestimmungen. Goodwill wird nicht mehr abgeschrieben, mindert also nicht mehr das operative Ergebnis. Die Zahl vor Goodwill und Steuern wird die eigentliche Kenngröße.
BÖRSE ONLINE: Wenn es denn so kommt ...
Bohn: Wir gehen davon aus. Für die Bewertung unserer Aktie prognostizieren die Analysten dann für 2001 ein KGV von 32 und für 2002 ein KGV von 19 - das Ganze bei einem weiterhin dreistelligen Wachstum. Entsprechend niedrig ausfallen wird dann das dynamische KGV, das Verhältnis von KGV zu prozentualem Gewinnwachstum.
BÖRSE ONLINE: Können wir in diesem Jahr mit weiteren Akquisitionen rechnen?
Bohn: In den USA werden wir die bestehenden Vertriebskanäle ausbauen. Priorität hat für uns jedoch der asiatische Markt. Hier gibt es Kooperationen, die sich abzeichnen. Wir haben im vergangenen Jahr ein sehr professionelles Team aus Managern und Rechtanwälten aufgebaut, darunter Personen, die 35 IPOs und über hundert Akquisitionen begleitet haben. Das ist für uns der Garant für effizient gemanagte Akquisitionen.
BÖRSE ONLINE: Plant ACG demnächst, eigene Beteiligungen wie die Firma Portum an die Börse zu bringen?
Bohn: Portum ist eine Gesellschaft, die B2B-Auktionen im Internet anbietet. In der Tat sieht es so aus, dass das IPO in den Sommermonaten stattfindet. Aber es gibt auch andere interessante Kandidaten. So etwa die Bluefish AG, ein Anbieter von SIM- und GSM-Karten, den wir in den nächsten 15 bis 18 Monaten an den Kapitalmarkt führen wollen.
BÖRSE ONLINE: Zum Schluss noch ein Blick in die Glaskugel. Welche Entwicklungen sehen Sie innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahren für den Smartcardmarkt und welche Rolle wird ACG dabei spielen?
Bohn: In fünf Jahren werden wir für kontaktlose Smartcards im Alltag ganz andere Anwendungen sehen, als das aktuell der Fall ist. Und ACG wird sich in diesem Markt weiter profilieren und darin mindestens zwei Drittel der Umsätze machen. Wir gehen davon aus, dass wir bis dahin bei den GSM- und SIM-Karten für Telekomausrüster weltweit zu den drei Top-Playern gehören werden. Für den RFID-Bereich bei kontaktlosen Smartcards sehe ich, dass wir sowohl in Umsatz, Volumen und Stückzahl die weltweite Marktführerschaft im Brokerage weiter ausbauen. Was die Halbleiter anbelangt, planen wir, dass das neue Marktsegment des Überbestandsmanagements als Service an Bedeutung zunimmt. Außerdem soll zu den zwei Standbeinen, die auf diesem Brokerage-Modell beruhen, noch ein Drittes hinzukommen.
Börse Online Interview:
»ACG ist der Top-Broker bei Smartcards «
von Stefan Riedel [31.01.01, 10:56]
Peter Bohn, 43, ist seit März 2000 bei ACG als Vorstandsvorsitzender tätig. Der gelernte Informatiker war zuvor Worldwide General Manager und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Hewlett Packard GmbH sowie Vorstandschef des Sicherheitsspezialisten Utimaco Safeware.
BÖRSE ONLINE: ACG feierte am Freitag die Premiere für die Handelsplattform smartcardportal.com. Haben Sie schon ein Feedback bekommen?
Bohn: Die Reaktion war sehr positiv und die Rückmeldungen kamen erstaunlich schnell. Was wohl daran liegt, dass unser virtueller Marktplatz ein weites Spektrum abdeckt, angefangen von allgemeinen Infos zur Smartcardbranche bis zum Online-Brokerage selbst.
BÖRSE ONLINE: ACG agiert als Broker für Chips und Chipkarten und setzt dabei zunehmend auf das B2B-Modell. Befürchten Sie nicht, dass Konzerne wie Siemens, Philips oder Motorola eigene Handelsportale für Hightech-Komponenten aufbauen, um sich die Margen für Broker wie ACG zu sparen?
Bohn: Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Handelsportale dieser Art aufgebaut werden. Allerdings sehen wir diese Entwicklung nicht als Gefahr, weil der Markt für Smartcards bislang mit wenigen Standards durchsetzt ist. Das bedeutet, dass weiter Beratung und Expertise stark gefragt sind, wie wir sie bieten. Das Portal ist eine Ergänzung mehrerer Vertriebskanäle in unserem Hause. Es wird im Wesentlichen von langjährigen Kooperationspartnern und Vertragskunden genutzt, die ihre Folgeorders über das Portal eingeben, um Kosten zu sparen. Zum Beispiel Infineon: Hier sind wir weltweiter Vertriebspartner für sämtliche Infineon-Kunden im Smartcard-Umfeld. Diese können nunmehr über smartcardportal.com weltweit rund um die Uhr bedient werden.
BÖRSE ONLINE: Wie ist der aktuelle Auftragsbestand?
Bohn: Im Smartcard-Bereich haben wir bei den kontaktlosen Karten über 100 Prozent mehr Aufträge in den Büchern als wir im Jahr 2000 an Umsatz machten. Dabei handelt es sich um unterzeichnete Verträge mit konkreten Bestellungen, auf deren Basis wir die Bauelemente und Produkte einkaufen. Deshalb kann dieser Betrag schon fest in die Umsatzplanungen für 2001 eingerechnet werden.
BÖRSE ONLINE: Aber mit Chips lassen sich nur niedrige Rohmargen erzielen.
Bohn: Natürlich sind wir hier wesentlich abhängiger von der allgemeinen Marktverfassung. Wenn wir den 2000er-EBITDA von 11,7 Millionen Euro gegenüber 310 Millionen Euro Umsatz betrachten, wird es in diesem Jahr bei fünf bis 6,5 Prozent liegen. Der Smartcard-Bereich verspricht höhere Margen, aber leider ist er für sich genommen noch nicht groß genug für uns, um das Wachstum, das wir anstreben, zu befriedigen.
BÖRSE ONLINE: Bislang generierte ACG zwei Drittel der Umsätze im Halbleiterbereich und lediglich ein Drittel mit Chipkarten. Gleichzeitig haben Sie beim Chip-Brokerage mit ce Consumer Electronic einen hartnäckigen Rivalen im Nacken. Geht die Entwicklung bei ACG also nicht zwangsläufig in Richtung Smartcards als Kerngeschäft?
Bohn: Wir werden bereits in diesem Jahr ein relativ ausgeglichenes Bild haben. Der Smartcard-Umsatz wird bei 40 Prozent oder knapp darüber liegen, wobei die margenträchtigeren kontaktlosen Smartcards den dominanten Teil bilden. Hier sind wir weltweit Marktführer: 34 Prozent aller gehandelten Chips gehen durch unsere Orderbücher, im Vorjahr waren es noch 22 Prozent. Im Halbleiterbereich haben wir im vergangenen Jahr recht aggressiv Vertriebskanäle akquiriert und sind wie ce Consumer Electronic in den USA präsent. Dazu kommen noch weitere 16 Länder mit 30 Geschäftsstellen. Unser Geschäftsmodell grenzt aber nur in wenigen Bereichen an das von ce Consumer an. ce Consumer konzentriert sich auf den Shortage-Bereich: Werden die Bauelemente knapp, springen die Broker in die Bresche und organisieren die Lieferung. Wir haben uns auf den Überbestandsbereich spezialisiert, wo Firmen sich verkalkuliert und zu wenig Produkte abgesetzt, aber gleichzeitig die Bauteile vorrätig haben. Die Bauelemente und damit die Bestandskosten verbleiben bis zum Abverkauf durch die ACG im Besitz der Firmen, wobei der dann erzielte Umsatz den Firmen und natürlich ACG zu Gute kommt.
BÖRSE ONLINE: Hat die aggressive Expansionsstrategie ACG globale Präsenz verschafft?
Bohn: Ja, wir haben unser dreistelliges organisches Wachstum sehr sinnvoll um profitable Akquisitionen angereichert, die uns weiterbringen. Insgesamt wurden in den vergangenen 18 Monaten 23 Firmen akquiriert oder gegründet.
BÖRSE ONLINE: Gleichzeitig werden die hohen Firmenwertabschreibungen das Finanzergebnis für 2000 stark belasten. Setzt ACG in naher Zukunft eher auf Wachstum beim Umsatz als beim Gewinn?
Bohn: Zweifellos lastet der Goodwill auf den Bilanzen. Hier gibt es jedoch eine wesentliche Veränderung, die der Kapitalmarkt bisher nicht aufgenommen hat. Das Standardisierungsgremium FASP für US-GAAP verändert zum dritten Quartal dieses Jahres die Abschreibungsbestimmungen. Goodwill wird nicht mehr abgeschrieben, mindert also nicht mehr das operative Ergebnis. Die Zahl vor Goodwill und Steuern wird die eigentliche Kenngröße.
BÖRSE ONLINE: Wenn es denn so kommt ...
Bohn: Wir gehen davon aus. Für die Bewertung unserer Aktie prognostizieren die Analysten dann für 2001 ein KGV von 32 und für 2002 ein KGV von 19 - das Ganze bei einem weiterhin dreistelligen Wachstum. Entsprechend niedrig ausfallen wird dann das dynamische KGV, das Verhältnis von KGV zu prozentualem Gewinnwachstum.
BÖRSE ONLINE: Können wir in diesem Jahr mit weiteren Akquisitionen rechnen?
Bohn: In den USA werden wir die bestehenden Vertriebskanäle ausbauen. Priorität hat für uns jedoch der asiatische Markt. Hier gibt es Kooperationen, die sich abzeichnen. Wir haben im vergangenen Jahr ein sehr professionelles Team aus Managern und Rechtanwälten aufgebaut, darunter Personen, die 35 IPOs und über hundert Akquisitionen begleitet haben. Das ist für uns der Garant für effizient gemanagte Akquisitionen.
BÖRSE ONLINE: Plant ACG demnächst, eigene Beteiligungen wie die Firma Portum an die Börse zu bringen?
Bohn: Portum ist eine Gesellschaft, die B2B-Auktionen im Internet anbietet. In der Tat sieht es so aus, dass das IPO in den Sommermonaten stattfindet. Aber es gibt auch andere interessante Kandidaten. So etwa die Bluefish AG, ein Anbieter von SIM- und GSM-Karten, den wir in den nächsten 15 bis 18 Monaten an den Kapitalmarkt führen wollen.
BÖRSE ONLINE: Zum Schluss noch ein Blick in die Glaskugel. Welche Entwicklungen sehen Sie innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahren für den Smartcardmarkt und welche Rolle wird ACG dabei spielen?
Bohn: In fünf Jahren werden wir für kontaktlose Smartcards im Alltag ganz andere Anwendungen sehen, als das aktuell der Fall ist. Und ACG wird sich in diesem Markt weiter profilieren und darin mindestens zwei Drittel der Umsätze machen. Wir gehen davon aus, dass wir bis dahin bei den GSM- und SIM-Karten für Telekomausrüster weltweit zu den drei Top-Playern gehören werden. Für den RFID-Bereich bei kontaktlosen Smartcards sehe ich, dass wir sowohl in Umsatz, Volumen und Stückzahl die weltweite Marktführerschaft im Brokerage weiter ausbauen. Was die Halbleiter anbelangt, planen wir, dass das neue Marktsegment des Überbestandsmanagements als Service an Bedeutung zunimmt. Außerdem soll zu den zwei Standbeinen, die auf diesem Brokerage-Modell beruhen, noch ein Drittes hinzukommen.
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