Es ist schon ein Unterschied, ob ein Krieg begonnen wird, nachdem der DAX drei Jahre im steten Sinkflug gefallen ist wie im März 2003 (Rückgang
um satte 5800 Punkte von 8000 auf 2200!), oder wenn ein Krieg begonnen wird, nachdem der DAX wie jetzt drei Jahre non-stop gestiegen ist und viele Charts (wie die der Rohstoffe) die für Blasenbildungen typischen parabolischen Anstiege zeigen.
Ein weiterer Unterschied sind die zurzeit weltweit - selbst in Japan! - anziehenden Zinsen, die bekanntlich "Gift" für Aktien sind, während 2003 die Fed auf ein 40-Jahres-Zinstief von 1 % zusteuerte. Dies "ersäufte" die Märkte 2003 in Liquidität -
Grund für die nachfolgende Hausse in praktisch allem, was man für Geld kaufen kann (Aktien, Immobilien, Anleihen, Gold, Rohstoffe, Öl). Man kann aber eine Blase (die Tech-Blase von 2000) nicht mit einer anderen Blase (allgemeine Asset-Blase durch überbordende Liquidität) nicht kurieren. Irgendwann ist die Zeche für früheren irrationalen Überschwang fällig.
Im März 2003 erschien im Handelsblatt ein Artikel, in dem es hieß: "Frankfurter Händler sind verzweifelt. Niemand, aber auch wirklich niemand will Aktien kaufen." DAS war das Tief. Solange "Serial Bottom Caller" alle 100-Dax-Verlustpunkte lauthals den Boden ausrufen, KANN er nicht erreicht sein.
Das Gegenargument der Bullen, alle Welt sei ja schon extrem pessimistisch, ist nach einer nur 10-prozentigen-Korrektur schlicht lachhaft. Diejenigen, die jetzt von Megapessimismus und "Kapitulation" faseln, wissen (noch) nicht wie es schmerzt, wenn sich Indizes halbiert haben.
Meine zugegeben bärischen Postings werden bislang nur von Zockerbulle regelmäßig mit schwarzen Sternen bedacht, während ich seine (naiv-)bullischen meist mit "witzig" bewerte. Das ist für einen wirklichen Boden noch zuwenig "Hate-Feedback".
Wenn die Börse, lieber Zockerbulle, eine Einbahnstraße wäre und alles immer nur stiege, würde wohl niemand mehr arbeiten gehen, weil man dann ja mit Aktien sein Geld im Schlaf verdienen könnte. Das würde übrigens zugleich das Geld entwerten. "Reichtum für alle" an der Börse ist eine kostspielige Illusion. Alle fünf Jahre, wenn eine neuen Generation von Börsen-Enthusiasten, meist kurz vor Höchstständen, Haus und Hof auf die Börse verwetten, ist die Zeit für eine kollektive Abstrafung gekommen. Die "Generation 2000" ist im nachfolgenden Mega-Bärenmarkt ausgeblutet und will von der Börse nichts mehr wissen. Jetzt ist die nachgewachsene "Generation 2005" dran.