Aixtron hat kein COVID-19 und hofft auf Korea
Gastautor: Redaktion Vorstandswoche
29.05.2020,
Der Technologieführer auf dem Gebiet komplexer Depositionsverfahren gehört zu den wenigen Unternehmen, welches bisher von Corona nicht betroffen ist und sich möglicherweise unabhängig der Pandemie entwickeln kann. Aixtron ist generell kaum abhängig von allgemeinen Konjunkturschwankungen. Das Unternehmen arbeitet an disruptiven Technologien der Zukunft. An dieser Stelle sparen die Kunden von Aixtron nicht, sondern investieren heute massiv, um die Umsätze von morgen zu sichern. Allerdings hat die in Herzogenrath ansässige Gesellschaft auch immer wieder Sonderthemen, die das Geschäft regelrecht dynamisieren, wie zum Beispiel bei der 3D-Gesichtserkennung von Smartphones. Nach einer Welle folgt dann aber auch wieder Ernüchterung wenn der große Bedarf gedeckt ist und die Kapazitäten aufgebaut wurden. Nach einem starken Jahr 2018 folgte dann das Übergangsjahr 2019. Aixtron könnte nunmehr aber vor einer großen Welle stehen. Sollte der durch das Corona-Virus verursachte Lockdown der westlichen Welt und der dadurch induzierte weltweite Angebotsschock in eine systemische Wirtschaftskrise münden, dann würden wir uns auch um Aixtron vorübergehende Sorgen machen. Kommt es nicht dazu, stehen die Chancen für eine Aufwärtsbewegung aber gut. Sie wissen, dass das Unternehmen fast vollständig Einnahmen mit Kunden aus Asien erzielt. Ein wesentlicher Teil der Erlöse resultiert von chinesischen Kunden. In China geben die Unternehmen seit April wieder Vollgas. Offen bleibt nur, ob es sich dabei um Nachholeffekte handelt, oder um eine nachhaltig ansteigende Nachfrage. Wie nachhaltig sich das Geschäft in Asien entwickelt, kann derzeit noch niemand sagen. Für Aixtron stehen die Ampeln aber auf grün. Das Unternehmen ist wie geplant solide ins neue Jahr gestartet. "Unsere Q1-Ergebnisse entsprechen weitgehend unserer Planung. Die COVID-19-Pandemie hat aus heutiger Sicht keine signifikanten Auswirkungen auf unser Geschäft. Die im ersten Quartal eingetretene Verzögerung einiger Auslieferungen nach China sowie die Verschiebung von Installationen hauptsächlich in China sollten wir im Jahresverlauf wieder ausgleichen können. Damit bestätigen wir unsere Prognose für das Geschäftsjahr 2020“, so Vorstand Bernd Schulte. Wie erwartet war der Umsatz in Q1 mit 41 Mio. Euro relativ überschaubar. Das liegt an den dürftigen Ordereingängen in Q2 und Q3 des Jahres 2019. Das EBIT war mit 1.1 Mio. Euro sogar negativ. Die wichtigste Kennzahl ist bei Aixtron allerdings der Ordereingang. Dieser expandierte in den ersten 3 Monaten des laufenden Jahres um 28 % auf 68.8 Mio. Euro. Hier zeigt sich die gute Nachfrage nach Anlagen, insbesondere für den zunehmenden Einsatz von LED-basierten Displayanwendungen bei der Herstellung von Lasern zur optischen Datenübertragung und 3D-Sensorik, speziell in Mobiltelefonen. Und auch der Ausbau des 5G-Netzwerkes sowie der zunehmende Einsatz von energieeffizienter Leistungselektronik treibt die Nachfrage. Der Anlagen-Auftragsbestand lag am 31. März 2020 bei mehr als 146 Mio. Euro. Das entspricht einem Plus von 16 % gegenüber dem Vorjahr.
Für das Jahr 2020 hält Schulte an der Prognose fest. Auf Basis eines Budgetkurs von 1.20 US-Dollar/Euro rechnet der Vorstand in 2020 mit einem Ordereingang von 260 bis 300 Mio. Euro. Diese Bandbreite berücksichtigt die noch nicht klare Quantifizierbarkeit eines möglichen Auftrags im Bereich OLED. Bei Umsatzerlösen im Bereich zwischen 260 und 300 Mio. Euro rechnet Aixtron mit einer EBIT-Marge zwischen 10 und 15 %. In der Spitze verdient Aixtron operativ in 2020 bis zu 45 Mio. Euro nach 39 Mio. Euro im Vorjahr. 2019 lag der Umsatz bei knapp 260 Mio. Euro und der Auftragseingang im Gesamtjahr wurde mit 232 Mio. Euro ausgewiesen. Großes Highlight bei Aixtron ist in 2020 eine mögliche Auftragsvergabe durch das koreanische Schwergewicht Samsung. Nach eigenen Angaben macht der OLED-Qualifikationsprozess beim Kunden gute technische Fortschritte. Da Samsung die Aktivitäten bis heute nicht gestoppt hat, steigen die Chancen für einen Durchbruch bei Aixtron. Eine Entscheidung könnte möglicherweise schon Ende des 2. Quartals oder zu Beginn des 3. Quartals folgen. Klappt der Auftrag, liegt das Anfangsvolumen bei 10 bis 30 Mio. Euro. Mittelfristig könnte sich das Auftragsvolumen pro OLED Produktionslinie auf 100 bis 200 Mio. Euro belaufen und hätte zudem Signalwirkung. Die Aktie würde in diesem Fall kein Halten mehr kennen und sich mindestens verdoppeln. Scheitert Aixtron wird Schulte die OLED-Aktivitäten in der jetzigen Form nicht weiterführen. Damit würde Aixtron aber auch hohe Kosten für Forschung und Entwicklung sparen. Aixtron hat aber nicht nur OLED als Highlight, sondern viele Pfeile im Köcher, die allesamt für eine rosige Zukunft stehen. Das Produktportfolio adressiert eine Vielzahl von innovativen Anwendungen in der E-Mobilität (Antriebsstränge, Ladeinfrastruktur), der Telekommunikation (5G-Netz), der Display-Technologie (Mini- und Micro LED) und der Unterhaltungselektronik (3D-Sensorik, Fast Charging). Auf Sicht von ein paar Jahren wird sich auch ohne OLED der Bedarf an MOVCD-Anlagen verdoppeln. Dann wächst Aixtron in eine ganz andere Größenordnung. Bei einem Börsenwert von über 1 Mrd. Euro sind 300 Mio. Euro mit Cash hinterlegt. Wir raten bei Kursen von um die Marke von 9.00 Euro zum Kauf. Läuft alles wie geplant, steht das Unternehmen vor einem großen Comeback und die Aktie hat das Potenzial sich zu verdoppeln.
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