".. dienen als (nicht verbindlicher) Referenzwert für die Kreditvergabe der Geschäftsbanken."
Das stimmt schon, der Einfluss ist allerdings dennoch gegeben.
Eine GB leiht sich von einer anderen GB "Reserves" lediglich dann, sofern sie diese auch benötigt. Es ergibt keinen Sinn ansonsten die damit verbundene Zinszahlungverpflichtung auf sich zu nehmen.
Es gibt da 3 wesentliche Fälle - a) eine Veränderung der Kassenbestände, die am Ende des Monats etwa ausgeglichen werden müsste - b) eine Veränderung der Sichteinlagen der Kunden, für die entsprechende Reserven als Mindestreserve vorgehalten werden müssen - oder c) (was häufig mit b Hand in Hand geht) die Bank hat Kredite vergeben und damit Sichteinlagen geschaffen, für die sie dann entsprechende Reserves benötigt.
Was folgt daraus?
a) Die Bank gibt den Zinssatz, den sie selber für die Reserven zahlen muss, an den Kreditnehmer weiter. Ein günstigerer Zinssatz ermöglicht ihr dabei eine andere Kalkulation als ein teurerer.
Nichtsdetotrotz können die Zinsen dabei deutlich auseinanderlaufen. Ein niedriger Leitzins ist keine Garantie für günstige Kreditzinsen. Dies liegt im Ermessen der einzelnen GB. Ein höherer Leitzins wirkt sich hingegen in der Regel aufgrund der höheren Finanzierungskosten auch in einem höheren Kreditzins aus.
b) Die GB wird auf Einlagen keinen höheren Zins zahlen, als den Leitzins, sofern sie nicht unbedingt in größerem Volumen den Abzug von Kundengeldern befürchtet (war wohl kurzzeitig 2008/2009 der Fall)
Es macht ansonsten einfach keinen Sinn für die Bank, mehr auf Einlagen zu zahlen als sie für Reserves bezahlen müsste.
Die Korrelation überrascht daher in der Tat nicht.
Nach Wicksel handelt es beim "natürlichen Marktzins" um den Zins, der der erwarteten Wachstumsrate + der erwarteten Inflationsrate enstpricht + eine Abweichung für das angenommene Risiko, das mit dem Kredit zusammenhängt.
Die Annahme dabei ist, dass das der Zins ist, der die Marktteilnehmer vernünftiger Weise verlangen würden.
Dass das eine modellhafte Betrachtung ist, die in der Wirklichkeit mit Sicherheit nicht immer 1:1 zuträfe - geschenkt.
Diese Faktoren stünden aber schon in einem gewissen Zusammenhang bei einer natürlichen sprich dem Markt frei überlassenen Zinsbildung.
Nimmt man die Inflationsrate der letzten Jahre und das Wachstum, so liegen die Zinsen seit langer Zeit deutlich darunter. Du würdest m.E. keinen Banker finden, der hier den Zusammenhang mit den niedrigen von den ZB festgesetzten Leitzinsen bestreiten würde.