Ich glaube die Banken können sich jetzt der Sarnierung nicht mehr entziehen!
OBERHAUSEN (dpa-AFX) - Das Amtsgericht Köln hat eingefrorene Gelder des von der Insolvenz bedrohten Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig [Chart] größtenteils wieder freigegeben. Wie die im MDAX [Chart] notierte Babcock Borsig am Dienstag mitteilte, senkte das Gericht den wegen möglicher Forderungen aus der Schmiergeldaffäre um den Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage unter Arrest gestellten Betrag von 143 Millionen auf 25 Millionen Euro.
Damit sei nach der Vereinbarung eines Mitarbeiterbeitrags in Höhe von rund 50 Millionen Euro eine "weitere wesentliche Hürde" auf dem Wege zur Sanierung der Babcock Borsig AG genommen, sagte ein Babcock-Borsig-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa-AFX am Dienstag. Der Kurs der Babcock-Borsig-Aktie verzeichnete am Dienstag eine Achterbahnfahrt. Im frühen Handel stieg der Titel um bis zu 26,73 Prozent, stürzte dann über 40 Prozent ab und notierte um 15.05 Uhr mit einem Verlust von 11,88 Prozent auf 0,89 Euro.
EINGEFRORENE GELDER SOLLEN ALS SICHERHEIT DIENEN
Die eingefrorenen Gelder sollen als Sicherheit dienen, falls im Strafprozess festgestellt wird, dass beim Bau des Müllofens Bestechungsgelder geflossen sind. Die Babcock-Borsig-Tochter Steinmüller hatte in den 90er Jahren den umstrittenen Müllofen in Köln errichtet. Dabei sollen von 1994 bis 1998 insgesamt 11,4 Millionen Euro an Schmiergeldern abgezweigt worden sein.
Unternehmenssprecher Hans-Joachim Wieckmann hatte zuvor in einem Zeitungsinterview gesagt, dass Babcock-Borsig am Mittwoch Insolvenz anmelden müsse, wenn es bis dahin kein Rettungspaket gebe. Am Mittwoch läuft eine Frist aus, bis zu der Banken und Investoren rund 50 Millionen Euro in Aussicht stellen müssen, damit die noch ausstehenden Juni-Gehälter gezahlt werden können. "Mit der heutigen Entscheidung des Gerichtes wird es auch für die Banken wieder leichter sein, Geld fließen zu lassen", sagte Wieckmann dpa-AFX.
STAATSANWALTSCHAFT WILL ARBEITSPLÄTZE NICHT GEFÄHRDEN
Die Kölner Staatsanwaltschaft wies am Dienstag allerdings die Behauptung zurück, nach denen die Einfrierung der Gelder das Unternehmens in die Insolvenz treibe. Die Behörde habe stets betont, dass eine Geldzahlung vom Verlauf der Sanierungsgespräche für Babcock abhänge. Es sei nicht Ziel der Staatsanwaltschaft, die Rettung von Arbeitsplätzen in dem angeschlagenen Unternehmen zu gefährden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hat am Dienstag angekündigt, bei einem Krisengipfel einen Versuch zur Rettung von Babcock-Borsig zu unternehmen. Clement sagte vor rund 1.500 Babcock-Mitarbeitern, die vor dem Landtag demonstrierten, er habe Anteilseigner, Banken und den Vorstand von Babcock für diesen Mittwoch nach Düsseldorf eingeladen. "Wir müsse uns mit allen solange an einen Tisch setzen, bis eine Lösung gefunden ist", sagte Clement.
CLEMENT APPELLIERT AN BANKEN
Der Regierungschef rief die Großbanken auf, sich hinter den vom Unternehmensberater Roland Berger entwickelten Sanierungsplan zu stellen. Bei dem Traditionskonzern gibt es nach den Worten Clements einen Sanierungsbedarf von 700 Millionen Euro. Die Westdeutsche Landesbank und der Preussag-Konzern seien als Anteilseigner bereit, ihren Beitrag zu leisten. Auch der amerikanische Großaktionär Guy Wyser-Pratte und die Banken müssten mitmachen. Babcock verfüge zudem über eine Landesbürgschaft von 35 Millionen Euro, die genutzt werden könne. Was das Land darüber hinaus noch tun könne, hänge von den Entscheidungen der Eigner und Banken ab. «Das Land ist aber kein Unternehmer», sagte Clement.
Die IG Metall forderte die Banken und Babcock-Gesellschafter auf, solide Entscheidungen für ein Sanierungskonzept zu treffen. Die Beschäftigten hätten bereits ihre Bereitschaft zu einem eigenen Sanierungsbeitrag mehr als deutlich erklärt.