Hatte ich gestern im Briefkasten, passt ganz gut hier rein.
ANALYSE/ 3U Telecom: Kaufen
+ Barmittel von 6,30 Euro/Aktie
+ Gewinn 2002: 0,20 Euro/Aktie
+ Gewinn 2003e: 0,49 Euro/Aktie
+ fairer Wert: 14,30-18,30 Euro
+ Kursziel 6 Monate: 10 Euro (akt. 5,25 Euro) 
Die
3U Telecom AG (WKN 516.790, Ticker UUU, ISIN DE0005167902) ist ein Anbieter von Festnetztelephonie (call-by-call), der sich in Deutschland eine attraktive Marktstellung erarbeitet hat und sehr profitabel wirtschaftet. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen auch in der Schweiz, Österreich, Niederlande, Italien und Frankreich erfolgreich Tochterfirmen aufgebaut. Diese arbeiten bereits bei niedrigen Umsätzen entweder schon Plus-Minus-Null oder sollen im laufenden Geschäftsjahr den Break-Even erreichen. Seit September 2002 ist das Unternehmen auch in allen Bundesstaaten der USA aktiv. In diesem Markt spricht das Unternehmen primär jene Telefonkunden an, die verstärkt Auslandsgespräche führen.
Das Unternehmen
profitierte vom späten Eintritt in den amerikanischen Markt durch eine deutlich günstigere Netzwerktechnik mittels PC-basierter Systeme. Diese verursachten nur mehr einen Bruchteil der Anschaffungs- und Wartungskosten herkömmlicher Telekomanlagen, wodurch 3U einen
Wettbewerbsvorteil im Vergleich mit seinen Konkurrenten genießt. Die äußerst günstige Kostenstruktur wird durch eine zentrale Verwaltung und ein zentrales Netzwerkmanagement in Deutschland unterstützt, sodass der ganze Konzern mit nur 39 Mitarbeitern - davon 2 im Ausland (USA) - sein Auslangen findet.
Die Firma ist durch diese schlanke Unternehmensstruktur
'Kostenführer', hat also im Vergleich zur Konkurrenz sehr niedrige interne Kosten. Diese günstige Kostenstruktur gibt 3U an seine Kunden weiter und zählt in den meisten Ländern auch zu den Preisführern. Insbesondere mit der sekundengenauen Abrechnung punktet das Unternehmen bei seinen Kunden. Die Kostenvorteile verstärken sich mit dem zunehmenden Auslandsgeschäft, da die Gesellschaft
das europäische Netz zu fixen Kosten angemietet hat und somit hohe Deckungsbeiträge aus jedem zusätzlichen innereuropäischen Gesprächsaufkommen erwirtschaftet.
Geschäftsentwicklung 2002: Umsatz leicht gestiegen, Marge deutlich erhöhtIm Geschäftsjahr 2002 hat die Gesellschaft den Umsatz um 6 % von 62,4 Mio. Euro auf 66,0 Mio. Euro gesteigert. Der Fokus der Geschäftsleitung lag auf der Verbesserung der Rentabilität. Die Herstellungskosten wurden trotz der Umsatzsteigerung um 8 % reduziert, sodass diese bei 48,4 Mio. Euro lagen nach 52,6 Mio. Euro in 2001. Das Bruttoergebnis vom Umsatz verbesserte sich somit um 80 % von 9,8 Mio. Euro in 2001 auf 17,6 Mio. Euro in 2002.
Die Bruttomarge wurde so von 15,7 % auf 26,6 % gesteigert. Im Dezember-Quartal 2002 lag die Marge bei 27,4 % nach 23,7 % im Dezember-Quartal 2001.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich auf Grund des strikten Kostenmanagements von -0,3 Mio. Euro auf 3,4 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss lag 2002 bei 1,8 Mio. Euro nach 0,50 Mio. Euro Gewinn in 2001.
2003: Höhere Marge bringt GewinnverdoppelungFür das laufende Geschäftsjahr erwartet die Landesbank Baden Württemberg (LBBW) einen Umsatz von 73 Mio. Euro (+11 %), eine Bruttomarge von 28,3 % (+0,9 %), ein EBIT von 7,7 Mio. Euro (+126 %) und einen Nettogewinn von 4,5 Mio. Euro (+153 %). Da der Telekom-Markt bereits aufgeteilt ist, sollte es kaum organisches Wachstum geben. Jedoch sollten sich günstige Gelegenheiten ergeben, Kunden von anderen Anbietern zu übernehmen (nicht Unternehmen), die aufgrund ihrer unvorteilhaften Kostenstruktur den Markt verlassen müssen. Diese Art der Kundengewinnung ist zudem preisgünstiger als Kundenakquisition durch Werbung. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten bemüht, die Kunden von
MobilCom zu übernehmen. Obwohl dieser Versuch wegen des Verkaufs an die MobilCom-Tochtergesellschaft
Freenet.de gescheitert ist, hat die Presseberichterstattung eine Sensibilisierung unter möglichen Verkaufskandidaten erzeugt, sodass 3U heute als potentieller Übernehmer anderer alternativer Telekoms im Markt bekannt ist.
Der starke Gewinnanstieg um über 100 % resultiert aus einer erwarteten Reduzierung der Forderungsausfälle sowie einer Verbesserung der Profitabilität der Auslandsgesellschaften. Bisher schrieb nur die österreichische Tochtergesellschaft schwarze Zahlen. Im laufenden Geschäftsjahr sollen die anderen Töchter profitabel werden.
| 2oo2 | 2oo3e |
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| Umsatz | 66,o Mio. Euro | 73,o Mio. Euro |
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| Bruttoergebnis | 17,6 Mio. Euro | 2o,6 Mio. Euro |
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| EBIT | 3,4 Mio. Euro | 7,7 Mio. Euro |
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| Gewinn n. Steuern | 1,8 Mio. Euro | 4,5 Mio. Euro |
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| Gewinn/Aktie | o,2o Euro | o,49 Euro |
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KGV | 26,3 | 1o,7 |
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| Eigenkapital/Aktie | 7,54 Euro | 8,o3 Euro |
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| Barmittel/Aktie | 6,3o Euro | 6,79 Euro |
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9,12 Mio. Aktien; Aktienkurs 5,25 Euro; Umsatz-/Gewinn-Schätzung 2003 LBBW
Bewertungsvergleich mit TELE2Die schwedische
TELE2 ist mit 16,8 Mio. Kunden der größte europäische alternative Telefonanbieter. Das Unternehmen erwirtschaftete 2002 einen Umsatz von 31,3 Mrd. Schwedischen Kronen (3,4 Mrd. Euro) und erzielte dabei ein EBIT von 1,5 Mrd. SEK (0,16 Mrd. Euro). Im Gegensatz zu 3U weist die Bilanz der Firma fast 8 Mrd. SEK (0,8 Mrd. Euro) Schulden auf, weshalb sich die Firma auch ständig rechtfertigen muss, wie dieser Schuldenberg wieder abgebaut wird. Die Eigenmittel liegen bei 4,3 Mrd. SEK (0,4 Mrd. Euro), bestehen allerdings zu einem Großteil aus Firmenwerten und Goodwill.
Bei einem aktuellen Aktienkurs von 265 SEK ist die Firma mit 40 Mrd. SEK bzw. 4,4 Mrd. Euro bewertet. Also mit 131 % des Umsatzes. 3U ist aktuell mit nur 72 % des Umsatzes bewertet. Die EBIT-Marge von TELE2 war mit 4,7 % knapp schlechter als jene bei 3U (5,2 %). TELE2 ist mit dem 23fachen EBIT bewertet. 3U mit dem 14fachen. TELE2 ist mit 132 % des Eigenkapitals bewertet. 3U mit 70 %.
Gemessen an diesen Vergleichen mit dem Marktriesen TELE2 kann das operative Geschäft von 3U mit knapp 10 Euro pro Aktie bewertet werden. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass TELE2 verschuldet ist, während ein herausgerechnetes operatives Geschäft bei 3U schuldenfrei und damit noch wertvoller ist.
Fairer Aktienwert bei 14,30 Euro bis 18,30 EuroDie Unternehmensbewertung setzt sich für uns aus der Summe von liquiden Mitteln plus dem Ertragswert des operativen Geschäfts zusammen. Die liquiden Mittel lagen per 31.12.2002 bei 6,30 Euro pro Aktie. Das von der Landesbank Baden-Württemberg erwartete EBIT für das laufende Jahr liegt bei 7,7 Mio. Euro oder 0,80 Euro pro Aktie.
Basierend auf dem Branchenvergleich sehen wir den Wert des operativen Geschäftes beim 10- bis 15fachen EBIT. Ein Wert, der immer noch deutlich unter der aktuellen TELE2-Bewertung mit dem 23fachen EBIT liegt. Da 3U allerdings einen geringeren Bekanntheitsgrad (Markenwert) aufweist sowie kleiner ist und deshalb noch in keinen bedeutenden Indizes enthalten ist, berechnen wir diesen deutlichen Abschlag ein.
Bezogen auf 0,80 Euro ergibt sich somit ein aktueller Wert für das operative Geschäft von 8,00 Euro bis 12,00 Euro. Rechnet man noch die liquiden Mittel hinzu, ergibt sich ein gesamter Unternehmenswert von 14,30 Euro bis 18,30 Euro pro Aktie.
Fazit: Erstes Kursziel 10 Euro3U Telecom wird an der Börse mit weniger als den liquiden Mitteln (6,30 Euro pro Aktie per 31.12.2002) bewertet. Somit erhält der Investor jetzt
die seltene Chance, sich an einem Unternehmen mit über 57 Mio. Euro Cash-Reserven zu beteiligen, bei dem er den profitablen Betrieb 'gratis' zu den liquiden Mitteln dazu erhält.Das Unternehmen und sein profitables Geschäftsmodell werden von den Anlegern noch wenig beachtet. Viele Investoren sehen nur die bisherigen Ausgaben beim Aufbau des ausländischen Netzwerkes mit Kleinsteinheiten. Dies reduzierte 2001 und 2002 das Ergebnis trotz des profitablen Deutschland-Geschäftes. 3U hat in den vergangenen Jahren jedoch viele Fehler von Mitbewerbern vermieden. Zum Beispiel, indem es modernste Netzwerktechnik zu einem Bruchteil der Kosten bisheriger Netzbetreiber verwendet und damit ein neues Geschäftsmodell etablierte, kleine Einheiten auch mit sehr geringem Gesprächsvolumen profitabel zu entwickeln. Die Firma ist dadurch heute als unbestrittener 'Kostenführer' in 7 Ländern (2003 in 10 Ländern) mit insgesamt nur 39 Mitarbeitern tätig. Das Unternehmen dokumentiert, dass es in der Lage ist, diese anfangs kleinen Einheiten binnen kurzer Zeit in die Gewinnzone zu führen.
Die Aktien sind somit bei einem aktuellen Aktienkurs von 5,25 Euro ein klarer Kauf und bieten für den Investor ein mittelfristiges Kurspotenzial auf 14,30 bis 18,30 Euro (+172 % bis +249 %). Aufgrund des schwierigen Börsenumfeldes kann ein erstes Kursziel auf Sicht von 6 Monaten mit 10 Euro angesetzt werden.Quellepatzi