also, ich hab in 20 Jahren Börse schon ein paar Bärenmärkte mitgemacht, und ich muss sagen, das was wir hier die letzten Wochen erleben hat alle Anzeichen eines neuen Bärenmarktes. Ob nun Irankrieg oder nicht, der abrupte Absturz des Dax, der noch sehr viel dramatischere Einbruch bei den Einzelwerten, und ein immer wieder aufgenommener Abwärtstrend auch an relativ ruhigen Tagen. Das zusammen mit vorher jahrelangem Bullenmarkt und teils sehr hohen Bewertungen.
Klar ist ein Bärenmarkt formal erst erfüllt bei mindestens 20 Prozent Rückgang seit dem letzten Hoch. Aber erstens haben wir schon 13 Prozent hinter uns seit dem ATH, und zweitens ist ein Bärenmarkt bei 20 Prozent oft schon kurz vor seinem Ende, weswegen es auch deshalb nicht sinnvoll ist, erst dann von einem Bärenmarkt zu sprechen.
Ich habe mir mal die Bärenmärkte der letzten 10 Jahre angeguckt.
Im 2018er Bärenmarkt betrug der Rückgang vom ATH 23 Prozent. 2020 waren es 40 Prozent, wobei der Corona-Schock wohl wirklich einmalig war. 2022 waren es dann 26 Prozent. Heißt, ein weiterer Rückgang von zehn Prozent vom jetzigen Dax-Stand aus sollte in einem Bärenmarktjahr niemanden schockieren.
Nicht jeder Bärenmarkt läuft schnurstracks bergab. Oft ist es eine Trendbewegung mit tieferen Hochs und tieferen Tiefs, in der 20 Prozent +x erst nach mehreren Schüben und auch erst zum Jahresende erreicht werden. Besonders interessant ist, dass diese Bärenmärkte oft eine deutliche Zwischenerholung zeigten nach der ersten Abwärtswelle. Diese erste Abwärtswelle betrug 2018 etwa 13,7 Prozent, 2020 gab es nur eine Abwärtswelle im ganzen und die betrug 40 Prozent, und in 2022 brachte die erste Abwärtswelle gleich 21 Prozent.
Wo wir uns hier wiederfinden werden, kann man schwer voraussehen. Immerhin zeigten sich 2018, 2020 und 2022 in etwa gegen Ende März erste Stabilisierungstendenzen, welche dann in einer Zwischenerholung mündeten. Diese Zwischenerholung vom Tief betrug 2018 letztlich +12,5% vom letzten Tief, 2020 nach dem Corona-Crash waren es ganze 56 Prozent, und 2022 immer noch +16%.
Besonders für 2018 und 2022 zeigt sich, dass der deutsche Markt sehr deutlich dem Wahlzyklus der USA folgten. Das waren genau wie 2026 Zwischenwahljahre, und in denen performt der Dax in etwas über 50 Prozent der Fälle deutlich schwächer als in den übrigen Jahren.
Fazit: Wir befinden und am Ende vom Monat März, und eine Zwischenerholung zum April hin ist vom jetzigen Niveau aus nicht gänzlich unwahrscheinlich. Was man durchaus für ein paar kurzfristige Spekulationen nutzen kann, oder eben um momentan notleidende Long-Positionen doch noch zu verkaufen. Folgt der Dax aber wirklich den historisch oft beobachteten Mustern eines Bärenmarktjahres, dann dürfte danach nocheinmal das dicke Ende kommen, mit den finalen Tiefstständen in Richtung Herbst. Dann kann es auch wieder nachhaltig aufwärts gehen. Allerdings braucht es in der Regel Jahre, um im DAX die alten Höchststände wieder zu erreichen und zu überbieten.