(Meine bärische Interpretation findet ihr unten)
Dies schreibt Marketwatch:
www.marketwatch.com/story/...imb-on-election-jitters-6d51326f(übersetzt mit deepL)
Die Anleger haben in diesem Jahr schon viele Warnungen gehört, dass sie ihre Bargeldbestände nicht mehr benötigen.
Doch gerade jetzt, wo die Märkte angesichts der in zwei Wochen stattfindenden US-Wahlen nervös sind, ist es unwahrscheinlich, dass Anleger, die rund 6,5 Billionen Dollar in Geldmarktfonds geparkt haben, die eine Rendite von etwa 4,8 % abwerfen, sich zu einem plötzlichen Kurswechsel veranlasst sehen werden.
Starke US-Wirtschaftsdaten seit September haben zu einer Neubewertung auf dem Anleihemarkt geführt, da die Anleger ihre Erwartungen in Bezug auf Zinssenkungen der Federal Reserve in den kommenden Monaten zurückschrauben.
Die Märkte haben sich in letzter Zeit auch auf einen möglichen Sieg des ehemaligen Präsidenten Donald Trump im November eingestellt, der seine Vorschläge für Zölle und Steuersenkungen in die Tat umsetzen könnte.
„All diese Faktoren wirken sich negativ auf die Zinssätze aus“, sagte Hong Mu, Portfoliomanager bei Penn Mutual Asset Management, in einem Telefoninterview am Mittwoch. „Deshalb haben wir in den letzten Wochen einen Anstieg der Zinssätze gesehen."...
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FF: Marketwatch liefert die
bullische Erklärung: Die US-Wirtschaft erstarkt, also sinken die Chancen für weitere Zinssenkungen der Fed. Folge: Die Zinsen am langen Ende der Zinskurve ziehen an.
Es gibt aber auch eine
bärische Erklärung: Egal wer die Wahl in USA gewinnt, beide Kandidaten wollen die US-Staatsverschuldung weiter nach oben schrauben, obwohl sie bereits bei 34,5 Billionen $ angelangt ist. Trump will Steuern senken und Zölle stark erhöhen. Harris will mit Neuverschuldung und Reichensteuern den Konsum beleben.
Das US-Bruttosozialprodukt liegt im Jahr 2024 bei nur 27,3 Bio.$ (Chart unten).
D.h. dass in USA die Staatsschuldenquote gefährlichen 126% erreicht hat.
Staatsschulden 34,5 Bio.
Staatsschuldenquote = ---------------------- = ---------------------- = 126%.
BIP 27,3 Bio.
Laut Maastricht-Kriterien darf die Staatsschuldenquote nur bei max. 60% liegen. Frankreich liegt inzwischen bei 110%, und Italien bei 140%.
Die Amis sind mit 126% somit bereits im roten Bereich.
(Auffallend ist, dass die Ami-Presse diese Zahl "niedrig lügt". In US-Gazetten wie dem WSJ ist zurzeit von 95% US-Staatsschuldenquote die Rede,
was viel zu niedrig ist (siehe meine Berechnung oben!)
Warum ist eine hohe Staatsschuldenquote gefährlich?
Es gibt eine Faustregel, wonach - bei normalem Leitzinsniveau von ca. 4 bis 5 % - ab einer Staatsschuldenquote von 140% eine
"schleichende Staatspleite" beginnt.
Weil dann nämlich bereits schätzungsweise 40% der Steuereinnahmen des Staates für den "Schuldendienst" draufgehen. Also dafür, die Zinsen auf ausstehende Staatsschulden (= US-Staatsanleihen) zu zahlen. Von den Steuernahmen bleiben also nur noch 60% übrig, um die Kosten im öffentlichen Dienst (Polizei, Feuerwehr, Steuerbeamte, Gerichte) zu decken.
Und diese 60% reichen in der Regel nicht mehr. Also müssen NOCH mehr neue Staatsschulden aufgenommen werden, was die Schuldenquote im nächsten Jahr NOCH höher treibt. Das ganze kippt dann um in ein
Schulden-Schneeballsystem, das schlimmstenfalls wie in Zimbabwe und bestenfalls wie in Griechenland endet.
Was machen Investoren, die US-Staatsanleihen halten, in einer solchen Lage? Richtig, sie verkaufen diese, weil sie Angst vor immer größerem Wertverlust (schleichende Staatspleite) haben. Wenn Anleger US-Staatsanleihen auf den Markt werfen, steigen deren Renditen ebenfalls - aber eben NICHT, weil die Wirtschaft boomt (= Marketwatch-Erklärung),
sondern weil das Schuldenfass überzulaufen droht!So gesehen bekommt der nach oben ausbrechende Rendite-Chart der 10j-US-Staatsanleihen in
#10622 eine ganz andere Bedeutung. Richtig ist, dass dies mit der Wahl zusammenhängt. Wie es laufen kann, sahen wir in England, als diese Truss-Tussi nach 4 Wochen zurücktreten musste, weil brit. Staatsanleihen wegen ihres Steuersenkungsprogramms abkackten. Den Pensionsfonds, die diese gehebelt hielten, drohten Massenpleiten.
www.faz.net/aktuell/politik/ausland/...terin-an-18401015.htmlIn den schönen Zeiten der Nullzinsen von 2008 bis 2020 waren hohe Staatsschulden kein Problem. In D. hatte Staatsanleihen teils sogar negative Renditen. Aber wenn - was eine Spätfolge dieser Sause ist - am Ende der Inflationsteufel aus der Flasche fährt und das Leitzinsniveau hoch ist und bleibt (Notenbanken wollen "Zimbabwe 2.0" verhindern), dann ist eben Schluss mit Lustig.