Hatte ja zuletzt geschrieben, dass ich mich vor Yellen raushalte und habe auch nach Yellen nichts gemacht, auch weil ich nur sporadisch mal auf die Kurse geschaut habe. War eine gute Entscheidung, da ich ja tendenziell eher auf der Shortseite agiere.
Was ist passiert? Eigentlich hat Yellen die Aussagen nach der letzten Sitzung im großen und ganzen wiederholt. Schwächerer Pfad bei den Zinserhöhungen und dass es durchaus noch weitere Möglichkeiten zur Stimulierung der Wirtschaft gebe. Der Markt - oder besser gesagt die befreundeten Großbanken - haben das wohl so interpretiert, dass damit weitere Zinserhöhungen nicht kommen und im Gegenteil die FED eher wieder senken könnte bzw. andere Maßnahmen ergreifen könnte. Insofern die Reaktion beim Dollar und insbesondere bei den US-Aktien. Für eine Änderung der Richtung der Geldpolitik sehe ich absolut keine Notwendigkeit, glaube auch nicht, dass das passiert. Es wird aber mehr und mehr fraglich, ob die von mir erwartete Zinserhöhung spätestens im Juni nicht kommt. Meine Argumentation war ja die, dass dies nicht zeitnah zur Präsidentschaftswahl erfolgen würde sondern früh genug um sich kein Eingreifen in den Wahlkampf vorwerfen zu lassen. Inzwischen halte ich es allerdings für denkbar, dass die FED bewusst eingreifen will und Trump verhindern will. Damit würde die FED dem Establishment und damit sicherlich den Großbanken folgen, die Trump mit allen Mitteln verhindern wollen. Im Notfall würde man da auch Clinton unterstützen. D.h. dass die FED helfen könnte die Regierung besser dastehen zu lassen und damit Clinton zu unterstützen. Damit würden wir keine Zinserhöhung mehr sehen. Die Börse könnte weiter steigen und signalisieren dass es den USA gut geht. Damit wären dann möglicherweise auch neue ATH´s möglich.
Bleiben aber dann weiterhin die anderen Probleme. Der Konflikt mit Russland wurde gerade verschärft. Die USA schicken eine Panzerdivision mit über 4.000 Mann nach Osteuropa. Man stelle sich vor Russland hätte das gleich auf Kuba gemacht oder würde es in Mexiko machen. So in etwa sehe ich die Dimension. Keinerlei Entspannung. Hatte man eben noch gehofft, dass man sich durch den Syrien-Konflikt und gemeinsamen Gegner IS näherkommt, zerstört die USA hier jegliche Hoffnung und trifft damit auch das nickende Hündchen Europa, das zudem immer stärker vom Brexit-Thema betroffen ist.
Auch die Hoffnung auf steigende Ölpreise erhält gerade einen Dämpfer. Insbesondere Brent ist genau dort abgeprallt wo es charttechnisch zu erwarten war.
Die Zahlen Japans waren zuletzt eine reine Katastrophe. Zeigen mal wieder, dass Zinsen jahrzehntelang auf Null sein können ohne Wirkung zu erzielen. Wobei die Lage Japans ja durchaus nicht so schlecht ist wie dargestellt. Wir haben es hier mit einer alternden Gesellschaft zu tun und damit sinkenden Einwohnerzahlen. Damit wird ja auch einem GDP Wachstum von Null pro Kopf durchaus noch ein Wachstum von über 1% p.a. Ist übrigens interessant wenn man GDP-Zahlen demographisch bereinigt. Dann sieht die USA wegen der Einwanderung aus Südamerika in den letzten Dekaden nicht unbedingt besser als Japan aus. Vielleicht auch mal ein Ansatzpunkt über unsere Wachstumsphilosophie nachzudenken. Na ja die Börsen schauen eben nur auf die Headline. Und da sieht´s in Japan düster aus.
Zum Markt: Der US-Markt hat also logisch reagiert. Stimmt meine Analyse zur Politik dann gibt´s vielleicht wirklich eine Chance nach oben. Es wäre dann so gewollt. Shorten könnte also verfrüht sein. Ich spreche hier nicht von Daytrading. Gegen einen steigenden US-Markt würde ich auch den DAX nicht shorten wollen. Sollten sich die Währung und Öl im jetzigen Bereich einpendeln sehe ich Chancen auf steigende Kurse im Einklang mit den USA. Kurzfristig mag´s eine kleine Konsolidierung auf hohem Niveau geben, aber ohne negative Impulse wie z.B. durch die FED wird es zu keiner Trendwende nach unten kommen. DER DOW ist m.E. übrigens aus dem Abwärtstrend raus, anders als der S&P. Ich bin ein Domino-Freund. Wenn es einem Index gelingt folgen i.d.R. auch die anderen.