Opta Analyst arbeitet mit Wahrscheinlichkeitstheorie.
Aber man kann es auch mit simplen Statistik begründen.
ZB ein Post vom User Arche aus'm TM Forum veranschaulicht das ganz gut:
www.transfermarkt.at/...d/forum/12/thread_id/805130/page/3356
"Der These, der Saisonstart gebe wenig Aufschluss über den Saisonverlauf, ist klar zu widersprechen.
Der Saisonstart ist mit wenigen Ausnahmen (dazu später mehr) hochgradig bedeutsam für das Saisonergebnis, weil er für mindestens zwei Drittel der Vereine, meist jedoch noch für deutlich mehr Vereine den Saisonabschluss in der oberen und unteren Tabellenhälfte und sogar im oberen und unteren Tabellendrittel anzeigt. Der Saisonstart ist nach 6 Spielen, wie auch Kovac völlig berechtigt angemerkt hat (3 Auswärts- und 3 Heimspiele), ziemlich sicher zu beurteilen.
Nun fehlt in der aktuellen Saison noch ein Spiel, weil erst 5 Spieltage absolviert sind. Schauen wir uns also an, wie in den vergangenen 10 Spielzeiten die Vereine, die nach 5 Spielen nicht auf dem 1. Platz waren und keine volle Punktzahl erzielt hatten (also weniger als 15 Punkte), aber direkt hinter den Vereinen mit voller Punktzahl und hinter dem Erstplatzierten positioniert waren, am Ende der Saison abgeschnitten haben.
Saison | Platzierung nach 5 Spielen | Verein | Punktzahl | Platzierung am Saisonende
2015/16 | 3. | Wolfsburg . | 11 | 8.
2016/17 | 2. | Dortmund . | 12 | 3.
2017/18 | 2. | München ... | 12 | 1.
2018/19 | 2. | Dortmund . | 12 | 2.
2019/20 | 2. | München ... | 11 | 1.
2020/21 | 2. | München ... | 12 | 1.
2021/22 | 2. | Wolfsburg . | 13 | 12.
2022/23 | 2. | Dortmund . | 12 | 2.
2023/24 | 2. | Leverkusen | 13 | 1.
2024/25 | 2. | Frankfurt ... | 12 | 3.
Nur zweimal ist ein Verein mit 11, 12 oder 13 Punkten nach 5 Spieltagen, der nicht auf dem 1. Platz stand, aus dem oberen Tabellendrittel herausgefallen, einmal davon sogar aus der oberen in die untere Tabellenhälfte. Dass es zweimal der VFL Wolfsburg war, möchte ich hier nicht thematisieren, obwohl auch das vielleicht erkenntnisfördernd wäre.
Klar ist aber, das selbst nach 5 Spieltagen die Saisonleistung insgesamt bereits in den meisten Fällen vorgezeichnet ist. Dass sogar viermal der zweitplatzierte Verein am Saisonschluss Meister war, möchte ich allerdings deshalb nicht als Argument gelten lassen, weil es dreimal die finanziell und deshalb auch sportlich besser gestellten Münchener und einmal Leverkusen mit seiner außergewöhnlichen Fabelsaison waren. Dass diese Vereine am Schluss Meister waren, ist nicht aus einer Aufholphase erklärbar, sondern aus einer zufälligen Konstellation, die zu Beginn der Saison noch keinen 1. Platz ermöglichte (später aber unaufhaltsam).
Da der BVB im 6. BL-Spiel der aktuellen Saison gegen Leipzig, also einen vermeintlich stärkeren Gegner als die bisherigen spielen und danach gegen München antreten muss, ranken sich um diese sicherlich nicht einfachen Aufgaben in den Beiträgen der letzten Tage einige Spekulationen/Berechnungen, die behaupten, der BVB sei wegen seiner Kovacschen Spielweise und der nach wie vor fehlenden Ausgewogenheit des Kaders wahrscheinlich sehr bald in großen Schwierigkeiten.
In diesem Zusammenhang ist erst einmal klarzustellen, dass die 4 Heimspiele und 4 Auswärtsspiele des BVB gegen die vermeintlich stärksten Gegner - München, Leverkusen, Leipzig, Frankfurt (also 4 Vereine) - nicht 24, wie ein User behauptet hat, sondern 26 Spiele gegen andere (vermeintlich weniger starke) Vereine) übrig lassen. Sollte der BVB gegen die stärksten Gegner alle 8 Spiele verlieren und weiterhin gegen die vermeintlich schwächeren Vereine so punkten wie bisher zum Saisonstart, würde der BVB je 13 Punkte aus 5 Spielen gegen diese Vereine erzielen, hätte der BVB in 26 Spielen schon einmal sicher 65 Punkte und die Chance im 26. Spiel noch einmal zu punkten, also 66 oder 68 Punkte bis zum Saisonschluss zu erzielen. Da aber überhaupt keine Niederlage in diesen 26 Spielen ebenso unwahrscheinlich ist wie überhaupt kein Punktgewinn aus 8 Spielen gegen die vermeintlich stärksten Vereine, heben sich diese Unwahrscheinlichkeiten auf, sodass von Minimum 65 Punkten am Saisonende auszugehen ist, wahrscheinlich mehr, vielleicht auch deutlich.
Bliebe noch die Frage nach den Ausnahmen, die es in jeder Saison gibt. Für Prognosen, welche Vereine trotz guten Starts noch deutlich absinken sowie trotz schlechten Starts noch deutlich hochkommen werden, also den Trend im Gegensatz zu den allermeisten Vereinen nicht halten können, ist es tatsächlich noch zu früh. Was sich aber aktuell sicher beurteilen lässt, ist der trendsetzende gute Start des BVB. Wie gut im Vergleich zu anderen Vereinen der BVB-Start nämlich bisher war, zeigt sich daran, dass der BVB, selbst wenn er gegen Leipzig verlieren sollte, immer noch auf dem 3. Platz stehen würde, weil Frankfurt und Stuttgart bereits 4 Punkte sowie Leverkusen sogar 5 Punkte Rückstand auf den BVB haben. Selbst bei einer am 7. Spieltag folgende Niederlage gegen München würde der BVB nicht aus der oberen Tabellenhälfte herausfallen.
Die 5 Vereine mit 7 Punkten, die hinter Leverkusen (8), Stuttgart (9), Frankfurt (9), Leipzig (12) Dortmund (13) und München (15) zur Zeit platziert sind, haben folgendes Programm am 6. und 7. Spieltag:
- Köln gegen Hoffenheim (A) und Augsburg (H)
- Freiburg gegen M'gladbach (A) und Frankfurt (H)
- St. Pauli gegen Bremen (A) und Hoffenheim (H)
- Hoffenheim gegen Köln (H) und St. Pauli (A)
- Union Berlin gegen Leverkusen (A) und M'gladbach (H)
Abgesehen davon, dass sich Köln, Hoffenheim und St. Pauli gegenseitig Punkte wegnehmen werden, mag sich jeder ausrechnen, welcher dieser Vereine überhaupt eine Chance hat, die 6 Punkte Rückstand auf Dortmund (und die bessere Tordifferenz des BVB) aufzuholen, um Dortmund aus dem oberen Tabellendrittel zu verdrängen, selbst wenn der BVB beide Spiele gegen Leipzig und München verlieren sollte.
Das Programm der unmittelbaren Verfolger des BVB sieht so aus::
- Leipzig gegen Dortmund (A) und Hamburg (H)
- Frankfurt gegen München (H) und Freiburg (A)
- Stuttgart gegen Heidenheim (H) und Wolfsburg (A)
- Leverkusen gegen U. Berlin (H) und Mainz (A)
Sollte Leipzig tatsächlich gegen Dortmund gewinnen, kann es einen 4-Punkte-Vorsprung aus diesen Spielen gegenüber Dortmund erreichen. Frankfurt 6 Punkte aus den beiden Spielen zuzutrauen, ist ziemlich waghalsig. Stuttgart könnte mit zwei Siegen, wenn es seine Chancenverwertung deutlich ausbaut, den BVB überholen, Leverkusen, wenn es sich kurzfristig entwickelt, ebenso. Horrorszenario wäre demnach für den BVB, wenn er tatsächlich beide Spiele verlieren würde, Leipzig beide gewinnt, Frankfurt gegen München ein Unentschieden holt oder sogar gewinnt und Freiburg auch besiegt und Stuttgart und Leverkusen beide Spiele gewinnen. Dann sähe die Tabelle so aus:
1. München 18 oder 20
2. Leipzig 18
3. Stuttgart oder Frankfurt 15
4. Leverkusen 14
5.Frankfurt oder Dortmund 13
6. Frankfurt oder Dortmund 13
Ist das realistisch? Eher nicht, denn schon nur wenn Dortmund gegen Leipzig ein Unentschieden herausholt, Frankfurt gegen München verliert und gegen Freiburg unentschieden spielt oder gewinnt, Stuttgart gegen Heidenheim gewinnt und gegen Wolfsburg unentschieden spielt und Leverkusen gegen einen von U- Berlin oder Mainz 2 Punkte liegen lässt, sähe die Tabelle so aus:
1. München 21
2. Leipzig 16
3. Dortmund 14
4. Stuttgart oder einer aus Köln, St. Pauli oder Hoffenheim 13
5. Leverkusen 12
6. Frankfurt oder einer aus Köln, Freiburg, St. Pauli, Hoffenheim, U. Berlin 10
Schon ein bisschen realistischer, aber verlassen wir die prognostische Spekulation, indem wir uns mal anschauen, gegen wen denn die Konkurrenten und Verfolger des BVB (abgesehen von München) bisher ihre Punkte nach 5 Spielen geholt haben:
- Leipzig gegen Heidenheim, Mainz, Köln und Wolfsburg nach drastischer Niederlage gegen München, also gegen drei Gegner, die auch der BVB besiegt hat.
- Frankfurt gegen Bremen, Hoffenheim und M'gladbach bei Niederlagen gegen Leverkusen und U. Berlin.
- Stuttgart gegen M'gladbach, St. Pauli und Köln, bei Niederlagen gegen U. Berlin und Freiburg.
- Leverkusen gegen Bremen (unentschieden), Frankfurt, M'gladbach (unentschieden) und St. Pauli bei einer Niederlage gegen Hoffenheim (am ersten Spieltag).
Im Vergleich dazu, ist das Unentschieden gegen St. Pauli und sind die Siege gegen U. Berlin, Heidenheim, Wolfsburg und Mainz, die der BVB erreicht hat, ziemlich respektabel, sodass der BVB sich hinter seinen Verfolgern keineswegs verstecken muss. Selbst der Hinweis darauf, dass die BVB-Verfolger bereits gegen ein Schwergewicht spielen mussten (Leipzig gegen München, Frankfurt gegen Leverkusen, Stuttgart gegen Freiburg und Leverkusen gegen Frankfurt), der BVB aber noch nicht, erklärt allenfalls, dass Leipzig einen Punkt weniger hat als der BVB, nicht aber dass Frankfurt und Stuttgart 4 Punkte weniger haben und Leverkusen 5 Punkte weniger hat als der BVB.
Bleibt die Frage, wie stabil und nachhaltig der positive Lauf des BVB bleiben kann, wenn die ersten Niederlagen gegen gleich-oder höherwertige Teams zu verkraften sein werden. Da scheiden sich die Interpreten in Pessimisten, Realisten und Optimisten.
Die Pessimisten machen am Spielstil und an der Spielanlage des keineswegs ausgewogenen, wenn auch individuell relativ starken Kaders fest, dass der BVB, wenn er mit starken Vereinen konfrontiert sein wird, keine Punkte holen kann.
Die Realisten sehen den BVB im Konkurrenzkampf der Vereine im Ergebnis offen (auch gegen starke Gegner), weil sämtliche anderen Vereine (bis auf München) ebenfalls massive Probleme (aus unterschiedlichen Gründen) haben.
Die Optimisten sehen in der Stabilisierung der Abwehr, der erhöhten Laufbereitschaft und der gesteigerten Mentalität des BVB-Kaders (nicht zuletzt durch Einwirken von Kovac) nahezu eine Garantie zumindest für eine klare Qualifikation zur Champions League.
Ich selbst halte mich eher für einen Realisten, der sowohl pessimistische als auch optimistische Sichtweisen versucht, argumentativ zu widerlegen.
Da aktuell die Punkteausbeute (13 von 15) sehr gut ist, sind meine Argumente fast nur gegen die Pessimisten
gerichtet. Sobald aber euphorischer Optimismus wegen zwischenzeitlich guter Ergebnisse ausbrechen sollte, wird sich meine kritische Analyse gegen die Optimisten wenden, weil ich den Kader des BVB (trotz Unausgewogenheit) zwar für einen im Vergleich mit anderen Vereinskadern der BL durchaus für die CL-Qualifikation tauglichen halte, das aber keineswegs für absolut sicher halte.
Abgesehen von München, das sich mal wieder in dieser Saison nur selbst schlagen kann, halte ich die zur Zeit bereits oben stehenden Vereine, also den BVB, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart, Leverkusen und von den derzeit mit 7 Punkten aufwartenden Vereinen Freiburg und Hoffenheim für diejenigen, die die Plätze 2 bis 6 am Ende der Saison wahrscheinlich belegen werden. Wolfsburg, Mainz und St. Pauli sind wegen schwierigen Auftaktprogramms nur schwer einzuschätzen, aber mMn wahrscheinlich nicht in der Lage, durch kontinuierlich gute Ergebnisse im oberen Tabellendrittel zu landen.
Fazit:
Die sportliche Situation des BVB ist trotz berechtigter Kritik an der Kaderzusammenstellung (und damit an den BVB-Verantwortlichen), an einzelnen Spielern des BVB sowie an der Kovacschen Spielweise im Vergleich zu anderen BL-Vereinen nicht nur bzgl. der aktuell erzielten Punkte, sondern auch bzgl. der längerfristigen Perspektive in dieser Saison mit dem Torgaranten Guirassy, dem stark aufspielenden Adeyemi, den kreativen Möglichkeiten durch Brandt und Chukwuemeka, der relativ stabilen Abwehr, die durch die Rückkehr von Schlotterbeck massiv aufgewertet wird (defensiv und bzgl. der Spieleröffnung) und der von Kovac offenbar in die Spieler transponierten Haltung, jedem Ball und jedem Gegner nachzujagen, so schlecht nicht. Für eine CL-Qualifikation scheint es ziemlich sicher zu reichen, vielleicht sogar für den 2. Platz. Jede Ambition auf die Meisterschaft wäre allerdings angesichts der Münchener Dominanz vermessen."