das hat sicher erhebliche Konsequenzen für die Firmen,die nicht den Eid ablegen wollen,sind ja noch verdammt viele,sehr interessanter Link oben
Keine Eile mit dem Eid auf die Bilanz
Frist der SEC läuft am 14. August ab / Kaum Hoffnung auf positiven Kurseffekt
nks. NEW YORK. 8. August. Die meisten amerikanischen Unternehmenslenker haben keine Eile, einen Eid auf ihre Bilanzen abzulegen. Eine Woche vor Ende der Frist hat erst knapp ein Zehntel der aufgeforderten Unternehmen eine entsprechende Erklärung bei der Börsenaufsicht hinterlegt.J.T. Battenberg III war am schnellsten. Der Vorstandschef des weltgrößten Automobilzulieferers Delphi Corp. war der erste amerikanische CEO, der mit seiner Unterschrift persönlich für die Richtigkeit der Bilanz seines Unternehmens einstand. Das war am 18. Juli. Drei Wochen vorher hatte die Börsenaufsicht SEC als Reaktion auf die Bilanzskandale bei amerikanischen Unternehmen und als Maßnahme gegen den grassierenden Vertrauensverlust der Anleger eine Frist bis zum 14. August für einen Eid auf die Bilanz gesetzt. Bis zu diesem Termin müssen die meisten Vorstands- und Finanzchefs von 947 Konzernen mit einem Jahresumsatz von über 1,2 Milliarden Dollar persönlich das Zahlenwerk beglaubigen. Zudem müssen sie bestätigen, die Bilanz mit dem Wirtschaftsprüfungs-Ausschuß oder den unabhängigen Mitgliedern des Verwaltungsrats besprochen zu haben.Delphi-Chef Battenberg ging es nicht darum, Erster zu sein. Er wollte aber schnell etwas gegen die Vertrauenskrise an der Börse tun und die Angestellten beruhigen. "Wir mußten unseren Angestellten etwas mitteilen. Die wollen wissen: Ist mein CEO und mein Management-Team in Schwierigkeiten? Wir wollten das mit Nachdruck verneinen", sagte Battenberg. Auf den Aktienkurs von Delphi hatte die schnelle Reaktion allerdings keine positiven Auswirkungen. Der Kurs ist trotz des Eids von Battenberg gefallen.Die SEC führt eine Liste mit den Unternehmen, deren Vorstände den geforderten Eid geleistet haben, auf ihrer Internetseite (www.sec.gov). "Es wird kurz vor Ablaufen der Frist Gedränge geben", prognostiziert David Blitzer, Marktstratege und Vorsitzender des Index-Ausschusses beim Informationsdienst Standard & Poor's. Den Börsenkursen werde das aber keinen großen Auftrieb geben, meint er. Als die SEC die Frist gesetzt hatte, war nach den Falschbuchungen in Milliardenhöhe beim Telefonkonzern Worldcom die Befürchtung noch groß, daß weitere große Unternehmen ihre Bilanzen revidieren müssen. Bis jetzt sei das aber nicht passiert und deswegen rechnet Blitzer auch nicht mehr mit neuen Skandalen. "Die Akteure am Aktienmarkt konzentrieren sich schon wieder auf die Unternehmensgewinne und die Konjunktur", beobachtet er.
Ausgeschlossen ist allerdings nicht, daß neue Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung bekanntwerden. Am Mittwoch hatte der große Versicherungsmakler Aon mitgeteilt, daß die SEC eine Untersuchung seiner Bilanzen eingeleitet hat. Der Aktienkurs des Unternehmens brach daraufhin ein. Möglicherweise muß Aon nun die Gewinne der vergangenen zwei Jahre revidieren. Aon-Vorstandschef Patrick Ryan will die eidesstattliche Unterschrift aber trotzdem vor dem 14. August leisten.
Nach Delphi gehörten auch die Chefs des Paketversenders Federal Express, des Getränkeherstellers Pepsico und der AMR, der Muttergesellschaft der Fluggesellschaft American Airlines, zu den frühen Unterzeichnern des SEC-Formulars. Stratege Blitzer sieht den einzigen Vorteil einer frühen Reaktion in einem positiven Presseecho. "Aber ich würde auch nicht der letzte sein wollen", sagt er.Die Frist der SEC gilt nicht für alle Unternehmen. Aus Rücksicht auf Konzerne, deren Fiskaljahr vom Kalenderjahr abweicht, wird rund ein Viertel der CEOs die Unterschrift erst nach dem 14. August leisten. Damit ist dem Datum einiges an Brisanz genommen. Wenn Vorstandschefs begründen, warum sie den Eid nicht pünktlich leisten können, kann die SEC zudem eine Verlängerung der Frist gewähren. So wird der neue Vorstandschef des Telekom-Konzerns Qwest Communications, Richard Notebaert, die Frist der SEC nicht einhalten, weil die Bilanz des Unternehmens bis dahin noch nicht revidiert worden ist. Ende Juli hatte Qwest künstlich erhöhte Umsätze eingeräumt.
An Unterschrift und Eid wird allerdings kein CEO vorbeikommen. "Ein
Vorstandschef, der auch nur erwägt, nicht zu unterschreiben, wird derzeit ganz schlecht schlafen", heißt es in SEC-Kreisen. Und der Aktienkurs eines Unternehmens, dessen CEO nicht für die Richtigkeit der Bilanzen bürgen will, dürfte zweifellos stark unter Druck geraten. Die SEC in ihrer Rolle als Strafverfolgungsbehörde kann bei Verweigerung die Unterschrift mit einer Klage erzwingenAuch wenn die Unterschrift der CEOs und der Finanzchefs kurzfristig keinen Anstieg der Börsenkurse bewirken dürfte, rechnen Marktteilnehmer mit langfristig positiven Auswirkungen in Zusammenhang mit verschärften Gesetzen gegen Betrug und einem erhöhtem Budget für die SEC. Die SEC plant, den Eid auf die Bilanz auf alle 15 000 börsennotierten Unternehmen auszuweiten. Hugh Johnson, Chefanleger bei der Bank First Albany, zieht daher folgendes Fazit: "Alles was getan wird, um das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen, hat Konsequenzen."