Übernahmekampf um Freenet nachgelegt. Die Unternehmen bestätigten einen
Vorabbericht der Tageszeitung 'Welt', wonach United-Internet-Chef Ralph
Dommermuth im Falle einer möglichen Offerte eine Bewertung von 14 Euro je
Freenet-Aktie in Aussicht stellt. Zuletzt hatte er in einem Interview mit der
Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX von maximal 12,80 Euro je Freenet-Anteil
gesprochen. Mit der höheren Bewertung will er ein Zusammengehen von Freenet und
Debital torpedieren, wie es im Umfeld der Unternehmen hieß.
Die neue Bewertung nannte Dommermuth dem Zeitungsbericht zufolge in einem Brief
an den Freenet-Vorstand und -Aufsichtsrat geschrieben. Darin fordere er auch
eine 'zeitnahe' Klarstellung über den von Freenet beabsichtigten Kauf des
Mobilfunkproviders Debitel. Ein United-Internet-Sprecher bestätigte den Inhalt
des Briefes. Freenet will nach Angaben einer Sprecherin den Inhalt des Briefes
prüfen und eine Antwort vorbereiten.
FREENET-AKTIE LEGT DEUTLICH ZU
Die Freenet-Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachricht. Sie lag um
16.45 Uhr mit 7,12 Prozent auf 12,34 Euro im Plus. Die United-Internet-Papiere
notierten dagegen mit 2,70 Prozent bei 14,08 Euro im Minus. United Internet
wolle Freenet nur übernehmen, wenn die Debitel-Übernahme unterbleibe, schreibt
die Zeitung. Dommermuth will gemeinsam mit dem Mobilfunkprovider Drillisch den
Konkurrenten Freenet übernehmen und anschließend aufspalten. Das Internet- und
DSL-Geschäft soll an United Internet fallen, Drillisch würde in diesem Fall die
Mobilfunksparte übernehmen. United Internet und Drillisch halten über eine
gemeinsame Holding bereits gut 25 Prozent an Freenet.
FREENET-CHEF PLANT DEBITEL-KAUF
Freenet-Chef Eckhard Spoerr will hingegen den Mobilfunkprovider Debitel
übernehmen und verhandelt dazu mit dem Debitel-Großeigner und Finanzinvestor
Permira. Berichten zufolge sollten die Verträge ursprünglich bereits an diesem
Dienstag unterschrieben werden, der Vertragsabschluss sei aber auf Freitag
verschoben worden. Dadurch würde der nach der Deutschen-Telekom-Tochter
T-Mobile und Vodafone drittgrößte Handy-Anbieter mit rund 20 Millionen Kunden
in Deutschland entstehen.
In dem Brief spricht sich Dommermuth der 'Welt' zufolge deutlich gegen die
Übernahme aus. 'Bitte lassen Sie sich nicht ohne Not zum Erfüllungsgehilfen von
Permira und den Debitel finanzierenden Banken machen.' Der Debitel-Verkauf durch
Permira sei 'aus der Not geboren', schreibe der United-Internet-Chef. Vor allem
kritisiere er die Übernahme der enormen Schuldenlast bei Debitel. 'Wenn Sie
zulassen, dass zukünftig neben dem Debitel-Geschäft auch die Freenet-Assets für
die Debitel-Kredite haften, dann setzen Sie alles auf eine Karte', wird
Dommermuth zitiert. Auf diese Weise könnten die Freenet-Aktionäre
'quasi-enteignet' werden./stw/he/zb
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