[06:55, 08.03.07]
Von Elisabeth Atzler (Frankfurt) (ftd.de),
Hedge-Fonds nehmen verstärkt auch kleinere deutsche Unternehmen ins Visier. Erst am Donnerstag wurde bekannt, dass Montrica Investment Management aus London 6,2 Prozent am Mobilfunkdienstleister Drillisch hält und Global Opportunities Capital beim Halbleiterspezialisten Süss Microtec mit 3,9 Prozent eingestiegen ist.
Dabei treten die Investoren häufig genauso auf wie traditionelle Investoren. Marktbeobachter warnen aber, dass das Verhalten der Hedge-Fonds sich rasch ändern kann, wenn der Aktienkurs sich schwach entwickelt.
"Im Moment ist Deutschland ein attraktiver Markt." Das liege besonders an den guten Wachstumsaussichten, sagt Götz Dickert, Direktor bei Computershare in Deutschland. Computershare identifiziert für Unternehmen Aktionäre und organisiert Hauptversammlungen. Doch die Firmen sollten sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, sagt Dickert. "Wir brauchen bloß auf den nächsten Fall à la Deutsche Börse warten. Viele Unternehmen wollen das noch nicht wahrhaben." Die Auseinandersetzung zwischen Hedge-Fonds und dem Dax-Mitglied Deutsche Börse hatte vor zwei Jahren für Aufsehen gesorgt. Nach dem Machtkampf trat Konzernchef Werner Seifert zurück. Ähnlich heftig ist bereits der Streit zwischen dem Fotodienstleister CeWe Color, im SDax notiert, und mehreren Hedge-Fonds, die das Management absetzen wollen. Bei CeWe gingen Manager und Investoren lange respektvoll miteinander um, bis die Stimmung kippte.
"Für die kleinen Unternehmen beginnt es mit der Aktionärsidentifikation, was früher oft nicht existierte. Der Fall Deutsche Börse hat bei vielen das Bewusstsein geschärft", sagt Kay Bommer, Geschäftsführer des Deutschen Investor Relations Verbandes (Dirk). Beim Mobilfunkzulieferer Balda kennt man die Aktionäre genau: Hedge-Fonds, darunter Audley und Cycladic Capital, und aktive Investoren wie Guy Wyser-Pratte halten zusammen etwa 30 Prozent.
Hedge-Fonds sind laut Stimmrechtsmitteilungen sowie Daten von Reuters bei zahlreichen Firmen investiert: Zu den größeren Unternehmen zählen die Baumarktkette Praktiker mit Bluecrest als Aktionär, der TV-Sender Premiere mit Citadel, der Immobilienhändler Vivacon mit Lansdowne und dem Florian-Homm-Fonds Absolute Capital sowie der Industriekranhersteller Demag Cranes mit GLG Partners. Beim Ablesekonzern Techem verhinderten Hedge-Fonds eine Übernahme. Auch kleinere Firmen wie Drillisch und Süss Microtec zählen zu den Zielen. Immer wieder ist Homm dabei: Die Absolute-Capital-Fonds sind an Borussia Dortmund beteiligt - wie der große US-Hedge-Fonds Och-Ziff. Aber auch Modeproduzent Gerry Weber, das Finanzunternehmen Cash Life und Wige Media gehören wie etliche andere Firmen zum Homm-Portfolio. Oft agieren Hedge-Fonds genauso wie die Kollegen klassischer Fonds: Sie steigen ein - und tun gar nichts. "Der Investor ist ein freundlicher", sagt Oliver Keil, bei Drillisch für Investor Relations verantwortlich. "Bei uns im Haus ist der Tenor positiv zu den Gesprächen mit den Fonds", sagt ein Demag-Sprecher. "Die Kommunikation mit Hedge-Fonds hat eine Normalität erreicht, wie sie vor Kurzem noch nicht da war", sagt Bomme. "Für die kleinen Unternehmen ist es aber schwieriger, sich auf den Einstieg eines Hedge-Fonds so professionell vorzubereiten, wie es Großen möglich ist."
Florian Homm gibt sich gezähmt
"Leute, die ihnen das große Geld anvertrauen, wollen nicht nur Rendite, sondern auch eine stabile Struktur", sagt Florian Homm. Und deshalb sei seine Gesellschaft Absolute Capital Management auch durch die US-Finanzaufsicht SEC reguliert. An der Börse notiert ist sie bereits - mit inzwischen mehr als 2 Mrd. $ verwalteter Gelder. Homm, Enfant terrible der Branche - der deutsche Aufseher ermittelte wegen Kursmanipulation gegen ihn -, gibt sich gezähmt und zählt jetzt "risikobewusste institutionelle Anleger" zur Zielgruppe. Mehr als 100 Zuhörer drängen sich bei Close Brothers Seydler und müssen zum Teil stehen. Doch ganz streift der aggressive Finanzjongleur Homm sein "Plattmacher"-Image noch nicht ab. Aktivismus - bei Firmen einsteigen und mitreden - sieht er als "Marktlücke". Denn Geld verdienen muss der Fondsmanager auch mit Regulierung. Der Renditedruck sei "brutal in der Branche", sagt er.
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