Tachauchichmalwieder. Auch diese Meldung ist schon drei Wochen alt. Habe sie auch übersehen. Der vorletzte Satz hat's in sich, finde ich.
Von Frank Christiansen, dpa
Düsseldorf (dpa) - Zwei Österreicher mit neuem Wohnsitz im Silicon
Valley (USA) wollen der Telekombranche weltweit das Fürchten lehren.
Roman Scharf (35) und Daniel Mattes (34) wollen nicht nur bei
günstigen Telefonaten im Festnetz mitmischen, sondern auch einen
Preisrutsch bei Gesprächen auf dem Handy einleiten. Bis zum
Jahresende soll ihr Unternehmen Jajah eine Million Kunden haben.
Dazu wollen sie es dem Verbraucher leicht machen: Die sollen ihre
alten Telefone, Anschlüsse, Nummern und Verträge behalten und
trotzdem mit Jajah bis zu 90 Prozent der Kosten sparen. «Es hat ja
keiner etwas gegen sein Handy, nur gegen den Preis, den das
Telefonieren kostet», sagt Scharf. Der Trick ist, dass für die
Verbindung Jajah das Handy anruft - und deswegen kaum noch Kosten
anfallen.
Vor wenigen Tagen wirbelten die jungen Wiener mit einem
«Welthandytarif» gehörig Staub auf. Für 15 Cent pro Minute können
Jajah-Kunden vom Handy in ausländische Festnetze telefonieren. Dafür
wird einmalig eine Software aus dem Internet auf das Handy geladen,
was allerdings noch nicht bei allen Geräten funktioniert. Binnen drei
Tagen gewann Jajah dennoch allein in Deutschland 10 000 Kunden.
Während bei der Internet-Telefonie im Festnetz bereits ein harter
Wettbewerb herrscht, ist die Voice-over-IP-Technologie auf dem Handy
noch Neuland. Selbst eine Branchengröße wie Skype musste kürzlich
eingestehen, dass die seit zwei Jahren verfolgten Mobilfunk-Pläne
wegen technischer Schwierigkeiten kaum von der Stelle kommen. Dabei
wird dem Markt angesichts der teuren Mobilfunk-Tarife ein großes
Potenzial eingeräumt.
Bei Festnetz-Telefonaten über Jajah muss sich der Anrufer zunächst
einmalig im Internet registrieren und dann seine und die Ziel-Nummer
eingeben. Das eigene Telefon läutet und nach dem Abheben wird die
Verbindung aufgebaut - für zwei Cent die Minute bis nach China oder
in die USA.
Hinter Scharf und Mattes stehen mächtige und erfolgsverwöhnte
Geldgeber: Der milliardenschwere Risikokapitalgeber Sequoia hat zum
Beispiel mit Google an einer atemberaubenden Erfolgsstory
mitgeschrieben und unter anderem auch bei Yahoo! seine Finger im
Spiel.
Jajah ist die erste europäische Firma, in die Sequoia eingestiegen
ist, berichtet Scharf stolz. Und so kam es auch, dass sich Scharf und
Mattes im Silicon Valley in genau den Büros wiederfanden, in denen
die legendären Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page einige Jahre
zuvor ihren Welterfolg ausgetüftelt hatten.
Jajah (phon. Dschadscha) stammt aus der Sprache der australischen
Ureinwohner und war zunächst nur der Spitzname eines australischen
Mitstreiters, bevor er in einem Wiener Kaffeehaus zur Marke des
Unternehmens auserkoren wurde. «Dem Mythos nach hieß der Erfinder des
"Bullroarers" so - das ist ein altes Kommunikationsinstrument der
Aborigines», erzählt Scharf.
Was das Duo aus Wien sich vorgenommen hat, ist die Verschmelzung
der klassischen Telefonie mit dem Internet. Für die «letzte Meile»
zum Kunden soll die alte Infrastruktur genutzt werden. Dazwischen
soll Jajah mit Hilfe eines in London stationierten Parks aus
Computer-Servern den Preisbrecher spielen.
«Die Leute wollen mit ihrem Telefon telefonieren und nicht mit dem
Computer», sagt Scharf. Gerade in Deutschland seien besonders die
Mobiltelefonate noch sehr teuer. In Österreich sei der Minutenpreis
selbst im Vergleich zu den deutschen Discountern wie simyo nicht halb
so hoch. Derzeit ist Scharf in Europa unterwegs, um Allianzen zu
schmieden: Mit Telefon-Herstellern und Mobilfunk-Discountern. «Wir
wollen, dass jedes Handy auf der Welt Jajah nutzen kann.»