Aus dem Mobilcom-Thread bei W.O - heute von Mobilinchen gepostet
Mobilfunkdienstleister
Was plant Drillisch wirklich?
Am Markt kursieren entsprechend die wildesten Gerüchte, von einer möglichen Kooperation bis zur Übernahme Drillischs durch Mobilcom und umgekehrt wird derzeit jedes Szenario gehandelt.
Von Patrizia Ribaudo
Frankfurt/Main - Welches Ziel verfolgt Drillisch wirklich? Diese Frage wird derzeit heftig und kontrovers unter Analysten diskutiert. Kurz nach dem Kauf des 9,4-Prozentanteils an Mobilcom am Montag hat sich Drillisch-Chef Paschalis Choulidis zwar offen gezeigt für eine Allianz mit dem größeren Konkurrenten. "Wir möchten unter dem Dach der Mobilcom die Service-Provider-Landschaft in Deutschland zusammenführen", sagte Choulidis am Mittwoch dem Fernsehsender n-tv. Die Worte lassen indes keinen eindeutigen Rückschluss darüber zu, was Choulidis eigentlich plant.
Am Markt kursieren entsprechend die wildesten Gerüchte, von einer möglichen Kooperation bis zur Übernahme Drillischs durch Mobilcom und umgekehrt wird derzeit jedes Szenario gehandelt. Unter den Mobilfunkanbietern ohne eigenes Netz ist Drillisch die Nummer vier und Mobilcom die Nummer zwei in Deutschland.
Beflügelt von den Gerüchten befinden sich die Papiere von Mobilcom und Drillisch auf Höhenflug. Auch die Aktie der Mobilcom-Tochter Freenet profitiert von den Spekulationen. Am Donnerstag legten die Mobilcom-Papiere eine Verschnaufpause ein, nachdem sie am Mittwoch mit einem Kursplus von zwölf Prozent als Gewinner im TecDax aus dem Handel gegangen war. Die Papiere von Drillisch und Freenet zogen weiter an.
"Choulidis träumt davon, den Sektor zu konsolidieren", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Eine Übernahme Mobilcoms durch den kleineren Anbieter hält der Analyst allerdings für unwahrscheinlich. "Das kann Drillisch nicht stemmen", sagt er. Lediglich mit einem Dritten im Bunde, etwa einem Finanzinvestor, bestünde eine Chance.
Auch Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) hält dieses Szenario für unwahrscheinlich. "Eine Übernahme von Mobilcom durch Drillisch wäre mit vielen praktischen Problemen verbunden." Ein unwägbarer Faktor seien etwa die Mobilcom-Aktionäre, die bereits die Fusion mit Freenet monatelang torpedierten. Eine Übernahme durch Drillisch mache auch deswegen wenig Sinn, weil die zu zahlende Übernahmeprämie das mögliche Einsparpotenzial wieder auffresse. "Damit würden die möglichen Synergien gleich zunichte gemacht", argumentiert Hellgren.
Drillisch stehe als hochprofitables Unternehmen nicht unter Druck, etwas Derartiges zu machen. Der Experte glaubt vielmehr, dass es auf eine Kooperation oder Fusion der beiden Anbieter hinausläuft. Das ergebe noch den meisten Sinn. "Von den Synergieeffekten könnten beide Unternehmen profitieren", so Hellgren. Während sein Kollege von Sal. Oppenheim ungeachtet der möglichen Entwicklungen gleich allen drei Akteuren weiteres Kurspotenzial bescheinigt, bleibt der LRP-Stratege bei seinem Kursziel für Mobilcom von 20 Euro.
Euphorischer zeigen sich die Analysten von Kepler Teather & Greenwood Merrion. Im Falle einer Übernahme durch Drillisch rechnen sie mittelfristig mit einem Mobilcom-Kurs von 28 Euro, ein Anstieg um rund 40 Prozent. Als Gründe nennen sie mögliche Synergieeffekte in Höhe von rund 20 Prozent und den Verlustvortrag von Mobilcom von drei Mrd. Euro. "Eine Konsolidierung in der Branche wäre unserer Ansicht nach nur logisch", schreibt Analyst Thomas Karlovits in seiner Studie. "Je mehr Anbieter vom Markt verschwinden, desto besser."
aufmerksamaufmerksam
Auf eine große Bereinigung läuft auch das dritte Szenario hinaus, das in Finanzkreisen derzeit hoch gehandelt wird: dem Wegfall gleich mehrerer Anbieter. "Wenn Mobilcom Drillisch übernimmt und Freenet verkauft, bleibt immer noch genügend Geld, um Talkline und Debitel zu schlucken", spekuliert Rothauge. Die beiden Unternehmen befinden sich wie Mobilcom in der Hand von Finanzinvestoren, die eine Konsolidierung befürworten. Für Jochen Reichert von SES Research ist die Lage klar: "Eine mögliche Verschmelzung von Drillisch und Mobilcom kann nur der Anfang eine Konsolidierung der gesamten Branche sein", schreibt der Analyst.
aufmerksamaufmerksam
Die Lösung könnte schon bald feststehen. Am heutigen Freitag treffen sich Drillisch-Chef Choulidis und Mobilcom-Chef Eckhardt Spoerr, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Artikel erschienen am 13.10.2006