und noch eine neue Nachricht aus dem Telekom-Sektor:
ROUNDUP: Versatel will durch Zukäufe zweitgrößter Telekomanbieter werden
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Festnetzanbieter Versatel will durch Zukäufe und organisches Wachstum sein Geschäft in Deutschland deutlich ausbauen. 'Langfristig wollen wir die Nummer zwei werden', sagte Vorstandschef Peer Knauer am Dienstag in Düsseldorf der dpa-AFX. Die zum Finanzinvestor Apax gehörende Gesellschaft würde damit Arcor als zweitgrößten Festnetzkonzern nach der Deutschen Telekom ablösen.
Beim Ausbau des Geschäfts setzt Versatel vor allem auf Zukäufe. 'In diesem Jahr könnten wir ein oder zwei Unternehmen erwerben', sagte Knauer. Dazu sei ein Ausbau des Telekomnetzes geplant, sodass bis Ende kommenden Jahres eine Abdeckung von 35 bis 40 Prozent erreicht werde. Derzeit deckt Versatel 20 Prozent Deutschlands mit einer eigenen Infrastruktur ab. Das Düsseldorfer Unternehmen ist aus der Verschmelzung von Tropolys und die von der niederländischen Muttergesellschaft erworbene Versatel Deutschland entstanden.
Die Telekom erhält damit einen weiteren Konkurrenten, der durch den Bau einer eigenen Infrastruktur den Wettbewerbsdruck in Deutschland erhöhen will. Die spanische Telefonica will bis zum kommenden Jahr eine Netzabdeckung von 60 Prozent erreichen und damit zur Vodafone-Tochter Arcor aufschließen. Anders als etwa United Internet und freenet, die DSL-Anschlüsse unter eigenen Namen für die Telekom vertreiben, wollen Versatel, Arcor und Telefonica die Kunden komplett unter Vertrag haben und damit eine höhere Marge erzielen.
INVESTITIONEN VON MINDESTENS EINER MILLIARDE EURO
Die Investitionssumme für den Netzausbau und Zukäufe bezifferte Knauer auf rund eine Milliarde Euro. Diese Summe könnte auch höher liegen bei interessanten Akquisitionsmöglichkeiten, sagte der Versatel-Chef, ohne mögliche Zukaufziele zu nennen. Im Fokus von Versatel stehen vor allem Regionalanbieter wie die Kölner Netcologne. 'Denkbar ist auch der Erwerb eines Resaleanbieters', sagte Knauer. Ein Gebot für den Internetanbieter AOL Deutschland schloss er nicht aus. AOL Deutschland ist mit über eine Millionen DSL-Kunden einer der größten Breitbandanbieter.
Mit dem Erwerb von AOL Deutschland könnte Versatel den Konkurrenten Arcor überholen. An AOL sind dem Vernehmen nach auch freenet.de , United Internet und Finanzinvestoren interessiert. Der Mutterkonzern Time Warner will sich nur vom Zugangsgeschäft trennen, den Inhaltebereich aber behalten.
ZAHLEN ZU ERSTEM QUARTAL
Im ersten Quartal erhöhte Versatel die Zahl seiner DSL-Nutzer um 60.000 auf rund 340.000. 'Alle Kunden laufen über unser eigenes Netz', sagte Kauer. Versatel verspricht sich davon einen höheren Ergebnisbeitrag. Für dieses Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 700 Millionen Euro nach 560 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der DSL-Kunden soll bis zum Jahresende auf eine halbe Millionen ansteigen.
Im ersten Quartal belief sich der Umsatz auf 157 Millionen Euro und der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) auf 40,5 Millionen Euro. Vergleichszahlen nannte Versatel nicht./mur/fd
(08:37 20.06.2006)