Bezahlen per Handy vor dem Durchbruch
Studie: Einzelhandel kann mehrere hundert Millionen Euro sparen
Trotz des Scheiterns der Handy-Bezahlsysteme Paybox und zuletzt Simpay
sieht die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton realistische
Chancen für einen Marktdurchbruch dieser Technologien. Allein der
deutsche Markt habe ein jährliches Gebührenpotential für
Zahlungsverkehrsabwicklungen von 100 Millionen Euro, heißt es in einer
Studie des Unternehmens, die in der kommenden Woche vorgestellt wird.
Die Voraussetzungen für das mobile und bargeldlose Bezahlen sind der
Untersuchung zufolge gut: Inzwischen haben statistisch neun von zehn
Deutschen ein Handy, dieser Wert steigt stetig an. Noch immer werden
über 60 Prozent aller Einkäufe im deutschen Einzelhandel bar bezahlt.
Die Ersparnis für die Bargeldlogistik liegt noch deutlich über den zu
erwarteten Gebühreneinnahmen. Die Ausgaben dafür ließen sich um bis zu
zehn Prozent senken. "Dies entspräche in Deutschland einer jährlichen
Ersparnis von mehreren hundert Millionen Euro", sagt
Telekommunikationsexperte Roman Friedrich.
In der vergangenen Woche hatte T-Mobile-Chef René Obermann vor
Journalisten in Bonn den Verzicht auf die Entwicklung einer eigenen
Bezahlsystems bekräftigt. "Es gibt bereits funktionierende Systeme",
sagte er. "Warum sollen wir das alles neu erfinden?"
Tatsächlich ist das Bezahlen per Handy auf der Basis bestehender
Infrastrukturen möglich. Voraussetzung für einen Erfolg ist nach
Ansicht von Booz Allen Hamilton aber eine Kooperation zwischen Banken,
Kreditkartengesellschaften, Gerätehersteller und
Telekommunikationsunternehmen.
In Japan ist das Bezahlen mit dem Handy bereits verbreitet. NTT Docomo
hat Mobiltelefone mit einem Sony-Chip ausgerüstet und konnte innerhalb
von fünf Monaten eine Million Teilnehmer dafür gewinnen. Ende des
Jahres sollen es zehn Millionen Nutzer sein. In Geschäften muß das
Handy nur kurz an das Kassen-Lesegerät gehalten werden.