FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach seinen jüngsten Gewinnen hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Für Unsicherheit sorgten die weiter steigenden Ölpreise und Gewinnmitnahmen bei Aktien von Chipherstellern als Reaktion auf einen enttäuschenden Ausblick des Wettbewerbers STMicroelectronics .
Für dich zusammengefasst:
Der Dax fiel um 0,8 Prozent auf 24.948 Punkte.
Steigende Ölpreise und US-Konzernzahlen belasten die Märkte.
Die EZB wird voraussichtlich den Leitzins bestätigen.
Der deutsche Leitindex Dax rutschte wieder unter die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten und büßte zuletzt 0,8 Prozent auf 24.948 Punkte ein. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,6 Prozent auf 31.804 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,9 Prozent.
Steigende Ölpreise wegen der anhaltenden Angriffe im Iran-Krieg schürten weiter Inflationsängste und blieben damit ein Problem für die Märkte. Der Preis für die Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im September stieg über die Marke von 98 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Zudem erklärten vom Iran unterstützte Huthi-Milizen, sie hätten zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer angegriffen; dies verschärft den Nahostkonflikt weiter und droht zu schwerwiegenderen Versorgungsunterbrechungen zu führen.
Als Belastung hinzukam, dass die zur Wochenmitte nach US-Börsenschluss vorgestellten Zahlen großer US-Konzerne die Anleger nicht überzeugten - obwohl der Internetriese Alphabet im vergangenen Quartal die Wall-Street-Erwartungen übertroffen hatte. Da Googles Mutterkonzern noch mehr Geld in den Ausbau der KI-Infrastruktur stecken will, kamen die Aktien nachbörslich unter Druck.
Die Augen werden nun auf die Europäische Zentralbank (EZB) gerichtet, die ihren Leitzins an diesem Donnerstag voraussichtlich bestätigen wird. "Die Notenbank hat keinen Grund, sich heute festzulegen - und genau darin liegt ihre größte Stärke", glaubt der Portfoliomanager Jörg Held vom Fondsanbieter Ethenea. Mit großer Spannung werden die Signale für die nächste Sitzung im September erwartet, für die viele Ökonomen von einer erneuten Leitzinserhöhung ausgehen. Laut Held spricht die Datenlage "für ein Umfeld, in dem Geduld gefragt ist".
Hierzulande herrscht auch deshalb Zurückhaltung, weil Europas größter Softwarekonzern SAP (SAP Aktie) am Abend nach US-Börsenschluss seine mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorlegt. SAP-Chef Christian Klein steht unter Druck. Grund sind die Zweifel von Investoren an klassischen Softwareanbietern, ob sie mit ihrem Geschäftsmodell zur Nutzung der Programme aus dem Netz dem Druck von KI-Apps standhalten können.
STMicroelectronics hatte seine zuletzt erfolgsverwöhnten Anleger mit dem Umsatzausblick enttäuscht und die Aktien so auf Talfahrt geschickt, was auch auf die hiesigen Wettbewerber negativ abfärbte. So fielen die Papiere von Infineon (Infineon Aktie) am Dax-Ende um fast fünf Prozent. Unter den größten Verlierern im MDax gaben die Anteilsscheine von Elmos Semiconductor um mehr als zwei Prozent nach.
Darüber hinaus setzte am Donnerstag die laufende Berichtssaison der Unternehmen Akzente. So gewannen die Papiere von Daimler (Daimler Aktie) Truck an der Dax-Spitze um fast vier Prozent. Der Nutzfahrzeug-Hersteller hatte dank Fortschritten in den Vereinigten Staaten die Prognose erhöht. Die Anteilsscheine des Wettbewerbers Traton hatten gar im MDax mit einem Plus von fast sieben Prozent klar die Nase vorn. Die VW-Nutzfahrzeugtochter wird für das Gesamtjahr etwas optimistischer, indem sie beim Absatz und beim Umsatz nur noch im schlechtesten Fall von einer Stagnation ausgeht.
Aus der Brache gab es aber auch eine schlechte Nachricht: Der Zulieferer Stabilus verliert mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr etwas an Optimismus. Hier sackten die Papiere als Schlusslicht im Nebenwertindex SDax um fast acht Prozent ab./la/mis
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