Die USA müssen Rekord-Renditen für Staatsanleihen bieten – das Schuldenproblem wächst

Ingo Kolf Ingo Kolf
Ingo Kolf Ingo Kolf
Ingo Kolf bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung im internationalen Finanzjournalismus mit, darunter 19 Jahre beim Nachrichtendienst Bloomberg, mit Stationen in Frankfurt und sechs Jahren in New York. Seine fundierte Expertise umfasst die Bereiche Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und globale Zinsentscheidungen, mit einem besonderen Fokus auf die Devisenmärkte und bewährte Dividendenstrategien. Bei ARIVA.DE ordnet er die großen wirtschaftlichen Trends unserer Zeit in tiefgehenden Hintergrundberichten und Analysen ein.

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Die New Yorker Freiheitsstatue. New York ist die Börsenmetropole der Vereinigten Staaten.
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Für neue Schulden müssen die Vereinigten Staaten so hohe Renditen bieten wie seit Jahrzehnten nicht. Das belastet den Haushalt – und könnte auch Aktienanleger treffen.
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Washington findet weiterhin Käufer für seine Schulden, doch die Investoren verlangen inzwischen einen hohen Preis. Bei der jüngsten Auktion zehnjähriger US-Staatsanleihen lag die Rendite bei 4,683 Prozent – so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Für 30-jährige Treasuries musste das Finanzministerium sogar 5,216 Prozent bieten. Einen derart hohen Finanzierungssatz hatte es bei dieser Laufzeit seit 2001 nicht gegeben.

Für den US-Haushalt wird das zunehmend unangenehm. Alte Staatsanleihen mit niedrigen Kupons laufen aus und müssen durch neue Papiere mit deutlich höheren Renditen ersetzt werden. Je länger dieses Zinsniveau anhält, desto stärker steigen die durchschnittlichen Finanzierungskosten des gesamten Schuldenbergs. In den ersten 10 Monaten des laufenden Fiskaljahrs summierten sich die Zinsausgaben auf die Staatsschuld laut US-Finanzministerium auf rund 1,17 Billionen US-Dollar – 15 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Damit entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Höhere Zinsen treiben das Haushaltsdefizit nach oben. Ein größeres Defizit zwingt Washington wiederum, noch mehr Anleihen auszugeben. Das zusätzliche Angebot kann wiederum höhere Renditen erforderlich machen. Während der Finanzkrise und besonders während der Pandemie hatte die US-Notenbank dieses Problem teilweise abgefedert. Sie kaufte in riesigem Umfang Staatsanleihen und drückte damit die langfristigen Renditen.

Heute ist die Lage anders. Die Fed kauft zwar wieder kurzfristige Treasuries, tritt am langen Ende aber nicht mehr als jener massive, weitgehend preisunabhängige Käufer auf wie während der QE-Programme. Eine Rückkehr zu solchen Käufen wäre schwierig. Solange Inflation ein Thema bleibt, könnten massive Anleihekäufe als geldpolitische Lockerung oder sogar als indirekte Staatsfinanzierung verstanden werden. Steigende Inflationserwartungen könnten langfristige Renditen dann sogar zusätzlich nach oben treiben. Die Fed kann Amerikas Schuldenproblem deshalb nicht einfach wegkaufen.

Werte aus dem Artikel:
USA 26/36 96,91 $ -0,01%
USA 26/56 96,30 $ -0,10%

Auch traditionelle ausländische Käufer helfen weniger als früher. China war einst der größte ausländische Besitzer von US-Staatsanleihen, hat seine Bestände aber seit Jahren deutlich reduziert. Japan ist inzwischen der größte ausländische Halter. Doch steigende Renditen japanischer Staatsanleihen machen Anlagen im eigenen Land wieder interessanter. Für japanische Versicherer und Pensionsfonds müssen US-Treasuries deshalb inzwischen stärker mit heimischen Bonds konkurrieren. Washington ist damit zunehmend auf Investoren angewiesen, die sehr genau auf den Preis schauen – und höhere Renditen verlangen.

Für Anleger hat das Folgen weit über den Anleihemarkt hinaus. Treasury-Renditen sind die Basis für zahlreiche Finanzierungskosten in den USA. Steigen sie, verteuern sich Hypotheken und Unternehmenskredite. Gleichzeitig bekommen Aktien Konkurrenz von sicheren Staatsanleihen, die wieder Renditen von rund fünf Prozent bieten.

Die jüngsten Auktionen zeigen daher eine neue Realität: Die Zeiten extrem billiger Finanzierung sind für die USA vorerst vorbei. Gleichzeitig wächst der Schuldenberg immer mehr. Ein Teufelskreis hat begonnen, aus dem die Fed die Vereinigten Staaten schwerlich herauskaufen kann.

Autor: Ingo Kolf, Ariva-Redaktion


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