
Bitcoins Kursverlauf folgte zuletzt wieder stärker US-Tech-Aktien. In Stressphasen nimmt die Gleichläufigkeit häufig zu, weil Risiko insgesamt von Investoren abgebaut wird. Hinzu kommt die Marktstruktur. Sobald wichtige Kursniveaus brechen, werden gehebelte Long-Positionen zwangsweise geschlossen. Diese Liquidationen sind selten der Auslöser, aber oft der Beschleuniger von Korrekturen, besonders bei dünner Liquidität.
Ein zusätzlicher Stressindikator wird von den On-Chain-Daten aufgedeckt, denn im siebentägigen gleitenden Durchschnitt der realisierten Verluste zeigt sich ein Spike auf rund 2,6 Milliarden US-Dollar. Solche Ausschläge sieht man historisch nur in wenigen Marktstressphasen, etwa rund um 2021, während der Luna/FTX-Verwerfungen oder in der Korrektur Mitte 2024. Das passt ins Gesamtbild: Viele Anleger schließen unter Druck Positionen und realisieren Verluste.

Die heute veröffentlichten US-Inflationsdaten liefern ein wichtiges Update für das Makrobild: Die Gesamtinflation (CPI) für Januar liegt bei 2,4 Prozent und damit unter den erwarteten 2,5 Prozent sowie deutlich unter dem Vormonat (2,7 Prozent). Die Kerninflation (Core CPI) beträgt 2,5 Prozent – das ist im Rahmen der Prognose und leicht niedriger als zuvor (2,6 Prozent).
Die erste Marktreaktion fällt entsprechend aus: Der US-Dollar und die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe geben nach. Das ist grundsätzlich positiv für Risikoanlagen, weil sinkende Renditen die Finanzierungsbedingungen entspannen und ein schwächerer US-Dollar oft Rückenwind liefert. Eine nachhaltige Entlastung ist damit aber noch nicht garantiert. Entscheidend ist, ob sich die Bewegung in den kommenden Stunden und Tagen fortsetzt oder ob die Risikoaversion am Markt schnell wieder dominiert.

Für die US-Notenbank ist das ein relevanter Baustein. Der zuletzt robuste Arbeitsmarkt (NFP) hatte die Argumente für schnelle Zinssenkungen begrenzt. Mit dem heutigen CPI-Update nimmt der Inflationsdruck zumindest etwas ab. Trotzdem bleibt Unsicherheit im Markt, weil neben den Daten auch die künftige Kommunikation der Fed und Personalfragen eine Rolle spielen. Schon kleine Signale zur Zinsperspektive können die Erwartungen und damit auch den US-Dollar, Renditen und Risikoappetit spürbar verschieben. Für Bitcoin ist das relevant, weil ein schwächerer US-Dollar und sinkende Renditen das Umfeld für Risikoanlagen tendenziell verbessern.
Während kurzfristig Risk-off dominiert, argumentiert ARK-Invest-Chefin Cathie Wood, dass die KI-Revolution langfristig deflationäre Kräfte freisetzen könnte, worin eine Chance für Bitcoin liege. Wood unterscheidet zwischen “guter Deflation” durch Innovation und “schlechter Deflation” durch Nachfrageeinbruch. KI sei vor allem in der “guten” Kategorie.
Trainingskosten werden laut ihr um rund 75 Prozent pro Jahr fallen, die Inferenzkosten sogar um 85 Prozent bis 98 Prozent. In einem Umfeld, in dem etablierte Geschäftsmodelle und Kreditmärkte unter Druck geraten könnten, sieht Wood Bitcoin als Absicherung sowohl gegen Inflation als auch Deflation. Kurzfristig entscheidet aber weiterhin das Marktregime: Risk-off, Deleveraging und die Frage, ob der US-Dollar und die Renditen weiter nachgeben.
Drei Fragen entscheiden nun über die kurzfristige Kursentwicklung. Stabilisiert sich der Tech-Sektor oder setzt sich der Risk-off-Abbau fort? Nimmt der Liquidationsdruck bei Bitcoin ab oder bleibt der Markt fragil? Und bestätigt sich die CPI-getriebene Entlastung über fallende Renditen und einen schwächeren US-Dollar oder dreht der Impuls wieder?

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