Die größten Bitcoin-Gewinne aller Zeiten sind keine Geschichten über brillantes Trading. Es sind Geschichten über Geduld, Überzeugung und eine beinahe schmerzhafte Gleichgültigkeit gegenüber dem Lärm des Marktes.
Die wohl spektakulärsten Gewinne stammen von jenen Wallets, die heute fast schon mythisch wirken. Adressen aus den Jahren 2009 bis 2012, gefüllt mit Tausenden Bitcoin, entstanden durch Mining oder frühe Käufe, als ein Bitcoin kaum mehr wert war als ein Kaffee. Viele dieser Coins wurden nie bewegt. Kein Verkauf, kein Rebalancing, keine Profitmitnahme.
Satoshi Nakamotos geschätzte 1,1 Millionen BTC, seit 2010 unberührt, sind heute über 96 Milliarden USD wert. Ähnlich verwandelten sich 10.000–80.000 BTC aus 2011 (Einsatz unter 10.000 USD) in bis zu 7 Milliarden USD, ohne je einen Satoshi zu bewegen. Insgesamt schlummern 2–4 Millionen frühe Bitcoins – Hunderte Milliarden an Buchgewinnen aus quasi null Investition. Diese mythischen Wale hielten durch alle Crashes, weil sie Bitcoin als Experiment sahen, nicht als Spekulation.
Während die frühen Wale aus einer anderen Zeit stammen, steht ein Name für den größten institutionellen Bitcoin-Trade der Moderne: Michael Saylor. Seit 2020 kaufte MicroStrategy (heute Strategy) aggressiv Bitcoin, teils mit Fremdkapital, teils gegen den Spott der Finanzwelt.
Saylor erlebte alles: Euphorie, Crashs, Buchverluste in Milliardenhöhe und öffentliche Zweifel an seiner Strategie. Doch er verkaufte nicht. Stattdessen verdoppelte er seinen Einsatz. Heute hält MicroStrategy mit fast 700.000 BTC einen der größten nicht-staatlichen Bitcoin-Bestände der Welt. Der Gewinn ist nicht nur finanzieller Natur, sondern strategisch: Bitcoin wurde zum Kern der Unternehmensidentität. Nachahmer folgten.
Ein weiterer Kreis der erfolgreichsten Bitcoin-Wale entstand ausgerechnet aus der größten Katastrophe der frühen Krypto-Jahre: dem Kollaps der Börse Mt. Gox. Während der Markt das Vertrauen verlor und Bitcoin zeitweise als gescheitert galt und extrem tief fiel, nutzten einige Investoren die Gelegenheit. Sie kauften Bitcoin zu Preisen unter 500 US-Dollar oder erwarben später Mt.-Gox-Forderungen mit massiven Abschlägen. Jahre später, nach einem der längsten Insolvenzverfahren der Finanzgeschichte, wurden diese Forderungen teilweise ausgezahlt – zu Kursen, die die ursprünglichen Einsätze um ein Vielfaches überstiegen. Diese Gewinne entstanden nicht aus Optimismus, sondern aus der Bereitschaft, genau dann zu investieren, wenn sich alles falsch anfühlt.
Nicht alle großen Bitcoin-Wale halten bis heute. Einige der beeindruckendsten Gewinne stammen von jenen, die tatsächlich verkauft haben – und zwar nicht aus Panik, sondern nach Plan. Früh eingestiegen, nahe Allzeithochs teilweise ausgestiegen, diversifiziert in Immobilien, Unternehmen oder Stiftungen. Diese Wale widersprechen dem romantischen Ideal der ewigen Diamond Hands. Sie zeigen, dass auch Disziplin beim Ausstieg Teil einer erfolgreichen Strategie sein kann. Der größte Gewinn ist nicht der maximale Preis, sondern die Fähigkeit, rechtzeitig zufrieden zu sein.
Ob frühe Miner, institutionelle Investoren oder antizyklische Schnäppchenjäger – sie alle teilen eine Eigenschaft: einen extrem langen Zeithorizont. Keiner von ihnen verließ sich auf Indikatoren, YouTube-Gurus oder kurzfristige Narrative. Sie ignorierten Schlagzeilen, überstanden Crashs und widerstanden dem Drang, ständig zu handeln. Die größten Bitcoin-Gewinne wurden nicht durch überlegene Intelligenz erzielt, sondern durch Geduld. Und durch die Fähigkeit, psychologischen Schmerz auszuhalten, wenn andere längst aufgegeben hatten.
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