“Die American Bitcoin Corporation macht den Finanzriesen Angst”, hatte der zweitälteste Trump-Sohn Eric noch im September selbstbewusst verkündet. Sollte dem tatsächlich so gewesen sein, dürften sich JPMorgan, Wells Fargo und Co. inzwischen aber wieder von ihrem Schreck erholt haben. Der ABTC-Aktienkurs mutet jedenfalls auch den Krypto-affinsten Trump-Unterstützern einiges zu: In den vergangenen 6 Monaten korrigierte American Bitcoin um 73 Prozent, obwohl man es mit aktuell 5.843 BTC im Wert von 456 Millionen US-Dollar zumindest unter die Top 20 der Treasury-Unternehmen schaffte. Auch für Eric Trump ist das ein Ärgernis, denn zusammen mit seinem Bruder Donald Jr. hält er 20 Prozent der Anteile der Firma, die mehrheitlich dem Mining-Riesen Hut8 gehört.

Von leisen Tönen hält Eric Trump genauso wenig wie sein Vater im Weißen Haus. Trotz des einbrechenden Aktienkurses erklärte er vor wenigen Tagen: “ABTC ist führend und baut Amerikas Bitcoin-Infrastruktur schneller auf als jeder andere”. Im Gespräch mit Fortune betonte Eric, dass er und sein Vater das gemeinsame Ziel hätten, die USA zur “Krypto-Hauptstadt der Welt” zu machen, und auch, dass Bitcoin Mining für die Vorherrschaft der USA in dieser aufstrebenden Branche von zentraler Bedeutung sei. Für Privatanleger hat sich ein Investment an der Seite der präsidialen Familie bislang aber nicht ausgezahlt.
Das französische Halbleiterunternehmen Sequans ist schon seit 2011 an der New Yorker Börse gelistet. Ein Blick auf den Kursverlauf weckt jedoch unangenehme Erinnerungen an zahlreiche Krypto-ICOs aus der Boomphase: erst ein euphorischer Börsenstart mit teils explosiven Kursgewinnen, dann der jahrelange Niedergang. Vom damaligen Hoch ist kaum etwas geblieben – gegenüber dem Handelsbeginn liegt die SQNS-Aktie heute rund 99 Prozent im Minus. Für das angeschlagene Unternehmen sollte durch Bitcoin endlich die Rettung kommen. Im August gab Sequans bekannt, bis zum Jahr 2030 insgesamt 100.000 BTC erwerben zu wollen. Doch für die hochfliegenden Plänen hatte der Aktienmarkt offenbar nicht sehr viel übrig.

Seit Anfang August brach die SQNS-Aktie um 67 Prozent ein. Besonders fatal: Als einer der ersten Bitcoin-Akkumulatoren liquidierte Sequans im November 30 Prozent der BTC-Bestände, um fällige Wandelanleihen zu bedienen. Die verbleibende Reserve beläuft sich auf 2.264 BTC im Wert von etwa 176 Millionen US-Dollar. Trotz des Rückschlags gibt sich CEO Georges Karam optimistisch: “Diese Initiative hat unsere finanzielle Flexibilität verbessert und unsere Verschuldungsquote im Verhältnis zum Nettoinventarwert deutlich gesenkt […], während wir gleichzeitig die langfristige Optionalität unserer Bitcoin-Reserve beibehalten haben.” Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – aber irgendwann stirbt sie.
Als GameStop Ende Mai den Kauf von 4.710 Bitcoin im damaligen Wert von rund 513 Millionen US-Dollar verkündete, waren die Erwartungen hoch. Viele Anhänger des Memestocks hofften auf eine Wiederholung des spektakulären Kursanstiegs aus dem Jahr 2021. Dieser Traum wurde jedoch nicht wahr. Anleger, die direkt nach der ersten großen BTC-Akquisition einstiegen, liegen heute im Minus. Immerhin blieb GameStop ein massiver Einbruch wie bei anderen Aktien nach dem Ende kurzlebiger Treasury-Hypes erspart. In den vergangenen sechs Monaten legte die GME-Aktie um 17 Prozent zu – ob Bitcoin einen positiven Beitrag leistete, erscheint allerdings fraglich.

Ohnehin hatte CEO Ryan Cohen schon früh klargestellt, dass er nicht in die Fußstapfen von Michael Saylor treten will. Bitcoin sollte GameStop in erster Linie als Inflationsschutz dienen und nur ein Baustein innerhalb einer umfassenderen Strategie zur Stabilisierung des Geschäfts sein. Dennoch überraschte in der Vorwoche die Meldung, dass GameStop offenbar den gesamten Bestand von 4.710 BTC zu Coinbase Prime transferiert hat.
In einem Interview erklärte Cohen kurz darauf, dass man die Übernahme eines börsennotierten Konsumgüterunternehmens plane, das “sehr, sehr, sehr groß” sei und die Bewertung von GameStop auf hunderte Milliarden US-Dollar treiben könne. Einen möglichen Bitcoin-Verkauf wollte er zwar nicht bestätigen. “Ich bin nicht bereit, dazu etwas zu sagen”, erklärte Cohen gegenüber CNBC. Allerdings ergänzte er, dass die neue strategische Ausrichtung “weitaus überzeugender als Bitcoin” sei. Damit könnte die Bitcoin-Treasury-Story von GameStop schon bald an ihr Ende kommen.
Schon ambivalenter wirkt die Situation bei Strive, einer 2022 vom Ex-Präsidentschaftskandidaten Vivek Ramaswamy mitgegründeten Investmentgesellschaft. Durch den regelmäßigen Kauf von Bitcoin will Strive einen Mehrwert für die Aktionäre schaffen und einen hohen BTC Yield erzielen, das heißt die Anzahl der pro Aktie gehaltenen Bitcoin steigern. Bereits beim Start der Bitcoin-Strategie im Mai erklärte man zudem, börsennotierte Firmen mit Bewertung unter dem Nettoinventarwert aufkaufen zu wollen – und ließ diesen Worten nun auch Taten folgen. Durch einen Deal im Volumen von rund 1,34 Milliarden US-Dollar übernahm Strive das Medizintechnologieunternehmen Semler Scientific samt Bitcoin-Reserve.

Grund zur Freude hatten die Strive-Aktionäre in den vergangenen sechs Monaten angesichts eines 76-prozentigen Kursrückganges aber kaum. Zumindest scheint das Unternehmen finanziell solide aufgestellt und kommt derzeit auf 13.132 BTC im Wert von 1,02 Milliarden US-Dollar. Zudem begann Strive kürzlich damit, unbefristete Vorzugsaktien zu nutzen, um Wandelanleihen zurückzuzahlen und seine Bilanz zu restrukturieren – eine Methode, die MicroStrategy als Vorbild dienen könnte. Damit erscheint Strives Bitcoin-Strategie durchdachter und langfristiger angelegt als bei vielen anderen Treasury-Unternehmen.
Zum vergangenen Jahreswechsel gab Metaplanet-CEO Simon Gerovich einen ehrgeizigen Plan für 2025 bekannt: “Unser Ziel ist es, die Bitcoin-Bestände auf 10.000 BTC zu erweitern”. Und ganz anders als Sequans lieferte das japanische Pendant zu MicroStrategy auch ab – tatsächlich sind es sogar 35.102 BTC im Wert von 2,73 Milliarden US-Dollar, die Metaplanet heute in der Bilanz hält.
Ein Kaufrausch, der die Bitcoin-Community begeisterte, doch die Aktie angesichts des fallenden BTC-Kurses trotzdem nicht beflügeln konnte. Das Minus von 62 Prozent seit Anfang August steht im krassen Gegensatz zur Kursexplosion des Jahres 2024, als Metaplanet mit mit Abstand stärkste Aktie an der Tokioter Börse war. Mit dem jüngsten Bitcoin-Einbruch könnte die weltweit viertgrößte Treasury-Firma nun vor eben jener Bewährungsprobe stehen, die MicroStrategy bereits im Krypto-Winter 2022 absolvierte.

Regulatorisch drohte zuletzt Gegenwind für Metaplanet und andere fernöstliche Treasury-Firmen, denn die Japan Exchange Group erwägt neue Prüfungsanforderungen für Unternehmen, die sich auf die Akkumulation von Krypto-Assets konzentrieren. Ebenso problematisch: Die geplante Senkung der Krypto-Steuer von bis zu 55 Prozent auf pauschal 20 Prozent, die den “Regulatory Arbitrage”-Vorteil der Bitcoin-Treasury-Aktien zunichte machen könnte.
Dennoch will sich CEO Simon Gerovich nicht unterkriegen lassen und schrieb nach der BTC-Korrektur unter 80.000 US-Dollar in einem X-Post: “Dips sind Transfers von ungeduldigen zu geduldigen Händen. Wir halten daran fest, weil Bitcoin in einem kaputten System eine solide Währung ist. Weiter so.” Damit positioniert sich Metaplanet als ein Unternehmen, das bereit ist, die Volatilität seiner Bitcoin-Wette auszuhalten.
Der Blick auf die fünf Unternehmen zeigt, wie riskant Bitcoin-Treasury-Aktien in der Praxis wirklich sind. In vielen Fällen dominierten Narrative und Hoffnungen, während belastbare Strategien fehlten. Am ehesten wirken derzeit noch Strive und Metaplanet so aufgestellt, dass man sie als kleine Beimischung in Betracht ziehen könnte. Grundsätzlich bleibt jedoch festzuhalten, dass jede Treasury-Aktie ein höheres Risiko trägt als ein direktes Investment in Bitcoin. Wer diesen Weg gehen möchte, ist daher mit MicroStrategy als größtem und erfahrenstem Vertreter nach wie vor am besten bedient, während alle anderen Titel eher als spekulative Wetten mit möglichem Totalverlust zu verstehen sind.

Disclaimer: Alle auf der Webseite dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar.
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.