DEN HAAG (dpa-AFX) - Ein jahrzehntealter Grenzstreit zwischen den Nachbarländern Guyana und Venezuela wird vor dem Internationalen Gerichtshof verhandelt. Die zugrundeliegende Frage, wessen Staatsgebiet die riesige Region Essequibo zuzurechnen ist, hat für die Regierung Guyanas nach eigener Darstellung "existenzielle Bedeutung". "Für das guyanische Volk ist es tragisch, überhaupt daran zu denken, dass unser Land zerstückelt wird - indem man uns einen Großteil unseres Territoriums nimmt", sagte Guyanas Außenminister Hugh Hilton Todd zu Beginn der Anhörungen in Den Haag.
Für dich zusammengefasst:
Der Grenzstreit zwischen Guyana und Venezuela wird verhandelt.
Die Region Essequibo umfasst rund zwei Drittel von Guyana.
Guyana brachte den Fall 2018 vor den Internationalen Gerichtshof.
Im Zentrum des Konflikts steht die rohstoffreiche Region Essequibo, die rund zwei Drittel des Staatsgebiets von Guyana ausmacht. Umstritten ist, ob ein Schiedsspruch von 1899 zur Grenzziehung zwischen beiden Ländern rechtlich bindend ist. Die damalige Grenze wurde durch ein Tribunal in Paris festgelegt, Venezuela weist diese Festlegung jedoch zurück und beruft sich auf ein Abkommen mit dem Vereinigten Königreich von 1966, das eine Verhandlungslösung vorsah.
Die Verhandlungen sollen bis zum 11. Mai dauern. Guyana hatte den Fall 2018 vor das Gericht gebracht. Venezuela erkennt die Zuständigkeit des Gerichts nicht an, nimmt aber an den Anhörungen teil und will seine Argumente am Mittwoch darlegen.
Der Konflikt verschärfte sich durch politische Schritte der Regierung in Caracas. So erklärte Venezuelas mittlerweile abgesetzter Präsident Nicolás Maduro die Region 2023 nach einem Referendum zu einem eigenen Bundesstaat seines Landes und leitete entsprechende Maßnahmen ein.
Große Ölfunde vor der Küste haben die wirtschaftliche Bedeutung des Gebiets in den vergangenen Jahren stark erhöht. Guyana erlebte dadurch einen kräftigen Aufschwung und zählt inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit./ppz/DP/zb
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