dpa-AFX  | 
aufrufe Aufrufe: 351

Streit um Kosten für Abwasserreinigung tobt vor EU-Gericht

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Der Streit um die Kostenbeteiligung von Pharma- und Kosmetikfirmen bei der Abwasserreinigung tobt weiter. Nach Klagen mehrerer Pharmafirmen beim Gericht der EU gegen eine Kostenübernahme wollen nun der Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) in den Rechtsstreit eintreten.

play Anhören
share Teilen
feedback Feedback
copy Kopieren
newsletter
font_big Schrift vergrößern

Konkret geht es um die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung, die im Rahmen einer Anfang des Jahres in Kraft getretenen EU-Richtlinie "über die Behandlung von kommunalem Abwasser" gilt. Demnach müssen Pharma- und Kosmetikfirmen künftig mindestens 80 Prozent der zusätzlichen Kosten für eine vertiefte Reinigung des Abwassers tragen. Durch Arzneien und Kosmetikprodukte kommen Mikroschadstoffe ins Abwasser.

Industrie reichte Klage ein

Zahlreiche Pharmaunternehmen hatten deshalb Klage beim Gericht der EU eingereicht und wollen die erweiterte Herstellerverantwortung streichen. Sie bekommen Rückendeckung von Pharmaverbänden. Wie ein Gerichtssprecher bestätigte, sind insgesamt 16 Nichtigkeitsklagen anhängig. Bei einer Nichtigkeitsklage werden Rechtsakte überprüft, die von den verschiedenen EU-Organen erlassen werden.

Verbände wollen EU-Institutionen unterstützen

VKU und BDEW wollen nun als sogenannte Streithelfer vor Gericht das Europäische Parlament und die EU-Länder unterstützen und damit "die Wahrnehmung der Interessen der deutschen Wasserwirtschaft in dem Verfahren sicherstellen", wie sie mitteilten. Über den Antrag muss noch entschieden werden.

Auch der deutsche Städtetag hatte sich kritisch geäußert. Wenn die Herstellerverantwortung wegfalle, landeten die höheren Reinigungskosten für Abwasser bei den Gebührenzahlerinnen und

-zahlern in Städten, warnte er.

Pharma-Verband warnt vor möglichen Arzneiengpässen

Auf der anderen Seite fürchtet etwa der Verband Pro Generika Milliardenkosten, die zu verstärkten Arzneiengpässen in Deutschland führen könnten. Da im Erstattungssystem hierzulande die Arzneimittelpreise nicht einfach erhöht werden könnten, drohe die Produktion von einigen Medikamenten unwirtschaftlich zu werden. Besonders betroffen sei das Diabetes-Medikament Metformin. Die Kommunale Abwasserrichtlinie würde zu einem Rückzug von Herstellern führen. Fast drei Millionen Patienten müssten dann auf teurere Alternativen umsteigen./rdz/als/DP/jha

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.


Weitere Artikel des Autors

Themen im Trend