EU droht China mit hohen Strafzöllen auf E-Autos: Deutsche Hersteller in Sorge

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EU-Komissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der Debatte mit anderen Interessensvertretern im Europa Parlament. (18.Januar 2023)
©European Parliament CC2
Der Kampf um Absatzmärkte für E-Autos eskaliert weiter. Nach den USA könnte jetzt auch die EU Strafzölle auf chinesische E-Autos einführen. Darunter dürften besonders deutsche Autobauer leiden.

EU-Kommission erwägt hohe Strafzölle auf E-Autos aus China

Die EU-Kommission hat angekündigt, vorläufige Strafzölle auf E-Autos aus China zu erheben. Diese könnten bis zu 38,1 Prozent betragen und würden rückwirkend ab dem 4. Juli in Kraft treten, falls keine einvernehmliche Lösung mit China gefunden wird. Diese Maßnahme folgt einer Untersuchung, die seit dem letzten Herbst läuft und prüft, ob chinesische Elektrofahrzeuge durch unfaire staatliche Subventionen begünstigt werden.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, dass chinesische Elektroautos rund 20 Prozent günstiger als europäische Modelle sind, was durch massive staatliche Subventionen ermöglicht werde. Diese Praxis verzerrt laut von der Leyen den Markt und schadet europäischen Herstellern. Als Reaktion auf diese Untersuchung droht die EU-Kommission nun mit Zöllen zwischen 20 und knapp 40 Prozent.

Reaktionen aus China

Werte aus dem Artikel:
Audi -   0,00%
BMW Aktie 59,06 € -2,83%
Mercedes-Benz Aktie 43,335 € -2,91%
Porsche Vz Aktie 43,22 € -2,31%
VW Aktie 74,28 € -3,91%

Chinas Außenministerium bezeichnete die Untersuchung als protektionistisch und warf der EU vor, eine Ausrede zu suchen, um Zölle auf chinesische Autos zu erheben, was gegen internationale Handelsregeln verstoße. Sprecher Lin Jian warnte, dass solche Maßnahmen letztlich den eigenen Interessen Europas schaden würden. Bereits im Vorfeld hatte China angekündigt, seine Interessen zu schützen und nicht tatenlos zuzusehen.

Auswirkungen auf deutsche Autobauer

Die angedrohten Strafzölle könnten erhebliche Auswirkungen auf deutsche Autobauer haben, die stark vom chinesischen Markt abhängig sind. BMW, Porsche, Audi und Mercedes exportieren eine Vielzahl ihrer Modelle nach China. BMW (BMW Aktie) exportiert beispielsweise den 4er und 7er, während Porsche und Audi ebenfalls erhebliche Exportvolumina nach China haben. Mercedes-Benz verzeichnete im vergangenen Jahr, dass etwa 30 Prozent seines Absatzes auf China entfielen, während die VW-Kernmarke in China fast 50 Prozent ihrer Autos verkaufte.

Eine Gegenmaßnahme Chinas könnte besonders deutsche Autobauer treffen. BMW, Mercedes, VW und andere Hersteller könnten die ersten Ziele möglicher chinesischer Gegenmaßnahmen sein. Die chinesische Handelskammer in Brüssel warnte im Mai, dass China Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Fahrzeuge mit großen Motoren erwäge.

Produktionsverlagerungen und langfristige Strategien

Viele deutsche Firmen produzieren mittlerweile auch in China für den Export. Mini baut beispielsweise den Elektro-Cooper zusammen mit dem chinesischen Autohersteller Great Wall in China. Im VW-Konzern betrifft dies den neuen Cupra Tavascan, der in China gebaut und nach Europa exportiert wird. BMW importiert den iX3 aus China in die EU, und Mercedes baut die Smart-Fahrzeuge vollständig im chinesischen Xi’an.

Vergleich mit den USA

Die EU-Maßnahme folgt ähnlichen Schritten der USA, die Mitte April Sonderzölle gegen Elektroauto-Importe und andere Produkte aus China verhängt hatten. Die Vereinigten Staaten werfen Peking ebenfalls vor, den Wettbewerb durch staatliche Subventionen zu verzerren. Peking bestreitet diese Vorwürfe und argumentiert, die Branchen seien durch Innovation getrieben und würden zum Klimaschutz beitragen.

Exportwachstum Chinas

2023 exportierte China laut staatlichen Medien 1,2 Millionen Autos – ein Anstieg von fast 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland stieg die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge aus China 2023 um 47,6 Prozent. Trotz des Wachstums lag die Zahl der chinesischen Autos mit 33.699 Stück hinter der Konkurrenz aus anderen Ländern.

Potenzielle Folgen eines Handelskriegs

Wirtschaftsvertreter befürchten, dass sich gegenseitige Strafzölle zu einem Handelskrieg ausweiten könnten. Das Handelsministerium in Peking hat kürzlich eine Anti-Dumping-Untersuchung gegen Chemikalien aus der EU, den USA, Japan und Taiwan eingeleitet. Hohe Zölle könnten den Handel unattraktiv machen und nicht nur die direkt betroffenen Unternehmen schädigen, sondern auch Zulieferer und Logistikunternehmen.

Fazit

Die Entscheidung der EU-Kommission, Strafzölle auf chinesische E-Autos zu erwägen, könnte weitreichende Folgen für den globalen Automobilmarkt haben. Besonders deutsche Autobauer stehen vor erheblichen Herausforderungen, sollten sowohl die EU als auch China ihre Drohungen wahrmachen. Der Ausgang dieser Handelskonflikte wird die zukünftige Ausrichtung und Strategien der betroffenen Unternehmen stark beeinflussen.

dpa/Capital.de


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