
UnitedHealth: Hier hat Warren Buffett einen Bock geschossen
Vielbeachtet ist im vergangenen Jahr Investorenlegende Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway beim kriselnden US-Krankenversicherer UnitedHealth eingestiegen. Der kämpft neben explodierenden Patientenkosten mit einer ganzen Reihe von Skandalen sowie unsicheren Finanzierungsaussichten.
Am Dienstag hat das Dow-Jones-Schwergewicht seine Zahlen zum abgelaufenen Quartal vorgestellt. Die sorgen am Markt für Ernüchterung und sorgen für ein zweistelliges Minus der Aktie, welches auch den US-Leitindex nach unten zieht.
Nettogewinn sinkt um schockierende -99,8 Prozent
Gegenüber dem Vorjahresquartal kletterten die Erlöse um 12,3 Prozent auf 113,22 Milliarden US-Dollar. Damit wurden die Erwartungen allerdings um 520 Millionen US-Dollar verfehlt. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) konnte UnitedHealth die Schätzungen mit 2,11 US-Dollar treffen. Im Vergleich zum Ergebnis vor einem Jahr bedeutet das jedoch einen Rückgang von 69,0 Prozent.
Noch deutlicher werden die operativen Herausforderungen des Unternehmens beim auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallenden Nettogewinn. Der brach von 5,5 Milliarden US-Dollar um 99,8 Prozent auf gerade mal noch 10 Millionen US-Dollar ein.
Auch mit Blick auf das Gesamtjahresergebnis hat UnitedHealth Federn lassen müssen. Der Nettoertrag sank von 14,4 Milliarden US-Dollar auf knapp 12,1 Milliarden US-Dollar und damit um 16,0 Prozent. Das entspricht einem Ertragsergebnis von 13,23 US-Dollar je Anteil nach 15,51 US-Dollar im Jahr zuvor.
Schockierende Umsatzprognose, mauer Gewinnausblick
Als wäre das noch nicht genug gewesen, hat das Management eine für 2026 enttäuschende Prognose abgegeben. UnitedHealth rechnet mit Erlösen von 439,0 Milliarden US-Dollar – das liegt um satte 17 Milliarden US-Dollar unter den Konsensschätzungen.
Beim bereinigten Gewinn pro Aktie wird mit einer Erholung auf 17,75 US-Dollar gerechnet. Damit wurden die Analystenprognosen um 1 Cent unterboten. Ein Teil der in den vergangenen Monaten gewährten Erholungsgewinne der Aktie scheint damit in den Augen des Marktes hinfällig.
Aktie im Rausch der Tiefe, gesamte Branche belastet
In der US-Vorbörse ging es für die Aktie steil bergab. Die erste Kursreaktion war ein Minus von 9 Prozent, das sich rasch auf über 16 Prozent ausgeweitet hat. Damit notiert UnitedHealth wieder unter der Marke von 300 US-Dollar und gibt die erst vor Kurzem überwundenen 200-Tage-Linie wieder auf, womit die Chancen auf eine übergeordnete Trendwende dahin sind.
Für zusätzlichen Ärger sorgt außerdem, dass die für US-Krankenversicherer zuständige Aufsichtsbehörde in der Nacht auf Dienstag festgelegt hat, dass die Medicaid-Advantage-Zuschüsse bis 2027 unverändert bleiben sollen. Das erhöht angesichts steigender Behandlungskosten den Margendruck und zieht gemeinsam mit dem schwachen Ausblick von UnitedHealth die gesamte Branche mit nach unten.
Mitbewerber wie Molina Health, wo auch Michael Burry investiert ist, Cigna und Humana geben ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich nach. Aufgrund der hohen Index-Gewichtung zieht die UnitedHealth-Aktie den gesamten Dow Jones nach unten, der mit einem Minus von 0,5 Prozent ein klarer Underperformer im sonst festen Gesamtmarktumfeld ist.
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Fazit: Hier ist keine rasche Erholung zu erwarten
UnitedHealth schockiert den Markt am Dienstag mit einer schwachen Umsatzprognose für 2026, während die operativen Herausforderungen an einem um mehr als 99 Prozent eingebrochenen Nettogewinn ersichtlich werden. Angesichts der erneut gestiegenen Kostenquote zeichnet sich bei den Behandlungskosten noch keine Trendwende ab.
Auf Basis der unternehmenseigenen Gewinnprognose ergibt sich für einen vorbörslichen Kurs von 295 US-Dollar ein KGVe von 16,6 (auf bereinigter Basis). Das erscheint angesichts eines 5-Jahres-Mittels von 20,5 auf den ersten Blick günstig, allerdings bestehen aktuell hohe Ausführungsrisiken sowie die Aussicht auf eine Unterfinanzierung, da Washington im Angesicht der explodierenden Staatsschulden Einsparungen vornehmen muss. Von einem Kauf des Earnings-Crash sollte daher abgesehen werden.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross