Ursula von der Leyen spricht nach ihrer Wiederwahl als Komissionspräsidentin im Europaparlament. (19. Juli 2024)
Quelle: - ©European Parliament
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Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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EU-Trick enthüllt: So soll das Verbrenner-Aus heimlich vorgezogen werden

Ein neues Gesetzespaket der EU-Kommission könnte das Aus für den Verbrennungsmotor deutlich früher bringen als offiziell geplant und das ganz ohne offenes Verbot. Gewerbliche Fahrzeugflotten sollen mit Zwangsquoten zur E-Mobilität gedrängt werden, während private Käufer scheinbar verschont bleiben.
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Brüssels riskanter Plan: Elektrifizierung der Flotten statt pauschales Verbrennerverbot

Die Europäische Kommission stellt die bisherige Klimastrategie für den Verkehrssektor auf den Prüfstand. Im Zentrum steht ein neuer Deal, der das generelle Neuzulassungsverbot für Verbrennerfahrzeuge ab 2035 zwar aufweichen soll, dafür aber gewerbliche Fahrzeugflotten deutlich strikter reguliert. Ziel: Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen und damit Privatkunden entlasten.

Dieser Vorschlag, der unter dem Titel „Greening Corporate Fleet“ am 10. Dezember gemeinsam mit einer überarbeiteten CO₂-Flottenverordnung präsentiert werden soll, gilt als mögliche neue Richtung innerhalb des Green Deals. Die Stoßrichtung ist klar: Mehr E-Autos im Gewerbe, dafür ein längerer Atem für den klassischen Verbrenner im Privatsegment.

50 Prozent Elektroanteil bis 2027, bis 2030 sogar 90 Prozent

Konkret sieht der Entwurf vor, dass bis 2027 mindestens die Hälfte aller neu zugelassenen gewerblichen Fahrzeuge batterieelektrisch sein sollen. Bis 2030 soll diese Quote auf 90 Prozent steigen. In der Diskussion war zwischenzeitlich sogar eine vollständige Umstellung auf Elektrofahrzeuge in Unternehmensflotten. Gemeint sind sämtliche Fahrzeuge mit Unternehmenszulassung darunter Dienstwagen, Mietfahrzeuge, Leasingflotten und Testwagen.

Der Elektroanteil in diesem Segment liegt derzeit EU-weit bei gerade einmal 12,4 Prozent, was sogar niedriger ist als im Privatmarkt. Die Lücke zu den neuen Zielvorgaben ist gewaltig, entsprechend hoch fällt die Kritik aus der Branche aus.

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Industrie am Limit: Zwischen Margendruck und Investitionszwang

Insbesondere für die Automobilhersteller in Deutschland stellt der Plan einen doppelten Eingriff dar. Einerseits könnten sie wieder mehr Verbrenner im Privatsegment verkaufen. Andererseits erhöht die Flottenregelung den Druck, elektrische Modelle schneller und in größerer Stückzahl profitabel anbieten zu müssen. Ein ranghoher Vertreter eines deutschen Herstellers spricht offen von einem „tödlichen Szenario“, sollten die Quoten wie geplant umgesetzt werden.

Zudem trifft das Vorhaben die Branche in einer Phase rückläufiger Margen und einer schleppenden Nachfrage. Viele gewerbliche Kunden, darunter große Mietwagen- und Leasinggesellschaften wie Sixt, Hertz und Europcar, haben zuletzt reihenweise E-Modelle wegen hoher Reparaturkosten, sinkender Restwerte und mangelnder Nachfrage aus dem Portfolio gestrichen. 

Sixt-Vorstand Nico Gabriel warnt offen vor einem „de facto vorgezogenen Verbrennerverbot“. Aus seiner Sicht zwingt Brüssel den Markt indirekt zur Elektrifizierung, ohne die strukturellen Probleme zu lösen.

Von der Leyens Deal: Flotten als Hebel zur CO₂-Reduktion

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigt sich laut Verhandlungskreisen kompromissbereit, was die allgemeine Verbrenner-Frist ab 2035 betrifft, jedoch nur unter der Bedingung, dass die Vorgaben für gewerbliche Zulassungen erheblich verschärft werden. Denn Firmenwagen machen inzwischen rund 60 Prozent aller Neuzulassungen in Europa aus. Für Hersteller ist dieses Segment daher besonders wichtig, auch weil Dienstwagen meist hohe Laufleistungen haben und den Gebrauchtwagenmarkt prägen.

Nationale Umsetzung durch steuerliche Anreize?

Neben verbindlichen Quoten erwägt die Kommission offenbar auch eine nationale Umsetzung der Flottenziele. In Deutschland könnte das Dienstwagen-Privileg zum Hebel werden: Steuerliche Vorteile sollen künftig nur noch für vollelektrische Fahrzeuge gelten, Plug-in-Hybride und Verbrenner würden aus dem Fördersystem herausfallen. Damit würde ein massiver finanzieller Anreiz für den Umstieg geschaffen, allerdings ohne Rücksicht auf technologische Offenheit oder Wirtschaftlichkeit.

Leasingbranche unter Druck: E-Autos als Verlustgeschäft

Ein zentraler Kritikpunkt kommt aus der Leasingbranche. Laut dem Verband Leaseurope machen Anbieter beim Wiederverkauf vieler E-Autos Verluste. Besonders ausgeprägt sei dieser bei Tesla-Modellen und Premiumfahrzeugen.

Richard Knubben, Geschäftsführer von Leaseurope, warnt vor einem massiven Anstieg der Flottenkosten bei verbindlichen Quoten. Die Branche spricht bereits vom „Havanna-Effekt“: Fahrzeuge werden immer länger gefahren, um den Umstieg auf unwirtschaftliche E-Modelle zu vermeiden. In Deutschland erreichte das durchschnittliche Fahrzeugalter laut Kraftfahrt-Bundesamt Anfang 2025 mit 10,6 Jahren ein Rekordniveau.

Kritik an technologischem Dogmatismus

Deutliche Worte kommen auch aus den Vorstandsetagen der Autohersteller. BMW-Chef Oliver Zipse kritisiert, dass die Regulierung Unternehmen auf eine Technologie festlegt, obwohl die Abhängigkeit von Asien (insbesondere China) bei Batterien dramatisch sei. Laut einer Deloitte-Studie stammen 70 Prozent der globalen Zellproduktion aus China. Europa kommt auf magere 13 Prozent. Zipse plädiert daher für einen umfassenderen Ansatz, der nicht nur den Auspuffemissionen („tailpipe emissions“) Rechnung trägt, sondern den gesamten Lebenszyklus einbezieht.

Auch Mercedes-Chef Ola Källenius fordert eine Neubewertung der Klimabilanzen und kritisiert die fehlende Flexibilität der aktuellen Regulierung. Für Hersteller wie Volkswagen oder Renault, die im Volumensegment tätig sind und unterdurchschnittlich viele E-Autos verkaufen, würde die Flottenvorgabe zusätzlichen Druck erzeugen.

Flächendeckende Ladeinfrastruktur fehlt besonders abseits der Städte

Ein weiterer Schwachpunkt der Brüsseler Pläne bleibt die Ladeinfrastruktur. Trotz Fortschritten in den urbanen Zentren fehlen Schnellladepunkte weiterhin an Flughäfen, in Gewerbeparks und in ländlichen Regionen. Der Ausbau hinkt dem Bedarf deutlich hinterher. Auch die Stromkosten variieren stark innerhalb der EU, was eine einheitliche Umsetzung der Quoten zusätzlich erschwert.

Der Europaabgeordnete Markus Ferber (CSU) spricht daher von einem „Webfehler“ in der Konzeption: Statt die Probleme des ursprünglichen Verbrenner-Verbots zu lösen, werde mit der Flottenvorgabe eine neue, ebenso rigide Regel mit denselben Konsequenzen geschaffen.

Fazit: Mehr Belastung als Befreiung?

Die Initiative der EU-Kommission verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Klimaschutz im Verkehrssektor durch eine gezielte Elektrifizierung des gewerblichen Fahrzeugbestands. Doch die Umsetzung droht, neue strukturelle Probleme zu schaffen: sinkende Margen, wachsende Abhängigkeiten, fehlende Infrastruktur, hohe Umstellungskosten und eine Marktverzerrung zulasten der Nachfrage.

Zwar bietet die Lockerung des allgemeinen Verbrenner-Verbots theoretisch Luft für private Kunden, doch in der Praxis dürften die Auswirkungen des „Corporate Fleet“-Zwangs die gesamte Branche unter Druck setzen. Die Verhandlungen in Brüssel laufen. Der 10. Dezember wird zum Stresstest für Politik, Industrie und Klimaambition.


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