Sunrun-Aktie: Wahnwitzige KI-Idee – oder genialer Plan?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Rechenleistung ist das neue Gold und jeder möchte es schürfen. Jetzt hat Sunrun ein neues Projekt gestartet, seinen Teil vom Kuchen der KI-Infrastruktur abzubekommen. Die Amerikaner wollen nicht ein großes Rechenzentrum bauen, sondern eine große Rechenleistung aus vielen kleinen Compute-Nodes generieren. Klingt verrückt, könnte aber eine neue Erlösquelle werden.
Für dich zusammengefasst:
Sunrun plant, in den Markt für verteiltes Edge Computing einzusteigen.
Der Anbieter verfügt über mehr als 1,1 Millionen Kunden.
Die Aktie von Sunrun verlor am Mittwoch über 5 Prozent.
Sunrun möchte sich ein neues Geschäftsfeld erschließen. Der Solaranbieter plant auch zum KI-Infrastruktur-Player zu werden. Die Amerikaner haben dafür ein Pilotprogramm für verteilte KI-Rechenleistung gestartet und wollen damit in den Markt für verteiltes Edge Computing einsteigen.
Die Idee klingt zunächst ungewöhnlich: Viele kleine Rechenknoten in privaten Haushalten sollen gemeinsam eine größere Infrastruktur bilden. Installiert werden sollen die Compute-Nodes in Häusern, die bereits mit Solar- und Batteriespeichersystemen von Sunrun ausgestattet sind.
Der Start folgt auf einen Proof of Concept. Dieser habe laut Sunrun gezeigt, dass sich mit verteilter Rechenleistung Erlöse erzielen lassen und dass Nachfrage nach solchen Kapazitäten besteht.
Für Sunrun könnte daraus eine neue Einnahmequelle entstehen. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über eine Basis von mehr als 1,1 Millionen Kunden. Diese Haushalte könnten perspektivisch ein großes Ausrollnetzwerk bilden. Teilnehmende Hauseigentümer sollen für das Hosting der Compute-Nodes vergütet werden.
Sunrun will zudem den Verkauf von KI-Inferenzkapazität an Unternehmenskunden koordinieren. Genau hier liegt der spannende Punkt: Während große Rechenzentren enorme Mengen Strom, Fläche und Kühlung benötigen, könnte verteilte Infrastruktur näher am Nutzer arbeiten und vorhandene Energie- und Batteriesysteme nutzen.
Noch ist das Projekt aber ein Pilot. Sunrun erwartet, es in den kommenden Monaten abzuschließen. Erst danach soll über eine breitere Einführung entschieden werden.
Für Anleger ist die Story damit hochspannend, aber auch spekulativ. Gelingt der Ansatz, könnte Sunrun über Solarstrom und Batteriespeicher hinaus eine Rolle im KI-Infrastrukturmarkt spielen. Scheitert der Plan, bleibt es eine kreative Idee ohne großen Effekt auf das Geschäft.
Die Frage für die Aktie lautet deshalb: Ist das nur ein wahnwitziger KI-Dreh – oder der erste Schritt zu vielen kleinen Rechenzentren, die zusammen ein großes ergeben?
Was die Anleger zunächst von dem Plan halten, zeigt die Kursentwicklung von Mittwoch. In einem schwachen Markt verliert die Aktie von Sunrun mehr als 5 Prozent an Wert. Die neuen Plänen sind daher nur für die mutigsten Anleger am Markt geeignet.
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