
Kann ein 70 Jahre altes Traditionsunternehmen aus Japan beim KI-Boom mithalten? Hamamatsu Photonics hält nicht nur mit, sondern geht voran – doch ist die Aktie jetzt noch ein Kauf?
Wer im KI-Boom nur im Mainstream nach den Gewinnern sucht, landet meist bei Aktien wie Nvidia, Alphabet, TSMC oder ASML. Doch hinter den Kulissen dieser Branchengrößen stecken zahlreiche teils völlig unbekannte Hidden Champions aus der zweiten Reihe. Ein japanisches Traditionsunternehmen, das an der Börse bislang kaum auf dem Radar ist – obwohl es in zahlreichen Zukunftstechnologien ganz vorne dabei ist - nennt sich Hamamatsu Photonics.
Es ist Weltmarktführer für hochsensible Lichtsensoren und macht damit im wörtlichen Sinn das Unsichtbare sichtbar: in der Medizintechnik beim CET oder MRT, der Wirkstoffforschung, künftigen Quantencomputern, LiDAR-Sensoren für das autonome Fahren und sogar in der Kernfusionsforschung.
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein 70 Jahre altes Familienunternehmen aus der japanischen Provinz an genau den Zukunftstechnologien mitwirkt, über die heute alle sprechen? Bei Hamamatsu ist es Realität.
Gegründet 1953 von Heihachiro Horiuchi, einem Schüler des als "Vater des japanischen Fernsehens" bekannten Kenjiro Takayanagi, hat sich Hamamatsu über Jahrzehnte in zahllosen Hightech-Nischen praktisch unangreifbar positioniert.
Das Unternehmen ist in vier Geschäftsbereichen aktiv: Elektronenröhren – allen voran Photomultiplier-Röhren – sind das traditionsreichste und profitabelste Segment mit einer operativen Marge von rund 28%. Hinzu kommen Opto-Halbleiter, Bildgebungs- und Messinstrumente (Marge von rund 30%) sowie das Lasergeschäft.
Wissenschaftler tauschen eine PMT (Photomultiplier Tube), Quelle: Kamioka Observatory, ICRR (Institute for Cosmic Ray Research),The University of Tokyo
Zur Einordnung der technologischen Bedeutung: Sensoren von Hamamatsu kamen im mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichneten Super-Kamiokande-Neutrinodetektor zum Einsatz (siehe Foto) – ein Beleg für die Präzision, die in diesen Bauteilen steckt. Diese Position ruht auf jahrzehntelangen Kundenbeziehungen, einem Portfolio von über 15.000 hochspezialisierten Produkten und einer konservativen, schuldenfreien Bilanzstruktur, die das Unternehmen unabhängig von Konjunkturzyklen handlungsfähig hält.
Operativ war die Reise zuletzt jedoch kein Selbstläufer. Nach den Sondereffekten der Pandemie bauten Kunden ihre Lager ab, die Bio-/Pharma-Analytik schwächelte, und die Übernahme des dänischen Laserspezialisten NKT Photonics brachte hohe Integrations- und Abschreibungskosten mit sich. Das zeigte sich noch im jüngsten Quartalsbericht - zumindest wenn man auf die zurückliegende Entwicklung schaut. Auf den ersten Blick zeichnete sich lediglich ein Bodenbildung bei den operativen Kennzahlen ab. Entscheidend ist jedoch der Blick nach vorne. Gleichzeitig mit den Quartalszahlen hob Hamamatsu seine Jahresprognose kräftig an, das ordentliche Ergebnis soll nun um über 16% steigen statt der zuvor erwarteten Stagnation. Die Aktie reagierte am folgenden Handelstag mit einem Tagesanstieg von gut 23% und markierte ein neues Jahreshoch – ein deutliches Signal, dass Anleger den Wendepunkt nach Jahren der Ergebnisschwäche als eingeleitet betrachten.
Treiber dieser Erholung ist vor allem die ungebrochene Nachfrage nach Halbleiter-Inspektionstechnik im Sog der KI-Aufrüstung, ergänzt durch eine Stabilisierung im Medizin-/Biogeschäft und – mit etwas Zeitverzug – die geplante Sanierung des Lasersegments, für die NKT Photonics bis zum Geschäftsjahr 2027 die Gewinnschwelle erreichen soll. Sollte das gelingen, fällt ein struktureller Ergebnisbremser weg, der zuletzt einen zweistelligen Millionenbetrag pro Quartal gekostet hat.
Hinzu kommt eine spürbar disziplinierte Kapitalallokation: Der operative Cashflow deckte im ersten Halbjahr nicht nur Dividenden und Investitionen, sondern auch ein Aktienrückkaufvolumen von 13 Mrd. Yen ab – die Gesamtausschüttung an die Aktionäre erreichte damit über 200% des Nettogewinns.
Was bei vielen Unternehmen ein Warnsignal wäre, ist bei Hamamatsu zeichen eines Befreiungsschlags vom historisch viel zu konservativ geführten Cashbestand der Firma. Mittlerweile hält Hamamatsu eigene Aktien im Umfang von rund 8,8% des Grundkapitals. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck der von der Tokioter Börse vorangetriebenen Corporate-Governance-Reform, die japanische Unternehmen seit Jahren zu effizienterer Kapitalnutzung drängt – ein struktureller Rückenwind, von dem mehrere konservative japanische Qualitätsunternehmen profitieren.

Historische Entwicklung des Unternehmenswerts (blaue Balken) und Bewertung der Aktie über die letzten 20 Jahre, Quelle: ACATIS Investment, eigene Berechnung
Genau solche Unternehmen – substanzstark, unterschätzt und mit intaktem Geschäftsmodell – stehen im Mittelpunkt unseres ACATIS Small Diamonds. Der Fonds ist bei Hamamatsu bereits Ende 2024 als unterbewertete Weiter-so-Aktie eingestiegen. Seither hat sich die Bewertung merklich normalisiert (siehe Chart), die operative Substanz ist jedoch unverändert stark.
Hamamatsu bleibt ein erstklassiges Technologieunternehmen, unverzichtbarer Baustein für unsere heutige Welt – und stiller Schaufelanbieter für die Technologien von morgen.
Über den Autor: David Houdek ist seit 20 Jahren Value-Investor aus Leidenschaft und bei ACATIS Investment der Fondsmanager des ACATIS Small Diamonds. Selbst mit einem Großteil seines Vermögens im Fonds investiert, sucht er in den Weiten des Aktienuniversums nach unbekannten Weiter-so-Aktien - unterbewerteten Qualitätsunternehmen abseits des Mainstreams die noch für viele Jahre ihre erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortsetzen können.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Veranschaulichung unseres Investmentprozesses und stellt keine Anlageberatung dar. ACATIS kann in dem besprochenen Unternehmen investiert sein – es kann daher ein Interessenkonflikt bestehen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernommen.