ESSEN (dpa-AFX) - Der Spezialchemiekonzern Evonik weitet den Konzernumbau mit einem weiteren Stellenabbau noch einmal aus. "Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach", sagte Vorstandschef Christian Kullmann am Donnerstag laut Mitteilung. Zugleich werde der internationale Wettbewerb immer härter.
Für dich zusammengefasst:
Evonik plant den Abbau von 3.200 Stellen bis 2029.
2.150 der Stellen entfallen auf Deutschland.
Das Polyester-Geschäft wird eingestellt und Witten geschlossen.
Die Aktie weitete die Kursverluste aus. Zuletzt fiel das Papier um rund drei Prozent. Seit Jahresanfang steht zwar noch ein Kursplus von knapp 15 Prozent, aber der Anteilsschein hat innerhalb eines Jahres fast 17 Prozent an Wert verloren.
Vorstand und Sozialpartner hätten sich auf Maßnahmen verständigt, die sämtliche Geschäfts- und Verwaltungseinheiten weltweit einbeziehen würden, teilte der MDax-Konzern in Essen mit. Dazu zählt auch ein weiterer Stellenabbau. Von 2027 bis Ende 2029 sollen insgesamt 3.200 Stellen wegfallen, davon 2.150 in Deutschland.
Evonik sieht dafür erhebliches Potenzial durch gesteigerte Effizienz, Digitalisierung und Outsourcing. Zudem sollen Optionen für eine Verlagerung von Verwaltungsteilen ins Ausland geprüft werden. Bis Ende 2026 sollen bereits durch laufende Spar- und Effizienzprogramme rund 2.800 Stellen wegfallen.
"Der Stellenabbau wird auch künftig sozialverträglich gestaltet", sagte Personalvorstand Thomas Wessel. Die Details dazu sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Per Ende März 2026 beschäftigte Evonik mit 30.643 Mitarbeiter mehr als 900 weniger als ein Jahr zuvor.
Zudem kündigte der Chemiekonzern an, das Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro einzustellen. Das Geschäftsfeld sei seit Jahren nicht mehr profitabel, hieß es. Der Standort Witten mit 266 Beschäftigten werde 2027 geschlossen. Am Standort Marl sollen 45 Stellen wegfallen, in der Produktionsanlage im chinesischen Shanghai 35 Stellen.
Evonik-Chef Kullmann baut den Konzern schon seit Jahren um, um ihn robuster aufzustellen und um in zukunftsträchtigere Geschäftsfelder zu expandieren. Von Massengeschäften verabschieden sich die Essener, weitere Verkäufe stehen noch an. So strebt Evonik die Trennung vom Geschäft mit Standardchemikalien der Sparte Performance Materials an, zu der neben dem bereits verkauften Superabsorber-Bereich auch der C4-Verbund rund um petrochemische Zusätze für Kautschuk, Kunststoffe und Spezialchemikalien zählt.
Um die Komplexität zu reduzieren und die Hierarchien flacher zu gestalten, bündelte Evonik die Chemiegeschäfte in die zwei Sparten Custom Solutions und Advanced Technologies. Der Umbau wirkte sich auch auf den Vorstand aus - und auf das Management. Die beiden tragenden Säulen von Evonik übernahmen im Vorstand vor gut einem Jahr die Amerikanerin Lauren Kjeldsen und die Französin Claudine Mollenkopf.
Das Segment Custom Solutions stellt etwa Produkte für die Kosmetik- und Pharmaindustrie her. Der Bereich soll auch in Nischenmärkten aktiv sein und dort Lösungen für Kunden entwickeln. Im Segment Advanced Technologies werden unter anderem Hochleistungskunststoffe und Wasserstoffperoxid sowie Ergänzungsmittel für die Tier-Nahrung produziert./mne/err/jha/
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