AT&T holt Marktanteile – wird es für die Telekom-Tochter T-Mobile US jetzt gefährlich?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
AT&T gewinnt deutlich mehr Mobilfunkkunden als erwartet und holt offenbar Marktanteile. Vor den heutigen Zahlen von T-Mobile US wächst damit der Druck auf die Telekom-Tochter.
Für dich zusammengefasst:
AT&T gewann im zweiten Quartal 432.000 neue Mobilfunkkunden.
Der bereinigte Gewinn stieg auf 65 Cent je Aktie.
T-Mobile US steht unter Druck durch AT&T's Kundengewinnung.
AT&T hat im zweiten Quartal deutlich mehr Mobilfunkkunden gewonnen als erwartet. Die Aktie legte daraufhin in der Spitze um vier Prozent zu. Für die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US liefern die Zahlen einen ersten Hinweis auf den Zustand des amerikanischen Mobilfunkmarktes. Der Konkurrent veröffentlicht seine Ergebnisse am heutigen Donnerstag vor dem Start der US-Börsen.
AT&T gewann von April bis Juni netto 432.000 Mobilfunkkunden mit Laufzeitvertrag. Analysten hatten laut FactSet lediglich 338.500 neue Kunden erwartet. Günstigere Unlimited-Tarife und die Bündelung von Mobilfunk und Internet kamen bei preisbewussten Verbrauchern gut an.
Auch das Breitbandgeschäft entwickelte sich stark. AT&T gewann 367.000 neue Glasfaserkunden und 279.000 Nutzer für drahtlose Festnetzanschlüsse. Im März hatte der Konzern mit OneConnect ein gemeinsames Abonnement für unbegrenzten Mobilfunk und Internet zu Hause eingeführt.
Die Strategie soll Kunden enger an das Unternehmen binden. Bereits 42,5 Prozent der Haushalte mit modernen AT&T-Internetanschlüssen nutzen auch einen Mobilfunktarif des Konzerns. Konzernchef John Stankey erklärte, gezielte Rabattaktionen und Maßnahmen zur Kundenbindung hätten die Nachfrage nach den Paketen gestützt.
"Das Cross-Selling, auf das sie hingearbeitet haben, schlägt sich jetzt tatsächlich in den Zahlen nieder", sagte David Wagner von Aptus Capital Advisors. Nach seiner Einschätzung gewinnt AT&T Marktanteile.
Der bereinigte Gewinn stieg von 54 auf 65 Cent je Aktie und übertraf die FactSet-Prognose von 59 Cent. Der freie Cashflow lag mit 4,7 Milliarden US-Dollar ebenfalls über den Erwartungen. Beim Umsatz blieb AT&T dagegen knapp hinter den Schätzungen. Die Erlöse stiegen von 30,85 auf 31,56 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten laut LSEG mit 31,80 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Für 2026 erwartet AT&T weiterhin einen bereinigten Gewinn von 2,25 bis 2,35 US-Dollar je Aktie.
Für T-Mobile US sind die Zahlen weder ein eindeutig gutes noch ein eindeutig schlechtes Omen. Die starke Kundengewinnung zeigt, dass die Nachfrage im amerikanischen Mobilfunkmarkt robust bleibt. Gleichzeitig beweist AT&T, dass die Konkurrenz mit günstigeren Tarifen und Bündelangeboten Marktanteile zurückholen kann.
Damit steigt der Druck auf T-Mobile US. Die Telekom-Tochter muss heute zeigen, ob sie ihr eigenes Kundenwachstum trotz der offensiveren Konkurrenz verteidigen konnte.
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