Die Quanten-Wette wird heißer: Rigetti macht Fortschritte, aber zu welchem Preis?
Rigetti steigert den Umsatz deutlich, treibt seine Quanten-Roadmap voran und setzt auf den großen Durchbruch. Die Aktie zeigt sich von ihrer volatilen Seite. Das macht die Story spannend.
Rigetti Computing hat im jüngsten Quartal deutlich mehr umgesetzt als erwartet. Der Spezialist für Quantencomputer verdreifachte seinen Umsatz im Jahresvergleich auf 4,4 Millionen US-Dollar. Analysten hatten laut FactSet mit 4,09 Millionen US-Dollar gerechnet. Der bereinigte Verlust lag bei vier Cent je Aktie und entsprach den Erwartungen.
An der Börse überzeugte das nicht. Die Rigetti-Aktie verlor am Dienstag sieben Prozent und steht nun bei etwa 19 US-Dollar. Auch IonQ und D-Wave Quantum gaben nach. Der Rücksetzer traf auf einen schwachen Technologiemarkt.
Operativ meldete Rigetti Fortschritte
Das Unternehmen verwies auf den Start seines Cepheus-1-108Q-Systems. Die Plattform ist über Amazon (Amazon Aktie) Braket, Microsoft Azure Quantum und Rigettis eigenen Cloud-Dienst verfügbar. Der Start im April beendete eine Phase der Unsicherheit, nachdem Rigetti den Zeitplan im Januar verschoben hatte.
Vorstandschef Subodh Kulkarni betonte, dass Rigetti nicht auf spektakuläre Kennzahlen allein setzt. "Unser Fokus liegt weiterhin darauf, einen echten, kommerziell bedeutenden Quantenvorteil zu erreichen, nicht auf Schlagzeilen machende Meilensteine", sagte er in der jüngsten Bilanzpressekonferenz.
Noch in diesem Jahr will Rigetti die mittlere Zwei-Qubit-Gate-Fidelity auf 99,5 Prozent steigern. Diese Kennzahl misst die Zuverlässigkeit von Quantenoperationen. Für die Branche ist das entscheidend. Quantencomputer sollen langfristig Probleme lösen, an denen klassische Rechner scheitern. Chancen sehen Forscher vor allem in der Cybersicherheit, der Pharmaforschung und der Materialwissenschaft.
Wirtschaftliche Durchbruch steht noch aus
Nach Angaben von Deloitte haben sich die Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente in den vergangenen zehn Jahren ungefähr verdoppelt. Ein praxistauglicher Quantencomputer könnte hier enorme Effizienzgewinne bringen. Bis dahin bleibt die Branche jedoch kapitalintensiv.
IonQ, D-Wave Quantum, Rigetti und Xanadu Quantum Technologies verbrannten in ihren letzten Geschäftsjahren zusammen rund 500 Millionen US-Dollar an Betriebsmitteln. Zugleich stammt ein großer Teil der Erlöse weiterhin aus dem öffentlichen Sektor. Im Jahr 2025 entfielen bei Rigetti mehr als 90 Prozent des Umsatzes auf Regierungsaufträge.
Das macht die Bewertung schwierig. Nach Angaben von Cohen & Company Capital Markets sammelten Start-ups wie Rigetti und IonQ in den vergangenen fünf Jahren 7,2 Milliarden US-Dollar über Börsengänge mit Mantelgesellschaften und anschließende Finanzierungen ein. Doch diese Konstruktionen bergen Risiken. Arthur J. Gallagher beziffert die Rückgabequoten von Investoren bei solchen Transaktionen häufig auf bis zu 95 Prozent.
Rigetti selbst bleibt weiter offensiv. Das Unternehmen plant 100 Millionen US-Dollar im Vereinigten Königreich zu investieren. Dort soll in den kommenden drei bis vier Jahren ein System mit mehr als 1.000 physikalischen Qubits entstehen. Das wäre mehr als neunmal so groß wie das aktuelle Cepheus-System.
Die Branche bleibt damit eine Wette auf die Zukunft. Die Technik macht Fortschritte. Doch wann daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht, ist offen. Unser Aktienexperte Markus Weingran hat die Branche noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Wenn Sie seine Top 5 Quanten-Aktien wissen möchten. Dann schauen Sie doch mal rein in die neue Folge der wO Börsenlounge.
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