BYD, Xioami & Co. – Zuhause brechen die Verkäufe ein, im Ausland wächst der Druck
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Chinas Autobauer drängen mit Macht nach Europa, Südostasien und Brasilien. Doch im Heimatmarkt läuft es plötzlich gar nicht mehr rund. Für Anleger wird das zum Warnsignal.
Für dich zusammengefasst:
Chinas Autoverkäufe fielen im Juli um 20 Prozent.
Exporte stiegen im gleichen Zeitraum um 88 Prozent.
Chinas Autohersteller expandieren weiter aggressiv ins Ausland – doch ausgerechnet im Heimatmarkt verliert die Branche an Schwung. Während BYD, Geely und Chery in Europa, Südostasien und Großbritannien Marktanteile gewinnen, sind die Verkäufe in China selbst zuletzt deutlich gefallen. Das zeigt: Die Auslandsoffensive ist längst nicht mehr nur Ausdruck von Stärke, sondern immer mehr auch eine Reaktion auf Probleme im Inland.
Zehn Rückgänge in Folge
Im Juli sanken die Autoverkäufe in China laut Daten der China Passenger Car Association im Jahresvergleich um rund 20 Prozent auf 1,47 Millionen Fahrzeuge. Es war bereits der zehnte Rückgang in Folge. Gleichzeitig schossen die Exporte um 88 Prozent auf 923.000 Fahrzeuge nach oben.
Bill Russo, Chef der in Shanghai ansässigen Beratung Automobility, bringt die Lage gegenüber Reuters auf den Punkt: Chinesische Hersteller verfügten über "überschüssige Fertigungskapazitäten, hoch wettbewerbsfähige Lieferketten, zunehmend ausgereifte Produkte und einen starken wirtschaftlichen Anreiz, Wachstum außerhalb Chinas zu finden". Für führende Hersteller werde die Globalisierung damit "zu einer strategischen Notwendigkeit".
Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf das erste Halbjahr: Im Inland gingen die Verkäufe um 2,3 Millionen Fahrzeuge zurück – ein Minus von 20 Prozent. Das entspricht laut Reuters in etwa der Zahl aller neu zugelassenen Pkw in Japan im selben Zeitraum. Parallel dazu legten Chinas Autoexporte um 71 Prozent zu.
HSBC-Analystin Yuqian Ding erwartet zwar ab Ende August oder im September eine gewisse Stabilisierung, wenn neue Modelle auf den Markt kommen. Eine V-förmige Erholung hält sie aber für unwahrscheinlich.
Europa wird zum Schlachtfeld
Für Europa und Japan wird der Druck damit größer. Counterpoint Research zufolge hielten japanische Hersteller im ersten Quartal 2026 rund 12 Prozent des europäischen Pkw-Marktes – kaum mehr als vor vier Jahren. Chinesische Hersteller steigerten ihren Anteil im selben Zeitraum dagegen von 3 auf 16 Prozent.
Bei Elektroautos ist der Vorsprung noch deutlicher: Chinesische Marken kommen in Europa inzwischen auf fast ein Viertel der EV-Auslieferungen, japanische Hersteller auf weniger als 5 Prozent. "Die eigentliche Trennlinie verläuft bei EVs", sagte Counterpoint-Analyst Abhilash Gupta gegenüber Reuters. "Das ist eine Elektrifizierungslücke, nicht nur eine Preisgeschichte."
Fabriken statt nur Exporte
Hinzu kommt: Chinesische Hersteller verlassen sich nicht mehr nur auf Exporte, sondern bauen zunehmend Fabriken in Europa. Laut Counterpoint könnten chinesische Marken bis 2030 mehr als 20 Prozent des europäischen Gesamtmarkts und 29 Prozent des EV-Markts erreichen. Gupta sagt dazu: "Zölle können diese Kurve abflachen, aber sie werden sie nicht umkehren."
Trotzdem ist wieder Vorsicht angebracht
Nach einer starken Phase der chinesischen Autobauer trübt sich die Stimmung wieder ein. Die Schwäche im Heimatmarkt zeigt, dass der Boom Risse bekommt. BYD kann das im Ausland zwar teilweise ausgleichen, doch auch an der Börse wächst die Vorsicht: Die Aktie ist erneut unter die Marke von 10 Euro gerutscht. Anleger sollten sich dem Abwärtstrend derzeit nicht entgegenstellen.
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