Der Technologiesektor hat im Mai einen Kursanstieg von über 10 % verzeichnet und könnte im Juni vor einer ähnlich starken Rallye stehen. Historische Daten zeigen, dass solche Doppelmonate selten sind, jedoch in bestimmten Marktphasen gehäuft auftreten und von Anlegern strategisch genutzt werden können.
Eine Auswertung von Seeking Alpha auf Basis monatlicher S&P‑500‑Daten seit 1928 untersucht die Wahrscheinlichkeit aufeinanderfolgender Monate mit Kursgewinnen von jeweils mindestens 10 %. Die Analyse vergleicht Phasen mit positiven Monatsrenditen, mit sogenannten „Crash-Monaten“ (Rückgänge von mindestens 20 %) und mit zyklischen Bärenmärkten, um die Rahmenbedingungen derartiger Kursmuster besser zu verstehen.
Historische Häufigkeit doppelter 10-%-Monate
In der gesamten Historie des S&P 500 seit 1928 gab es 23 Monate, in denen die Benchmark mindestens 10 % zugelegt hat und dieser Entwicklung direkt im Folgemonat ein weiterer Anstieg von mindestens 10 % folgte. Diese 23 Doppelmonate sind historisch konzentrierte Ereignisse, die nicht gleichmäßig über die Jahrzehnte verteilt auftreten. Sie markieren vielmehr bestimmte Marktphasen mit ausgeprägter Trenddynamik, typischerweise rund um Wendepunkte nach starken Korrekturen.
Die Analyse zeigt, dass derartige Doppelgewinne deutlich häufiger in der unmittelbaren Folge von Crash-Monaten und während zyklischer Bärenmärkte auftreten. In „normalen“ Haussephasen sind sie wesentlich seltener. Dies deutet darauf hin, dass eine Kombination aus extremer Abwärtsvolatilität und anschließender Markterholung ein zentrales Muster für aufeinanderfolgende zweistellige Monatszuwächse bildet.
Rolle von Crash-Monaten und Bärenmärkten
Die Untersuchung separiert Crash-Monate – definiert als Rückgänge von mindestens 20 % in einem einzigen Monat – und betrachtet anschließend die Performance in den Folgemonaten. Dort zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit eines 10-%-Plus-Monats nach einem Crash erhöht ist. Kommt es im Anschluss an einen solchen Rebound zu einem weiteren Monat mit über 10 % Plus, handelt es sich häufig um den Beginn oder die Bestätigung eines neuen Aufwärtstrends.
Ähnlich verhält es sich in zyklischen Bärenmärkten. In diesen Phasen sind die Kursschwankungen zwar hoch, aber einzelne starke Aufwärtsmonate können als technische Gegenbewegung oder als Vorboten einer Trendwende interpretiert werden. Doppelmonate mit zweistelligen Zuwächsen sind hier häufiger anzutreffen als in reifen Bullenmärkten mit niedrigerer Volatilität.
Implikationen für den Technologiesektor
Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Stärke des Technologiesektors von besonderem Interesse. Dass Tech im Mai einen Anstieg von mehr als 10 % verzeichnet hat, platziert den Sektor in einem Umfeld, in dem ein zweiter zweistelliger Gewinnmonat zwar historisch selten, aber keineswegs beispiellos wäre. Entscheidend ist das übergeordnete Marktregime: In Phasen mit erhöhten Schwankungen und vorangegangenen Korrekturen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Momentum-Strategien kurzfristig weiter profitieren.
Die historische Statistik legt nahe, dass Anleger bei einem bereits absolvierten 10-%-Plus-Monat nicht automatisch von einer Mean-Reversion im Folgemonat ausgehen sollten. Vielmehr zeigt das Datenmaterial, dass bei ausgeprägtem Momentum und passenden Rahmenbedingungen ein weiterer, starker Monat möglich ist. Dies gilt insbesondere für wachstumsstarke Segmente wie Technologie, in denen sich positive Nachrichten und Investorenstimmung schnell in Kursbewegungen niederschlagen.
Fazit: Handlungsspielräume für konservative Anleger
Die Auswertung von Seeking Alpha zeigt, dass doppelte 10-%-Monate historisch seltene, aber wiederkehrende Muster darstellen, die vor allem in Phasen erhöhter Volatilität und nach starken Einbrüchen auftreten. Für konservative Anleger bedeutet dies, dass sie eine bereits laufende Rallye nicht automatisch als Übertreibung abtun, sondern als Teil eines statistisch nachvollziehbaren Aufholprozesses einordnen sollten.
Konservative Investoren könnten auf diese Konstellation mit einem disziplinierten, schrittweisen Vorgehen reagieren. Eine Möglichkeit wäre, bestehende Tech-Positionen zu halten, Gewinne konsequent über gestaffelte Stop-Loss- oder Take-Profit-Marken zu sichern und auf zusätzliche Hebelung zu verzichten. Neuengagements könnten über gestaffelte Tranchen erfolgen, um das Risiko eines kurzfristigen Rückschlags nach zwei sehr starken Monaten zu begrenzen. Damit lässt sich die Chance auf eine Fortsetzung des Momentums nutzen, ohne die übergeordnete Risikosteuerung aus dem Blick zu verlieren.