Steigende Kerosinpreise: Fliegt Lufthansa den US-Airlines davon?
Steigende Ölpreise setzen die globale Luftfahrtbranche unter Druck. Während US-Airlines weitgehend auf Treibstoffabsicherung verzichten, setzen europäische Konzerne wie Lufthansa weiterhin auf Hedging. Das könnte sich im aktuellen Ölpreisschock als strategischer Vorteil erweisen.
Die rapide steigenden Energiepreise entwickeln sich erneut zum Belastungstest für die Luftfahrtbranche. Nach den jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sind die Preise für Flugzeugtreibstoff binnen einer Woche um rund 15 Prozent gestiegen. Für viele Airlines könnte das teuer werden – insbesondere für US-Gesellschaften, die ihre Treibstoffkosten kaum noch absichern.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die meisten US-Fluggesellschaften ihre Hedging-Programme schrittweise eingestellt. Selbst die einst stark auf Absicherungsgeschäfte setzende Southwest Airlines (Southwest Airlines Aktie) beendete diese Strategie im Jahr 2025. Das Management begründete den Schritt damit, dass Hedging langfristig teuer und unzuverlässig sei.
Ganz anders die Strategie vieler internationaler Airlines. Unternehmen wie Lufthansa oder Cathay Pacific sichern einen Teil ihres Treibstoffbedarfs weiterhin über Finanzinstrumente ab. Ziel ist es, extreme Preisschwankungen zu dämpfen. In ihrem Geschäftsbericht 2025 erklärte Lufthansa, man akzeptiere bewusst nur einen teilweisen Schutz gegen steigende Preise, um bei fallenden Preisen möglichst stark profitieren zu können.
Der Unterschied könnte nun entscheidend werden. Treibstoff ist nach den Personalkosten der zweitgrößte Kostenblock im Airlinegeschäft und macht typischerweise zwischen 20 und 25 Prozent der Betriebsausgaben aus. Wenn die Preise stark steigen, trifft das Fluggesellschaften ohne Absicherung besonders hart.
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Aktuell liegen die durchschnittlichen Preise für Kerosin laut Brancheninformationen bei etwa 2,83 US-Dollar pro Gallone. Der Spotpreis an der US-Golfküste sprang zuletzt sogar auf 4,12 US-Dollar je Gallone – den höchsten Stand seit Mitte 2022.
Schon kleine Preisbewegungen haben enorme Auswirkungen auf die Kostenstruktur. American Airlines etwa bezifferte in ihrem Jahresbericht, dass ein Anstieg des Kerosinpreises um nur einen Cent pro Gallone die jährlichen Treibstoffkosten um rund 40 US-Millionen Dollar (Dollarkurs) erhöht. Bei Delta Air Lines liegt der Effekt bei etwa 50 Millionen US-Dollar, während Southwest Airlines mit rund 22 Millionen US-Dollar rechnet.
Entsprechend könnten die steigenden Energiepreise die Gewinne der Branche erheblich belasten. Analysten von TD Cowen schätzen beispielsweise, dass die Gewinnprognose von United Airlines für das Märzquartal deutlich unter Druck geraten könnte. Bei den aktuellen Treibstoffpreisen erwarten sie einen Gewinn je Aktie von nur fünf bis 22 US-Cent – weit unter der früheren Prognose des Unternehmens.
Insgesamt könnten den vier größten US-Fluggesellschaften zusätzliche Treibstoffkosten von rund 5,8 Milliarden US-Dollar entstehen, wenn die Preise das ganze Jahr über auf dem aktuellen Niveau bleiben, wie Berechnungen von Reuters zeigen.
Einige Airlines versuchen, die höheren Kosten an die Passagiere weiterzugeben. Besonders Anbieter mit starkem Premium- und Geschäftsreisegeschäft könnten ihre Ticketpreise leichter erhöhen. Doch für Gesellschaften mit starkem Fokus auf preisbewusste Freizeitreisende wird das schwieriger.
Dazu gehören unter anderem JetBlue Airways und Alaska Air Group, die stark im hart umkämpften US-Inlandsmarkt aktiv sind. Auch American Airlines ist in vielen Streckennetzen stark von preissensiblen Kunden abhängig.
Ein Sonderfall ist dagegen Delta. Der Konzern besitzt mit der Trainer-Raffinerie in Pennsylvania eine eigene Anlage mit einer Kapazität von rund 190.000 Barrel pro Tag. Damit deckt Delta einen Großteil seines Treibstoffbedarfs selbst ab und spart zumindest die Raffineriemarge ein, die sonst an externe Anbieter gezahlt werden müsste. Gegen steigende Rohölpreise schützt allerdings auch diese Strategie nicht vollständig.
Vor diesem Hintergrund rückt die unterschiedliche Strategie zwischen amerikanischen und europäischen Fluggesellschaften stärker in den Fokus. Während US-Airlines stärker auf Marktpreise setzen, verfügen europäische Anbieter durch Hedging zumindest über einen gewissen Schutz gegen extreme Preissprünge.
Sollte der Ölpreis über längere Zeit hoch bleiben, könnte genau dieser Unterschied zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden und dazu führen, dass europäische Airlines im aktuellen Umfeld profitabler fliegen als ihre amerikanischen Rivalen.
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