Silber präsentiert sich derzeit erneut extrem volatil. Nach dem Sprung über die Marke von 100 US Dollar je Unze und dem anschließenden Rücksetzer unter 80 US Dollar wirkt der Markt spürbar nervös. Auffällig ist, dass die jüngste Abschwächung mit dem chinesischen Neujahrsfest zusammenfällt. Während in Asien viele Händler und Investoren traditionell pausieren, nimmt die Liquidität ab. In einem ohnehin angespannten Marktumfeld können bereits kleinere Orders überproportionale Kursbewegungen auslösen.
China zählt zu den zentralen Akteuren im globalen Silbermarkt, sowohl als industrieller Großverbraucher als auch als bedeutender Investor. Fällt dieser Nachfrageblock temporär aus, fehlt kurzfristig ein stabilisierender Impuls. Entscheidend ist jedoch weniger diese saisonale Handelspause. Solche Effekte sind in der Regel vorübergehend. Weitaus relevanter bleibt der Blick auf die Fundamentaldaten, die den Preisanstieg der vergangenen Monate getragen haben. Solange strukturelle Angebotsdefizite, kräftige Investmentzuflüsse und geopolitische Spannungen das Umfeld bestimmen, bleibt das übergeordnete Bild intakt. Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob Silber kurzfristig schwankt, sondern ob die fundamentalen Kräfte stark genug sind, um nach jeder Korrektur neuen Aufwärtsdruck zu entfalten. Steht der Markt lediglich vor einer Verschnaufpause oder formiert sich bereits die nächste Bewegung?
Abseits der täglichen Kursschwankungen zählt die nüchterne Angebots und Nachfragebilanz. Der Ausblick des Silver Institute und von Metals Focus für 2026 zeigt eine stabile Gesamtnachfrage, aber deutliche Verschiebungen innerhalb der Segmente. Die physische Investmentnachfrage soll um 20 Prozent auf 227 Millionen Unzen steigen und damit ein Drei Jahres Hoch erreichen. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Schmuck um 9 Prozent und nach Silberwaren um 17 Prozent. Die industrielle Nachfrage, etwa aus Solar und Elektronik, bleibt konstant. Unterm Strich heißt das: Mehr Kapital fließt in Barren und Münzen, während klassische Konsumbereiche schwächeln. Die Frage ist, ob dahinter vor allem Absicherungsbedarf in unsicheren Zeiten steht oder eine strategische Neubewertung des Metalls.
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Auch auf der Angebotsseite kommt Bewegung in den Markt. Die weltweite Silberversorgung soll 2026 um 1,5 Prozent auf 1,05 Milliarden Unzen steigen und damit den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt erreichen. Die Minenproduktion legt voraussichtlich um 1 Prozent auf 820 Millionen Unzen zu. Das Recycling wächst sogar um 7 Prozent und überschreitet mit mehr als 200 Millionen Unzen erstmals seit 2012 wieder diese Marke. Höhere Preise sorgen also dafür, dass mehr Altmetall zurück in den Kreislauf gelangt.
Doch trotz dieser Ausweitung bleibt ein strukturelles Ungleichgewicht bestehen. Für 2026 wird ein Marktdefizit von 67 Millionen Unzen erwartet. Es wäre das sechste Jahr in Folge, in dem mehr Silber verbraucht als neu produziert wird. Ein über Jahre anhaltendes Defizit deutet auf eine anhaltende Enge im Markt hin. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie lange kann dieses Missverhältnis bestehen, bevor es sich deutlicher und nachhaltiger im Preis niederschlägt?
Laut J.P. Morgan Global Research dürfte der Silberpreis im Jahr 2026 durchschnittlich 81 US Dollar je Unze erreichen und sich damit mehr als verdoppeln gegenüber dem Durchschnitt von 2025. Laut den Analysten folgte dieser Prognose ein außergewöhnlich starkes Jahr 2025, in dem Silber um rund 130 Prozent zulegte, von 29 auf über 70 US Dollar. Laut J.P. Morgan waren Unsicherheiten rund um mögliche US Zölle auf kritische Mineralien nach Section 232 des Trade Expansion Act von 1962 ein zentraler Kurstreiber. Laut den Einschätzungen der Bank sorgte die Entscheidung von Präsident Trump Mitte Januar, vorerst keine neuen Zölle zu verhängen, zunächst für einen Rücksetzer, bevor sich der Preis wieder erholte. Laut J.P. Morgan verstärkte zudem die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed Chef die Volatilität, in deren Folge Silber zeitweise um 27 Prozent einbrach.
Wenn die Nachfrage nach Silber steigt und die Preise anziehen, stellt sich für viele eine naheliegende Frage: Warum fördern die Minengesellschaften nicht einfach mehr Silber? Die Antwort liegt in der besonderen Struktur des Silbermarktes. Rund 72 Prozent der weltweiten Silberproduktion stammen nicht aus reinen Silberminen, sondern entstehen als Nebenprodukt bei der Förderung von Kupfer, Blei, Zink oder Gold. Das bedeutet: Selbst bei stark steigenden Silberpreisen wird die Produktion nicht automatisch ausgeweitet. Entscheidend ist in vielen Fällen die Wirtschaftlichkeit des Hauptmetalls, nicht der Silberpreis allein. Genau das macht das Angebot strukturell unflexibel.
Hinzu kommen lange Entwicklungszeiten neuer Minenprojekte. Von der ersten Entdeckung über Genehmigungen und Finanzierung bis zur tatsächlichen Produktion vergehen häufig 10-15 Jahre. Selbst bei hohen Preisen lässt sich dieser Prozess nicht kurzfristig beschleunigen. Ein weiterer Faktor ist die sinkende Anzahl hochgradiger, großer Silberlagerstätten. Viele historische Minendistrikte sind bereits stark erschlossen. Neue Projekte sind oft kapitalintensiver, technisch komplexer und mit höheren Risiken verbunden.
Gleichzeitig steigt die industrielle Nachfrage, etwa durch Solarenergie, Elektromobilität und moderne Elektronik, kontinuierlich an. Wenn wachsende Nachfrage auf ein nur langsam reagierendes Angebot trifft, entstehen strukturelle Defizite. Die entscheidende Erkenntnis lautet daher: Die Silberproduktion lässt sich nicht beliebig hochfahren. Genau diese Angebotsbegrenzung ist ein zentraler Grund, warum Silbermärkte in Phasen steigender Nachfrage besonders dynamisch reagieren können.
Vor diesem strukturellen Hintergrund wird deutlich: Um die wachsende Nachfrage dauerhaft zu bedienen, müssten deutlich mehr Minenprojekte in Produktion gehen. Doch genau hier liegt die Herausforderung. Genehmigungen, Finanzierung und Entwicklung neuer Lagerstätten benötigen Zeit und Kapital. Gleichzeitig bleibt das Angebot strukturell träge. In diesem Kontext rücken Projekte und Unternehmen in den Fokus, die sich strategisch im Silber und Kupfersektor positionieren und perspektivisch zur Angebotsausweitung beitragen könnten.
Silver Mines Limited bezeichnet das Bowdens-Projekt als eines der größten unentwickelten Silberprojekte weltweit. Laut Unternehmensangaben verfügt das Projekt über 72 Millionen Unzen Reserven sowie 180 Millionen Unzen reine Silberressourcen. Geplant sei eine Minenlaufzeit von bis zu 17 Jahren mit zusätzlichem Erweiterungspotenzial. Das Unternehmen gibt an, in den ersten zehn Jahren eine jährliche Produktion von rund 4 Millionen Unzen Silber bei Förderkosten unter 15 US Dollar je Unze AISC anzustreben. Nach einem Lizenzentzug aufgrund eines Formfehlers arbeite Silver Mines nach eigenen Angaben mit Unterstützung der Regierung an der Wiedererteilung. Frisches Kapital sowie institutionelle Investoren wertet das Unternehmen als Zeichen des Vertrauens in ein mögliches Comeback.
Laut Unternehmensangaben liegt Defiance Silver mit seinen Projekten im traditionsreichen Zacatecas-Distrikt in Mexiko, wo historisch mehr als eine Milliarde Unzen Silber gefördert worden sein sollen. Das Unternehmen betont, dass sich seine Liegenschaften direkt angrenzend an die weltweit größte primäre Silbermine befinden. Für das Projekt San Acacio verweist Defiance auf eine historische Ressource von 18 Millionen Unzen Silber, die mithilfe neuer Bohrprogramme aktualisiert werden soll. Auf weiteren Projekten hätten erste Proben laut Unternehmen hochgradiges Potenzial bestätigt. Zudem hebt das Management hervor, selbst signifikant investiert zu sein. Nach Darstellung des Unternehmens habe die Aktie in den vergangenen Jahren besonders stark auf steigende Silberpreise reagiert.
Mit dem Keno-Silver-Projekt im Yukon setzt Metallic Minerals auf ein hochgradiges Primärsilberprojekt in einem der bekanntesten Silberdistrikte der Welt. Laut Unternehmen umfasst die aktuelle NI-43-101-konforme Ressource 18,2 Millionen Unzen Silberäquivalent bei durchschnittlich 223 Gramm Silberäquivalent pro Tonne – definiert auf lediglich vier Lagerstätten innerhalb eines 171 Quadratkilometer großen Landpakets. Das Projekt grenzt direkt an Hecla Minings produzierende Keno-Hill-Mine, die bereits über 300 Millionen Unzen Silber hervorgebracht hat. Metallic verweist darauf, dass bislang nur ein Teil der identifizierten Zielgebiete systematisch bebohrt wurde. Mehr als 40 weitere Zielzonen gelten als noch ungetestet. Für 2026 ist ein neues Bohrprogramm geplant, das sowohl bestehende Ressourcen erweitern als auch neue Entdeckungen ermöglichen soll. In einem Umfeld steigender Silberpreise könnte genau diese Kombination aus Infrastruktur-Nähe, hochgradigem Distrikt und Explorationshebel besondere Aufmerksamkeit wecken.
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