MONTREAL (dpa-AFX) - Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht für eine engere Zusammenarbeit mit Kanada ein riesiges Potenzial. Das Land wolle wie Deutschland eine Vertiefung der Beziehungen hin zu einer strategischen Partnerschaft, sagte Pistorius auf seiner Kanada-Reise in Montreal. Es gebe enorme Möglichkeiten, nicht nur verteidigungs- und sicherheitspolitisch, sondern auch bei Energie, Rohstoffen, seltenen Erden und vielen Industriezweigen.
Für dich zusammengefasst:
Pistorius sieht Potenzial für Zusammenarbeit mit Kanada.
TKMS unterzeichnete eine Absichtserklärung in Montreal.
Kanada bezieht 80 Prozent Militärgüter aus den USA.
Am zweiten Tag seiner Reise besuchte Pistorius Rüstungsunternehmen des Landes in Montreal, darunter auch CAE, einen Hersteller von Simulatoren für die Pilotenausbildung. Der deutsche U-Boot-Bauer TKMS unterzeichnete dort eine Absichtserklärung mit dem Ziel einer Zusammenarbeit.
Pistorius hatte bereits am Mittwoch in Kanada um den weiteren Ausbau der militärpolitischen Beziehungen und um Rüstungskooperationen geworben. Zugleich riet er Nato-Verbündeten als Reaktion auf Unsicherheit in den Beziehungen zu den USA zu einer entschlossenen militärischen Stärkung.
Kanada, das Kaninchen und die Schlange
Am Mittwoch war Pistorius auf der kanadischen Rüstungs- und Sicherheitsmesse Cansec, wo er auch über die schwierig gewordenen Beziehungen zu den USA sprach. Pistorius forderte, sich auf die eigenen militärischen Fähigkeiten zu konzentrieren. "Vor dem Weißen Haus oder einem anderen Gebäude in der Welt zu sitzen und wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, würde uns nicht stärker machen. Es macht uns schwächer", sagte er.
Die USA seien in den vergangenen Jahrzehnten ein verlässlicher Partner gewesen. Die derzeitige Regierung ändere einige Dinge in ihrem Sinne. Dies wolle er nicht kommentieren. Auch erwähnte er US-Präsident Donald Trump in dem Zusammenhang nicht namentlich.
Er forderte die Verbündeten insbesondere auf, die gegenüber der Nato gemachten Zusagen zu erfüllen. Auch wenn es mit den USA von Tag zu Tag unvorhersehbare Entwicklungen gebe, sei die Zusammenarbeit militärisch und politisch "noch immer sehr stark".
Kanada ordnet seine Beziehungen selbst auch neu
Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Wirtschaftlich und militärisch ist das Land eng mit dem Nachbarn USA verbunden. Das Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt Trumps schwer belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von Trumps mehrfach geäußertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. Bundesstaat einzugliedern.
Das US-Verteidigungsministerium hatte sich angesichts der Spannungen aus einem Teil der militärischen Zusammenarbeit mit Kanada zurückgezogen. Konkret angekündigt wurde, dass die USA die Arbeit im ständigen Verteidigungsrat auf Eis legen. Das Gremium war 1940 geschaffen worden, um sich in Fragen der Verteidigung enger abzustimmen und besteht aus führenden Vertretern des Militärs sowie der Regierungen beider Länder.
Für Verwirrung sorgte eine Äußerung von Pistorius auf einer Pressekonferenz in Montreal, in der er dem Nato-Partner Kanada militärischen Beistand Deutschlands im Falle eines Angriffs zusicherte - Kern der Nato. Pistorius war aber gefragt worden, ob Deutschland Kanada im Fall eines Angriffs durch einen anderen Nato-Staat - gemeint waren hier offenkundig die USA - verteidigen würde. Ein Sprecher erklärte, Pistorius habe in seiner Antwort angenommen, es sei nach einem Angriff auf Kanada von außen gefragt worden./cn/DP/he
Hinweis:
ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen.
Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich
dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch
eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link
„Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für
diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.