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ROUNDUP: Einwanderung nach Großbritannien geht stark zurück

LONDON (dpa-AFX) - Die Einwanderung nach Großbritannien ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Das geht aus jüngsten Zahlen der Statistikbehörde ONS (Office for National Statistics) hervor.

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Demnach lag der Einwanderungsüberschuss, also die Differenz zwischen Einwanderern und Auswanderern im Jahr 2025 bei 171.000 Menschen - das sind knapp 50 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Starmer: "Meine Regierung liefert."

Einen so niedrigen Einwanderungsüberschuss hatte es zuletzt 2021 während der Corona-Pandemie gegeben. Nimmt man die Pandemie aus, sind es die niedrigsten Zahlen seit 2012. Den höchsten Einwanderungsüberschuss bislang verzeichnete Großbritannien 2023 mit 944.000 Menschen.

Im Vergleich dazu seien die Zahlen um 82 Prozent gefallen, betonte Premierminister Keir Starmer in einem Beitrag auf der Plattform X. Dazu schrieb er: "Ich habe versprochen, die Kontrolle über unsere Grenzen wiederherzustellen. Meine Regierung liefert." Gleichzeitig kündigte er an, ein Einwanderungssystem zu schaffen, das auf Qualifikation beruht und "unsere Abhängigkeit von billigen Arbeitskräften aus dem Ausland beendet".

Die britische Regierung steckt seit der für Labour herben Niederlage bei den Kommunal- und Regionalwahlen in einer tiefen Krise. Auch Starmers Zukunft als Premierminister hängt am seidenen Faden. Ob ihn die zurückgegangenen Migrationszahlen retten, ist aber fraglich. Mehrere innerparteiliche Rivalen haben sich bereits in Stellung gebracht, um ihn abzulösen.

Zahlen stiegen stark an nach Brexit

Nach ONS-Angaben kann die Entwicklung auf einen Rückgang der Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern zurückgeführt werden. Deren Zahl war stark angestiegen nach dem Brexit, während die Einwanderung aus EU-Staaten gleichzeitig deutlich nachließ.

Das Ziel, mit dem EU-Austritt die Gesamtzahl der Einwanderer zu reduzieren, ging daher nicht auf. Dabei war Migration eines der wichtigsten Themen beim Brexit-Referendum vor knapp zehn Jahren. Ausgerechnet Ex-Premierminister Boris Johnson, der sich vehement für den Brexit einsetzte, wird inzwischen mit diesen hohen Einwanderungszahlen in Verbindung gebracht.

Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage verspottet das Phänomen gerne als "Boris-Welle". Er führt derzeit mit seiner rechtspopulistischen Partei Reform UK die Umfragen an und wird bereits als Premierminister in spe gehandelt.

Zahl der Asylbewerber in Hotels auch gesunken

Unter Ex-Premier Rishi Sunak hatte die konservative Vorgängerregierung zuletzt stark gegengesteuert und etwa die Möglichkeiten zum Familiennachzug für Studenten deutlich eingeschränkt. Das macht sich nun bemerkbar. Bei Menschen aus der EU und anderen europäischen Staaten sowie bei britischen Staatsbürgern gab es sogar mehr Auswanderungen als Einwanderungen im vergangenen Jahr.

Neben der Zahl der Einwanderer ging auch die der Asylbewerber zurück, die in Hotels untergebracht sind. Die oft teure Praxis ist seit Langem umstritten. Nach Angaben des Innenministeriums in London wurden in den letzten zwölf Monaten bis März rund 20.900 Menschen in Hotels untergebracht. Das entspricht einem Rückgang von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Proteste und Ausschreitungen

Unterkünfte für Asylbewerber waren im Sommer 2024 zum Ziel zahlreicher Proteste und Ausschreitungen in England mit teils deutlich rassistischem Unterton und gewaltsamen Übergriffen geworden. Ausgelöst wurden die Proteste durch Falschinformationen über die Ermordung drei kleiner Mädchen bei einem Tanzkurs im englischen Southport. Premier Starmer hatte ein hartes Durchgreifen der Polizei angeordnet. Hunderte Menschen wurden festgenommen und angeklagt.

Auch im vergangenen Sommer kam es im kleineren Maße wieder zu Protesten vor Hotels, in denen Asylbewerber untergebracht sind. Zum Anlass wurde der sexuelle Übergriff eines Hotelbewohners auf ein 14-jähriges Mädchen genommen. Der Mann wurde später zu 12 Monaten Haft verurteilt, dann aber versehentlich freigelassen, bevor er wieder gefasst und auf eigenen Wunsch nach Äthiopien zurückgeführt wurde./cmy/DP/he

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