PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Europas Aktienmärkte haben am Freitag im Sog eines Ausverkaufs bei KI-Werten deutlich nachgegeben. Anders als am Vortag konnten sie sich den wieder aufgeheizten Sorgen, die vor allem die New Yorker Nasdaq belasteten, nicht mehr erwehren. Zu Wochenschluss verstärkten Quartalsberichte von Amazon und Intel nochmals die Bedenken der Anleger. Außerdem stiegen die Ölpreise angesichts wachsender Sorgen über einen möglichen erneuten Militärschlag der USA im Iran.
Für dich zusammengefasst:
Europas Aktienmärkte gaben am Freitag deutlich nach.
Der EuroStoxx 50 fiel um 1,22 Prozent auf 6.131,31 Punkte.
Astrazeneca verzeichnete einen Anstieg um sieben Prozent.
Nach zuvor vier Gewinntagen sank der EuroStoxx 50 um 1,22 Prozent auf 6.131,31 Punkte. Der Leitindex der Eurozone hat im Wochenverlauf zwar ein Prozent gewonnen, im Oktober aber mehr als zwei Prozent verloren. Außerhalb des Euroraums sah es am Freitag besser aus: Der Schweizer SMI profitierte mit einem Anstieg um 0,36 Prozent auf 14.810,66 Zähler von den Gewinnen einiger Schwergewichte. Der britische FTSE 100 legte um 0,07 Prozent auf 10.729,78 Punkte zu.
"Die KI-Euphorie bekommt Risse", schrieb am Freitag der Anlagestratege Stefan May von der Quirin Privatbank angesichts wachsender Zweifel, ob sich gigantische Investitionen jemals lohnen werden. Große Technologiesprünge verliefen selten geradlinig, denn auf Phasen der Begeisterung folgten oft Überinvestitionen und schmerzhafte Rückschläge. Überstürzte Umschichtungen aufgrund von Warnungen vor einem möglichen Crash oder dem Platzen einer KI-Blase seien deshalb im Depot aber nicht ratsam.
Unter den schwächsten Sektoren waren denn auch in Europa die Technologiewerte. Davon blieben auch das Chipbranchen-Schwergewicht ASML und der Chiphersteller Infineon (Infineon Aktie) mit Kurseinbußen von mehr als sechs Prozent nicht unberührt. Mit Siemens Energy und Schneider Electric (Schneider Electric Aktie) erwischte es aber auch zwei andere KI-Profiteure sehr stark.
Bankaktien standen auch relativ weit auf der Verliererseite. Ausschlaggebend dafür waren große Verluste bei einigen britischen Werten, allen voran NatWest mit einem Kursrutsch um fast neun Prozent. Das Kreditinstitut enttäuschte mit der Aussage, dass es für das kommende Jahr einen Rückgang der Zinserträge erwartet, auch wenn die Zinsen steigen dürften. Im EuroStoxx waren die spanischen Institute Santander und BBVA mit fast vier Prozent Minus die größten Branchenverlierer.
Besser sah es in einigen defensiven Sektoren aus, allen voran Nahrungsmittel und Pharma. In letzterer Branche fiel Astrazeneca positiv auf mit einem Anstieg um sieben Prozent. Der Erfolg von Krebsmedikamenten hatte dem britischen Pharmakonzern auch im dritten Quartal überraschend deutliche Zuwächse beschert. Auch Sanofi überzeugte mit Zahlen, die in Paris einen Kursanstieg um fast fünf Prozent nach sich zogen.
Mit einem Anstieg um ein halbes Prozent profitierte BP in Rekordnähe nur noch moderat davon, dass sich die Reihe glänzender Quartalsberichte von Ölkonzernen fortsetzte. Die hohen Ölpreise und stark gestiegene Raffineriemargen hatten den Briten im dritten Quartal einen Gewinnsprung beschert. Die Ölpreise bewegten sich am Freitag wieder auf die Höchststände seit Beginn des Iran-Kriegs zu.
Gut kamen an der Pariser Börse die Zahlen von Scor an. Die Analysten der kanadischen RBC attestierten dem französischen Rückversicherer ein weiteres starkes Quartal. Die Aktie kletterte in einem freundlichen Versicherungs-Brachenumfeld um 4,7 Prozent./tih/zb
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