Schnellstes Cloud-Wachstum seit Jahren, trotzdem Minus: Verbrennt Amazon zu viel Geld?
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Foto: Frank Hammerschmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Amazons Cloud wächst so schnell wie seit Jahren nicht, doch die Aktie verliert. Schuld sind Investitionen weit über den Erwartungen. Goldman Sachs wittert trotzdem eine Chance. Zu Recht?
Für dich zusammengefasst:
Amazon Web Services Umsatz stieg um 39 Prozent auf 46 Milliarden US-Dollar.
Im dritten Quartal investierte Amazon 77,3 Milliarden US-Dollar.
Der Konzernumsatz wuchs um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden US-Dollar.
Amazon wächst in der Cloud so schnell wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Die Aktie rutscht nach Vorlage der Zahlen am Donnerstagabend trotzdem rund sieben Prozent. ab. Im dritten Quartal legte der Umsatz der Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) um 39 Prozent auf 46 Milliarden US-Dollar zu.
Der Grund sind die gewaltigen Investitionen. Allein im dritten Quartal steckte Amazon 77,3 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und Technik. Das waren laut Brent Thill von Jefferies rund 20 Milliarden US-Dollar mehr als erwartet. Der freie Mittelzufluss der vergangenen zwölf Monate rutschte auf minus 42 Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2026 plant Amazon Investitionen von 220 Milliarden US-Dollar, für 2027 deutlich mehr. "Dies ist eine einmalige Gelegenheit", sagt Konzernchef Andy Jassy.
Zahlen knapp unter den Erwartungen
Der Konzernumsatz stieg um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden US-Dollar und verfehlte die Prognosen knapp. Der Gewinn je Aktie lag mit 1,89 US-Dollar unter den erwarteten 1,96 US-Dollar. Auch das Werbegeschäft blieb mit 19,6 Milliarden US-Dollar hinter den Schätzungen. Für das Weihnachtsquartal stellt Amazon 240 bis 247 Milliarden US-Dollar Umsatz in Aussicht. Analysten hatten im Mittel mit 244,5 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Die Cloud-Sparte könne 2027 und 2028 jeweils um mehr als 40 Prozent wachsen, sagt Jassy. In fünf bis zehn Jahren sei ein Umsatz von einer Billion US-Dollar möglich. Auch der Streamingdienst Prime Video erzielt inzwischen einen Jahresumsatz von "mehreren zehn Milliarden US-Dollar" und schreibt Gewinne.
Bewertung günstiger als Microsoft
Die Konkurrenz wächst in der Cloud noch schneller. Microsoft legte mit Azure um 48 Prozent zu, Google Cloud verdoppelte sich. Nach dem Kursrutsch ist Amazon rund 2,5 Billionen US-Dollar wert, Microsoft rund vier Billionen US-Dollar. Anleger zahlen bei Amazon rund 21 US-Dollar für jeden US-Dollar Gewinn, den Analysten laut MarketScreener für 2027 erwarten. Bei Microsoft liegt das KGV bei rund 28.
Thill nennt die Zahlen "insgesamt schwach", die Citigroup spricht von "gemischten" Ergebnissen. Eric Sheridan von Goldman Sachs sieht in der Aktie auf dem niedrigeren Niveau dagegen eine der attraktivsten Chancen in seiner Abdeckung. Alle sieben bei Ariva erfassten Analysten raten zum Kauf.
Fazit
Das Cloud-Geschäft liefert, doch die Investitionen fressen den freien Mittelzufluss auf. Amazon ist günstiger bewertet als Microsoft. Wer einsteigt, braucht Geduld, bis sich die Milliarden auszahlen.
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