16 Milliarden US-Dollar Umsatz, 80 Milliarden Verlust: Wird das der Börsengang des Jahrzehnts?
Nicolas Ebert
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Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Anthropic öffnet seine Bücher. Der Entwickler des Chatbots Claude hat am Montag den Antrag für seinen Börsengang bei der amerikanischen Börsenaufsicht eingereicht. Die Aktie soll unter dem Kürzel ANT an der Nasdaq notieren. Goldman Sachs und Morgan Stanley führen das Konsortium. Preisspanne und Zahl der Aktien stehen noch nicht fest. Der Börsengang soll bis Ende November über die Bühne gehen.
Die Zahlen zeigen zwei Gesichter. Im ersten Halbjahr 2026 kletterte der Umsatz von 1,1 auf 16,3 Milliarden US-Dollar. Der operative Verlust schrumpfte von 2,1 Milliarden auf 693 Millionen US-Dollar. Im zweiten Quartal erreichte die operative Marge sogar plus 19 Prozent. Anfang 2025 hatte sie noch bei minus 221 Prozent gelegen. Unter dem Strich steht allerdings ein Nettoverlust von 80,7 Milliarden US-Dollar. Rund 72 Milliarden davon gehen auf Bewertungseffekte bei Wandelanleihen zurück, die kein Geld kosten.
Großkunden: Mehr als 1.900 Millionenkunden
Das Geschäft hängt stark an Unternehmen. Mehr als 11.900 Kunden zahlten in den vergangenen zwölf Monaten jeweils mindestens 100.000 US-Dollar. Mehr als 1.900 überwiesen über eine Million, rund 250 sogar mehr als zehn Millionen. Die Kontrolle behalten die sieben Gründer um Konzernchef Dario Amodei. Ihre Sonderaktien bündeln 50,1 Prozent der Stimmrechte. Im Prospekt bittet Anthropic Anleger, den Kauf nicht "rein transaktional" zu sehen, sondern als Chance, "Teil von etwas Größerem" zu sein.
Wie viel das kostet, bleibt die große Frage. Zuletzt bewerteten private Geldgeber Anthropic im Mai mit 965 Milliarden US-Dollar. Für den Börsengang peilt das Unternehmen laut Bloomberg mindestens 1,8 Billionen an. Damit wäre Anthropic etwa halb so viel wert wie Alphabet oder Microsoft und gehörte zu den zehn wertvollsten Börsenkonzernen der Welt.
Rivale OpenAI wird bei einer laufenden Finanzierungsrunde mit 1,25 Billionen US-Dollar bewertet und will erst 2027 an die Börse.
Anthropic wächst so schnell wie kaum ein anderer Konzern und hat im zweiten Quartal operativ Geld verdient. Der Preis dafür ist hoch, und die Gründer behalten das Sagen. Wer nicht zeichnen will, kann indirekt über Amazon und Alphabet dabei sein. Beide legen diese Woche Zahlen vor und sind an Anthropic beteiligt.
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