US-Präsident Donald Trump, seine Frau Melania und etliche Kabinettsmitglieder bleiben unversehrt. Ein Sicherheitsbeamter wird angeschossen, kann aber später aus dem Krankenhaus entlassen werden. Aber der Schock sitzt tief, auch bei Trump, der den Verdächtigen später als "Möchtegern-Attentäter" bezeichnet.
Verdächtiger am Montag vor Gericht
Gegen den mutmaßlichen Angreifer wird bereits ermittelt. Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen 31-Jährigen aus Südkalifornien handeln, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichteten. Der Mann soll als Lehrer und Entwickler für Videospiele gearbeitet haben, heißt es unter Berufung auf das mutmaßliche LinkedIn-Profil des Mannes.
In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) durchsuchte die Bundespolizei FBI das Haus des Verdächtigen in Torrance, einem Vorort südwestlich von Los Angeles. Am Montag soll er vor Gericht in Washington erscheinen, sagte die Bezirksstaatsanwältin Jeanine Pirro kurz nach dem Vorfall.
Was über die Tat bekannt ist
"Ich habe gehört wie jemand "Runter! Runter!" gerufen hat," berichtet eine dpa-Reporterin von vor Ort. "Einige waren ziemlich panisch."
Nach bisherigen Erkenntnissen stürmte der Angreifer gegen halb neun am Abend durch eine Zugangsschleuse des Secret Service, es fallen Schüsse. Trump postete ein Video in den sozialen Medien, das den mutmaßlichen Täter zeigt, wie er an den Beamten vorbeirennt, ehe diese das Feuer eröffnen.
Bewaffnet war der Mann mit Schrotflinte, Handfeuerwaffe und mehreren Messern. Ein Beamter des Secret Service wurde Trump zufolge von mindestens einer Kugel getroffen und durch seine Schutzweste gerettet.
Der Angreifer sei ein Feigling gewesen, der versucht habe, eine "nationale Tragödie" herbeizuführen, sagte Matthew Quinn, der stellvertretende Direktor des Secret Service, in einer Stellungnahme auf X. Der Verdächtige habe die Sicherheitsvorkehrungen des Secret Service unterschätzt. Mehrere Anwesenden hatten diese zuvor kritisiert und warfen die Frage auf, wie der Mann überhaupt so weit kommen konnte.
Der Angreifer wurde festgenommen, ohne von Kugeln getroffen worden zu sein. Auf einem Foto war zu sehen, wie bewaffnete Einsatzkräfte eine am Boden liegende Person umringen. Trump zufolge sei der Mann "ein kranker Mensch, ein sehr kranker Mensch."
"Wir müssen unsere Differenzen beilegen"
Sowohl Trump als auch die Sicherheitsbehörden gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Das Motiv der Tat bleibt indes unklar. Danach gefragt, ob er einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg sehe, sagte Trump: "Ich glaube es nicht. Aber man kann es nie wissen."
Unter dem Eindruck des Geschehens war Trump sichtlich gezeichnet vor die Presse getreten. "Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen", sagte er. "Wir müssen... wir müssen unsere Differenzen beilegen."
Die Gäste waren bei der Vorspeise, als die Schüsse fielen
Das traditionsreiche White House Correspondents' Dinner hatte gerade erst begonnen, als auf einmal Tumult ausbrach im Saal. Minutenlang verharrten die Gäste auf dem Boden, duckten sich unter die Tische - einige sichtlich unter Schock.
Als sie sich wieder aufrichteten, war der Ehrentisch, an dem kurz zuvor unter anderem Donald und Melania Trump, Vizepräsident JD Vance und Regierungssprecherin Karoline Leavitt Platz genommen hatten, bereits leer. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte standen im Raum, in dem zunächst von einem nicht näher definierten Schusswaffenvorfall die Rede war.
Trump und Veranstalter fordern Neuauflage der Gala
Mehrmals wird angekündigt, dass das Gala-Programm gleich weitergehen soll, auch Trump fordert dies in einem Post direkt nach dem Angriff. Doch dazu kommt es nicht. Wenig später kommen Trump und mehrere Kabinettsmitglieder mit vielen der anwesenden Journalisten im Briefing-Raum des Weißen Hauses zusammen - alle noch in Abendgarderobe.
Laut den Sicherheitsbehörden war der Täter Gast im Hilton Hotel, in dem das Dinner stattfand. Um ins Hotel zu kommen, mussten Gäste noch keine Sicherheitsschleuse passieren. Erst wenn sie in den Ballsaal wollten, wurden ihre Taschen kontrolliert und alle durch eine Schleuse geführt.
Nicht der erste Vorfall im Hilton-Hotel
Der Vorfall im Hilton Hotel weckt düstere Erinnerungen an einen blutigen Vorfall vor 45 Jahren. Seinerzeit wurde dort ein Attentat auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan verübt, das er schwer verletzt überlebte.
Auch Trump war mehrfach das Ziel von Attentatsversuchen. Im Sommer 2024 kam der damalige Präsidentschaftskandidat nur knapp mit dem Leben davon, als ein Attentäter bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler im Bundesstaat Pennsylvania auf ihn schoss, eine Kugel verletzte ihn leicht am Ohr. Ein Besucher starb, zwei wurden verletzt. Der Täter wurde von Sicherheitskräften getötet./jcf/DP/he