Moskau klagt über Angriffe Kiews auf AKW Saporischschja
MOSKAU/KIEW (dpa-AFX) - Die Lage rund um das von Moskau besetzte und kontrollierte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja spitzt sich aus russischer Sicht bedrohlich zu. "Wir nähern uns immer mehr einem Punkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt", sagte Alexej Lichatschow, Leiter des Moskauer Atomkonzerns Rosatom. Der Konzern hatte das von russischen Truppen besetzte AKW unmittelbar nach Beginn der Invasion vor über vier Jahren unter seine Kontrolle gebracht. In der vergangenen Zeit häuften sich mutmaßlich ukrainische Artillerie- und Drohnenangriffe auf das Kraftwerksgelände.
Lichatschow betonte, dass "dieses Spiel mit dem Feuer" vor allem für Osteuropa gefährlich werden könne. Daher sollte sich Europa bemühen und seine Kräfte bündeln, um die Lage rund um das AKW zu deeskalieren. Lichatschow wies darauf hin, dass sich auf dem Gelände des Kraftwerks rund 2.600 Tonnen nukleares Brennmaterial befinde. "Und natürlich entstehen im Falle eines gezielten Treffers, insbesondere in Lagern für Kernbrennstoff, Risiken von regionaler Tragweite", sagte er.
Größtes Atomkraftwerk Europas
Angesichts wiederholter ukrainischer Angriffe auf das Umfeld des Kernkraftwerks erklärte Lichatschow, dass auch die soziale Infrastruktur Bestandteil des Sicherheitssystems des AKW sei. Daher wären Angriffe etwa auf Bushaltestellen, Transportmittel oder Kindergärten "eine Eskalation der Lage bis hin zur Katastrophe". Erst am Vortag waren nach russischer Darstellung bei einem ukrainischen Artillerieangriff auf das AKW mehrere Busse in einer Fahrzeughalle zerstört oder beschädigt worden.
Das mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6.000 Megawatt größte Atomkraftwerk Europas steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle. Es produziert derzeit keinen Strom. Mehrere ukrainische Rückeroberungsversuche scheiterten. Ein Team der internationalen Atombehörde IAEA ist ständig vor Ort, um die Lage zu beobachten und durch seine Präsenz einen Atomunfall zu verhindern./cha/DP/jha
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