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"Mehr weihnachtliche Versöhnung wagen!"

Zwischen Weihnachtsfrieden und Klassenkampftönen: Warum Deutschland jetzt weniger Polarisierung und mehr Zusammenarbeit braucht, erklärt Christoph Frank von pfp Advisory.
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22. Dezember 2025. FRANKFURT (pfp Advisory). „Ja is’ denn heut‘ scho‘ Weihnachten?“ Noch nicht ganz, zwei Tage fehlen noch, bis Franz Beckenbauers legendärer Spruch aus einer Mobilfunkwerbung Wirklichkeit wird. Wie wäre es dennoch mit etwas weihnachtlicher Versöhnung? Das gilt in erster Linie für die von Kriegen heimgesuchten Regionen wie die Ukraine. Oder, da das leider wenig realistisch ist, wenigstens ein paar Nummern kleiner, z. B. zwischen der Bundesarbeitsministerin und den Arbeitgebern? Da tat sich im Dezember ein Graben auf, dessen Tiefe mich angesichts der Probleme des hiesigen Standorts doch überrascht hat.

Ich will jetzt gar nicht auf der Ministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas herumhacken, die sich auf dem „Arbeitgebertag“ ausgelacht fühlte, deshalb kurz darauf bei der SPD-Jugendorganisation Giftpfeile Richtung Manager schleuderte und den „Herren in bequemen Sesseln, der eine oder andere im Maßanzug“, den Kampf ansagte. Immerhin hat sie ihre Einlassungen später teilweise relativiert. Dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass bei Bas bzw. weiten Teilen der SPD ein Bild des Unternehmertums vorherrscht, das eher zu den Klassenkämpfen des 19. Jahrhunderts passt als zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dabei zeichnete sich doch gerade der „rheinische Kapitalismus“ bzw. die „soziale Marktwirtschaft“ bisher dadurch aus, dass Unternehmer und Arbeitnehmer versöhnliche gegenüber klassenkämpferischen Tönen bevorzugen. Deutschland ist denn auch mit seinem kooperativen Modell jahrzehntelang gut gefahren. Es gab tendenziell steigenden Wohlstand, nur wenige Streiks, und wirtschaftliche Härten wie z. B. zuletzt während der Finanzkrise 2008 oder der Corona-Krise 2020 wurden abgemildert.

Aus meiner Sicht gibt es daher keinen Grund, nun den Klassenkampf auszurufen und Arbeitnehmer gegen Arbeitgeber aufzuhetzen. Allerdings befürchte ich, dass sich in Bas‘ Äußerungen nicht nur ihre eigene Geisteshaltung widerspiegelt, sondern die einiger Deutscher. Viel zu oft erschrecke ich in Diskussionen, wie unser Wirtschaftssystem grundsätzlich angezweifelt oder Kapitalismus und Börse verteufelt werden. Leider kommt das nicht von ungefähr. Bereits in vielen Schulbüchern dominiert eine einseitig kapitalismuskritische Sicht, ebenso in der Medienlandschaft, wie Studien seit Jahrzehnten nachweisen. Ein Beispiel, das ich unlängst in einer privaten Diskussion herauskramte: In Deutschlands Krimiserie Nummer 1, dem „Tatort“, ist der Mörder fast nie der sprichwörtliche Gärtner, sondern am häufigsten Unternehmer oder Manager, gefolgt vom „Berufskriminellen“ und nur halb so häufig vom Schüler (Details einer acht Jahre alten Erhebung können z. B. unter www.netzsieger.de nachgelesen werden). 

Welche Folgen derlei Zerrbilder für das Image des Unternehmers in der Öffentlichkeit haben, sollte klar sein. Mit der „echten“ Kriminalstatistik hat das indes ebenso wenig zu tun wie mit der „echten“ Zusammenarbeit vieler Unternehmer und Arbeitnehmer in deutschen Firmen. Aber es kann insbesondere jüngere Menschen abschrecken, sich selbst als Unternehmerinnen und Unternehmer zu engagieren. Kein Wunder, dass laut Umfragen mittlerweile eine Mehrheit lieber im öffentlichen Dienst arbeiten will. 

Klischees lassen sich leider nicht von heute auf Morgen korrigieren. Aber jeder lange Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Warum also nicht jetzt, unmittelbar vor dem Fest der Versöhnung? Kurzfristig ließen sich einige Stellschrauben drehen, um den wahren gemeinsamen Feind zu bekämpfen: die Erosion des Wohlstands in Deutschland. Vielleicht lassen sich einige der Mächtigen in diesem Land von der weihnachtlichen Stimmung inspirieren, ihren Beitrag zu leisten: verbale Abrüstung (auch bei den Arbeitgebern), Ziehen an einem Strang statt Klassenkampfgetöse, echte Reformen (in Politik und Wirtschaft) statt deren Imitationen und eine klare Orientierung an einer wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik. Dann wäre, ganz im Sinne weihnachtlicher Versöhnung, ein Neubeginn möglich. Und für die Deutschen würde, wie im legendären Werbespot mit Franz Beckenbauer, ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk vom Himmel fallen.
 
Von Christoph Frank, 22. Dezember 2025, © pfp Advisory

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds, sowie den im August 2021 gestarteten pfp Advisory Aktien Mittelstand Premium (WKN A3CM1J). Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Deutsche Börse.

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