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Kupfer im Höhenflug: Defizite, Rekorde und neue Preishebel

Kupfer erklimmt neue Rekorde und markiert mit über 13.270 USD je Tonne eine strukturelle Neubewertung. Angebotsstörungen, regionale Lagerengpässe und politischer Druck treffen auf strategische Nachfrage aus Netzen, KI und Verteidigung. Laut den Analysten von Sprott ist der Markt früher als erwartet ins Defizit gerutscht – und der klassische Zyklus weicht einem anhaltend angespannten Umfeld.
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Der Kupferpreis befindet sich derzeit in einem ausgeprägten Aufwärstrend. Nach einem starken Jahr 2025 – Kupfer legte laut einem Bericht der Analysten von Sprott um 43,93% zu – setzte sich die Dynamik zu Beginn von 2026 fort. Inzwischen markiert der Markt weitere Rekorde: Der Kupferpreis erreichte demnach zwischenzeitlich 13.273,81 US-Dollar je Tonne. Auffällig ist dabei, dass die Bewegung nicht als klassische zyklische Hausse beschrieben wird, sondern als eine Neubewertung unter enger werdenden Fundamentaldaten. Angebotsstörungen hätten den Markt früher als erwartet in ein Defizit gedrückt, während strukturelles Nachfragewachstum die Versorgung zunehmend überfordere. Parallel steige der strategische Stellenwert von Rohstoffen in einem Umfeld von Deglobalisierung und „De-Dollarization“, was den Kupferpreis zusätzlich stütze, hieß es.

Kupfer: Rekorde in einem Markt mit regionalen „Lagerpools“

Ein zentraler Punkt im Bericht der Experten ist die veränderte Rolle der Lagerbestände. In früheren Jahren konnten Börsenbestände und Arbitrage den Kupferfluss vergleichsweise flexibel dorthin lenken, wo Metall kurzfristig am dringendsten benötigt wurde. Diese Pufferfunktion werde heute durch Handelsfriktionen und politische Unsicherheit eingeschränkt. Das fördere Vorratsaufbau und lenke lieferbares Material gezielt in bestimmte Rechtsräume.

Konkret beschreibt der Bericht eine Situation, in der US-Lagerbestände erhöht sind, während die Verfügbarkeit außerhalb der USA enger ist, als es globale Gesamtsummen vermuten lassen. Für den Kupferpreis bedeutet das: Nicht nur das „Wie viel“, sondern auch das „Wo“ der Bestände gewinnt an Bedeutung. Lieferfähigkeit, Standort und geopolitische Risiken können den Effekt der klassischen Angebots-Nachfrage-Bilanz verstärken – insbesondere dann, wenn die Lieferkette ohnehin angespannt ist und Defizite früher entstehen als erwartet. Der „Inventarpuffer“ verhält sich demnach eher wie mehrere regionale Becken statt wie ein globaler Lagerbestand.

Auch die Aktienmärkte spiegelten 2025 diese Knappheitsstory: Kupferminenwerte profitierten stark, mit +74,59% bei Kupferproduzenten und +132,42% bei Junior-Kupferunternehmen. Der Bericht deutet dies als Ausdruck des operativen Hebels, den Minenaktien bei steigenden Metallpreisen haben, und als Signal, dass höhere Preise die Umsetzbarkeit und Finanzierbarkeit von Projekten wahrscheinlicher machen – insbesondere bei Projekten mit US-Bezug und politischem Rückenwind.

Angebotsseite unter Druck: Störungen und Verarbeitungskosten als Warnsignal

Die Rallye beim Kupferpreis wird im Bericht von Sprott wesentlich mit einem abrupten Wechsel in ein Angebotsdefizit erklärt. Auslöser sei eine Häufung relevanter Störungen: Als besonders gravierend wird die Abschaltung der riesigen Grasberg-Mine im September 2025 beschrieben, bei der schätzungsweise 800.000 Tonnen Schlamm die Mine überfluteten. Der erwartete Produktionsausfall bis Dezember 2026 soll laut Bericht so groß sein, dass er sogar die jährliche Produktion von der riesigen Collahuasi-Mine übersteige – was den Angebotsdruck „über Nacht“ verschärft habe.

Hinzu kamen weitere Rückschläge: Das Kamoa-Kakula-System habe flutungsbedingt Kürzungen von rund 300.000 Tonnen verzeichnet, der Rohstoffkonzern Teck habe seine Prognosen über mehrere Betriebe hinweg um etwa 60.000 Tonnen reduziert, Codelcos El Teniente-Betrieb habe nach einem Unfall die Erwartungen um 33.000 Tonnen gesenkt, und die anhaltende Schließung der Cobre Panama-Mine von First Quantum entspreche weiterhin einem Verlust von über 300.000 Tonnen Angebot. Der Bericht ordnet das in einen strukturellen Kontext ein: Ungeplante Ausfälle lägen historisch im Schnitt bei etwa 5% der globalen Versorgung – nur treffe das heute auf weniger Flexibilität im System, längere Entwicklungszeiten, sinkende Erzgehalte und eine Phase, in der die Industrie Angebotslücken nicht schnell „weginvestieren“ könne.

Ein weiteres Stresssignal sieht der Bericht in den sogenannten Treatment Charges (TCs), also den Entgelten, die Schmelzen für die Verarbeitung von Kupferkonzentrat erhalten. Das jährliche Benchmark-TC für 2026 sei auf 0 US-Dollar gefallen (nach 21,25 US-Dollar in 2025) – und 2025 sei bereits als außergewöhnlich niedrig beschrieben worden, verglichen mit früher oft deutlich höheren Niveaus. Noch ausgeprägter sei die Lage bei Spot-TCs, die tiefer in den negativen Bereich gerutscht seien. Für den Kupferpreis ist das relevant, weil sinkende TCs auf Knappheit von Konzentrat gegenüber Verarbeitungskapazität hindeuten und damit die gesamte Kette anfälliger für Verzögerungen und Störungen machen.

Politik und Nachfragewandel: Section-232-Risiko und „strategischer“ Kupferverbrauch

Neben Angebot und Lagerlogik betont der Sprott-Bericht politische Treiber. Im Mittelpunkt steht das Section-232-Risiko in den USA. Am 30. Juli 2025 wurde demnach eine Proklamation erlassen, die pauschale 50%-Zölle auf halbverarbeitete Kupferprodukte sowie kupferintensive Derivate vorsieht (wirksam ab 1. August 2025). Anders als zunächst erwartet, sei raffiniertes Kupfer jedoch nicht direkt mit einem Zoll belegt worden. Diese Verschiebung – von einem zeitweise eingepreisten Zollpfad hin zu „0%“ auf raffiniertes Metall – habe eine ungewöhnliche US-Prämie erzeugt und kurzfristig Lieferströme in die USA gelenkt. Auch wenn sich diese Prämie wieder normalisiert habe, bleibe die Bestandskonzentration in den USA bestehen, und es gebe einen klar skizzierten Weg zu möglichen Zöllen auf raffiniertes Kupfer in der Zukunft.

Als nächster Fixpunkt gilt laut Bericht der 30. Juni 2026: Dann soll der US-Handelsminister Präsident Trump ein Update zum Binnenmarkt liefern, das als Grundlage für eine mögliche, stufenweise Importabgabe auf raffiniertes Kupfer dienen könnte – genannt werden 15% ab 1. Januar 2027 und 30% ab 1. Januar 2028. Der Bericht schließt daraus, dass das Section-232-Thema nicht „verschwindet“.

Auf der Nachfrageseite sieht der Bericht eine Verschiebung hin zu strategischen, weniger preissensitiven Endverwendungen. Kupfer werde zunehmend als kritisches Material gehandelt – getragen vom Ausbau stromintensiver KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur, von Verteidigungsausgaben und von der Modernisierung der Stromnetze. Als Kennzahl nennt der Bericht, dass elektrische Infrastruktur das Baugewerbe als größte Nachfragesäule überholt habe: Der Anteil sei von 24% (2020) auf 30% (2025) gestiegen, mit weiterem Potenzial nach oben. Diese Mischung aus struktureller Nachfrage und begrenzter Angebotsreaktion stütze den Kupferpreis auch dann, wenn klassische Konjunktursignale uneinheitlich sind.

In Summe zeichnet der Bericht für 2026 ein Umfeld, in dem der Kupferpreis durch mehrere, gleichzeitig wirkende Faktoren nahe Rekordniveau gehalten wird: aktive Politikrisiken, ein fragiles Angebotsprofil, Stress im Konzentratmarkt und eine Nachfrage, die stärker durch kritische Infrastruktur als durch reine Zyklik geprägt ist.

 

 

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